Sep 142015
 

Predigt am 6. September 2015 zu Offenbarung 14,1-5 (Predigtreihe Offenbarung 23)

1 Und ich sah: Das Lamm stand auf dem Berg Zion und bei ihm waren hundertvierundvierzigtausend; auf ihrer Stirn trugen sie seinen Namen und den Namen seines Vaters. 2 Aus dem Himmel ertönte ein Brausen, das sich wie das Tosen einer mächtigen Brandung und wie gewaltiges Donnerrollen anhörte und gleichzeitig wie Musik von Harfenspielern klang. 3 Und sie sangen ein neues Lied vor dem Thron und vor den vier Lebewesen und vor den Ältesten. Aber niemand konnte das Lied vernehmen außer den Hundertvierundvierzigtausend, die aus allen Völkern der Erde freigekauft sind.
4 Sie haben sich durch keinerlei Untreue dem Lamm gegenüber schuldig gemacht, sondern haben sich rein bewahrt wie eine Braut für ihren Bräutigam und folgen dem Lamm, wohin es auch geht. Unter allen Menschen sind sie diejenigen, die freigekauft wurden und wie eine Erstlingsgabe Gott und dem Lamm geweiht sind. 5 Über ihre Lippen ist nie eine Lüge gekommen; es ist nichts an ihnen, was Tadel verdient.

Als wir zuletzt vor zwei Wochen auf die Offenbarung hörten, begegneten wir da dem Tier aus dem Abgrund, dem Monster, der Kreatur des Satans. Gemeint war das Imperium Romanum mit seinem Zentrum, dem römischen Kaiser. Eine Machtmaschine, wie sie die Welt bis dahin nicht gekannt hatte. Und damit die Menschen ruhig bleiben, auch wenn sie von diesem Zentrum ausgebeutet und manchmal zugrunde gerichtet werden, gibt es eine umfassende Propagandaabteilung: den Kaiserkult, der überall im Lande seine Tempel, Standbilder und Propagandisten hat. Und gleichzeitig ist dieses Machtsystem ein Symbol für alle Imperien und Reiche, die Menschen beherrschen und eine Heerschar von Propagandisten beschäftigen, die die Loyalität der Unterworfenen sichern sollen.

Gottes Gegenmacht
Bild: nickelbabe via pixabay, Lizenz: creative commons CC0

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Es ist ein bedrückendes Bild des Herrschaftssystems, das sich die ganze Erde unterwerfen will. Und so konnte ich das letzte Mal aus dem Text selbst gar nicht so viel Hoffnung gewinnen, weil Johannes erst einmal schlicht beschreibt, wie dieses System funktioniert. Erst heute sehen wir klarer, was Gott der Bedrohung durch das imperiale Monster entgegen setzt.

»Ich habe meinen König auf dem Berg Zion eingesetzt« heißt es in Psalm 2. Und so schwenkt das Bild jetzt von den Monstern, die dem Meer entsteigen, zum Berg Zion. Und da sehen wir das Lamm, wie Jesus in der Offenbarung oft bezeichnet wird. Das Lamm und 144.000 Menschen, die sich der imperialen Macht nicht gebeugt haben. Das ist Gottes Gegenmacht, an der der Angriff des Monsters scheitern soll.

Wir kennen diese 144.000 schon aus dem 7. Kapitel der Offenbarung. Da wird all diesen Menschen das Siegel des lebendigen Gottes auf die Stirn gedrückt. Hier erfahren wir mehr über sie: sie folgen dem Lamm, wohin es geht, heißt es. Es sind die Nachfolger Jesu, und indirekt wird damit gesagt, dass sie nötigenfalls Jesus auch ins Leid und in den Tod folgen werden. Hier sieht man: die Offenbarung greift ihre Themen und Bilder immer wieder auf und entwickelt sie nach und nach weiter.

Das himmlische Lied, gehört auf der Erde

So ist es auch mit dem Lied, das jetzt zu hören ist. In Kapitel 5 war beschrieben, wie im Himmel vor Gottes Thron ein neues Lied gesungen wird, ein Loblied für Jesus, der mit seinem Tod Menschen aus allen Völkern und Kulturen erworben und befreit hat und der als einziger in der Lage ist, das Buch mit dem geheimen Plan Gottes zu öffnen und zu lesen.

In Kapitel 5 war das eine Vision aus dem Himmel. Jetzt sehen wir das Ganze von der anderen Seite aus, von der Erde her, und da kommt es nur undeutlich an. Im Himmel ist es ein klarer, schöner, gewaltiger Gesang. Auf der Erde ist es zunächst einmal ein gewaltiges, starkes Brausen, wie eine Meeresbrandung. Übrigens wird auch die Stimme des himmlischen Jesus in Kapitel 1 mit so einem Brausen beschrieben. Aber durch das Brausen hindurch hört man die Worte Jesu und hier hört man in dem Brausen die himmlische Musik. Besser gesagt, der Seher Johannes kann sie hören, und auch die 144.000 hören das Lied. Die anderen hören nur das Brausen: sie bekommen mit, dass da irgendetwas Großes passiert, aber sie verstehen es nicht.

Dieses Bild sagt: die Leute Jesu sind diejenigen, die jetzt schon die Musik aus dem Himmel hören können. Auf der uns verborgenen Seite der Welt wissen sie schon, dass mit Jesus die große Revolution der Welt geschehen ist. Und da freuen sie sich und singen und loben Gott für seine großen Taten, aber nur die befreiten Menschen hören und verstehen auf der Erde diese Musik. Auch sie verstehen das nicht in aller Klarheit und Schönheit, aber sie ahnen wenigstens die Musik der neuen Welt, das neue Lied, das jetzt die Schöpfung bewegt. Für die anderen ist es – wenn überhaupt – nur ein unklares Getöse. Aber diese Menschen Jesu sind geschützt gegen die Parolen der Propagandamaschine, sie haben die Lügen nicht nachgeplappert, mit denen das Sicherheitssystem die Menschen besoffen redet. Weil sie das neue Lied der neuen Welt kennen und vielleicht sogar mitsingen, haben sie etwas Besseres und werden immun gegen das süße Gift der Lüge.

Eine Welt der Lüge

Lüge ist ein Grundbaustein des Systems, mit dem der Drache herrscht. Menschen glauben ihre eigenen Lebenslügen, Familien pflegen Illusionen über sich selbst und ihr harmonisches Zusammenleben, Völker leben mit Fantasien darüber, wie toll sie sind und wie wertvoll. Seit vielen Jahren erleben wir den Versuch, uns davon zu überzeugen, dass es am besten ist, wenn Menschen nur an sich selbst denken und mit niemandem anderen solidarisch sind, und dass man vor allem an der Unterstützung der Schwachen sparen, sparen, sparen muss. Ich denke, diese ganzen Parolen vom Sparen und vom Gürtel-enger-Schnallen kennen wir alle, aber sie werden nie den Superreichen dieser Welt gepredigt, denen die Hälfte oder mehr aller Vermögen gehören.

Beschämt durch Freundlichkeit

Es gibt ganze Denkfabriken, die planvoll überlegen, mit welcher Argumentation man die Menschen am besten zu Hartherzigkeit, Knauserigkeit und Selbstsucht überreden kann. Aber dann kommen Flüchtlinge in großer Zahl bei uns an, und auf einmal sind viele Menschen da, die sagen: die kann man doch nicht vor unserer Tür sich selbst überlassen, da muss man doch helfen, was kann ich tun? Und man kann sich ziemlich sicher sein, dass da viele dabei sind, die direkt oder auf Umwegen durch Jesus und seinen Weg motiviert sind. Und alle, die laut schreien: »wir wollen keine Flüchtlinge bei uns« und am Ende Häuser anzünden, die werden beschämt von all den anderen, die einfach menschlich sind – und sich vielleicht daran erinnern, dass es in der Geschichte ihrer eigenen Familie auch Flüchtlingsschicksale gibt.

Das ist die Art, wie der Krieg des Lammes geführt wird: durch Menschen, die ihr Herz nicht hart werden lassen, sondern Jesus folgen und Liebe üben. Jesus und seine Leute schlagen nicht, sie töten nicht, und trotzdem ist die Hilfsbereitschaft, die jetzt in unserem Land aufbricht, eine Ohrfeige für alle, die von Hass bewegt sind. Wenn die einen schimpfen und zündeln und die anderen helfen und freundlich sind, dann muss man schon ziemlich blind sein, wenn man nicht sieht, was die richtige Seite ist.

Den Weg für Freundlichkeit freimachen

Aber es braucht dazu Menschen, die anfangen, die vorangehen, die zeigen, dass es möglich ist. Es braucht Menschen, die andere ermutigen, damit die ihr gutes Potential auch einsetzen. Als wir vor zehn Jahren hier unser Kirchenasyl hatten, da haben auch ganz viele mitgeholfen, wenn wir sie gebeten haben, obwohl damals die allgemeine Stimmung noch anders war. Aber wir mussten vorangehen, und dann haben sich die anderen auch daran erinnert, dass sie doch eigentlich gerne helfen und gut sind. Menschen sind so geschaffen, dass wir eigentlich helfen möchten. Aber wir haben es schwer, dem zu glauben, weil die Drachenwelt uns immer wieder sagt, dass das unrealistisch ist. Wenn aber die 144.000 sich dem Drachen und seinen Propagandisten nicht beugen, dann erwacht in vielen anderen auch der Wunsch zu helfen und gut zu sein. Und am Ende macht auch die Regierung mit. Und jeder, der dann sein lebendiges, liebevolles Herz entdeckt und Solidarität übt, ist eine schallende Ohrfeige für den Drachen.

Deswegen wird über die 144.000 gesagt, dass sie die Erstlingsgabe sind, die Gott und dem Lamm, also Jesus, geweiht sind. Das ist ein Bild aus dem Bereich des Tempelopfers. Die ersten Früchte der neuen Ernte bringt man Gott, man weiht sie ihm, und zeigt damit, dass ihm die ganze Ernte gehört. So sind auch die 144.000 erst der Anfang, sie sind der Vortrupp des Lebens, und sie machen für die anderen den Weg frei. Sie schneiden mit ihrer Existenz und ihrer Lebensweise ein Loch in das Netz der Propaganda, in dem die Menschen gefangen sind. Sie können das alles, weil sie das himmlische Lied vernehmen und so immun werden gegen die krächzenden Lügen der Monster.

Die Geduld der Heiligen

Und deswegen wiederholt Johannes immer wieder, dass es auf die Geduld und Standhaftigkeit der Heiligen ankommt. Ja, es wird keine schnellen Erfolge geben, obwohl Erfolge nicht ausbleiben werden. Auch wenn der Krieg des Lammes auf der Seite der Jünger Jesu mit Waffen der Liebe ausgekämpft wird, ist es wirklich ein harter Kampf. Und er kostet Opfer. Wenn man allerdings schaut, wieviel Opfer andere Kriege kosten, also: wenn wir aktuell nach Irak und Syrien schauen, dann muss man sagen: der Krieg des Lammes ist im Vergleich einer mit viel weniger Opfern. Der Unterschied ist nur, dass die Opfer vor allem auf der Seite der Christen gebracht werden. Die 144.000, die für die starke weltweite Christenheit stehen, riskieren für sich selbst viel und zerstören niemanden. Aber das ist der Weg, wie Gott und seine Leute in dieser Welt kämpfen.

Die entscheidende Frage ist, ob wir mit Geduld und Standhaftigkeit durchhalten. Wir sollen nicht zurückweichen, wir sollen uns nicht auf falsche Fährten locken lassen. Natürlich wird der Drache sich etwas Neues ausdenken, wenn er den ersten Schreck über so viel Hilfsbereitschaft und Solidarität hinter sich hat. Wer weiß, was er noch an bösen Überraschungen bereithält. Deswegen will Johannes, dass wir auf Tricks und Angriffe vorbereitet sind.

Die Melodie muss weiter klingen

Im Grunde geht es um einen Abnutzungskrieg. Werden die 144.000 durchhalten? Werden sie konsequent immer weiter liebevoll und freundlich, hilfsbereit und verantwortungsvoll bleiben? Werden sie immer weiter auf das Siegeslied aus dem Himmel hören? Und es in ihrem Herzen weitersingen? Werden sie fest mit Jesus verbunden bleiben? Dann ist der Sieg Gottes über das Monsterimperium nicht mehr weit. Mit Menschen, die unbeirrbar durchhalten und sich nicht beirren lassen, befreit Gott seine Schöpfung.

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