Feb 012015
 

Predigt am 1. Februar 2015 zu 1. Korinther 9,24-27

24 Ihr wisst doch, wie es ist, wenn in einem Stadion ein Wettlauf stattfindet: Viele nehmen daran teil, aber nur einer bekommt den Siegespreis. ´Macht es wie der siegreiche Athlet:` Lauft so, dass ihr den Preis bekommt! 25 Jeder, der an einem Wettkampf teilnehmen will, unterwirft sich einer strengen Disziplin. Die Athleten tun es für einen Siegeskranz, der bald wieder verwelkt. Unser Siegeskranz hingegen ist unvergänglich.
26 Für mich gibt es daher nur eins: Ich laufe wie ein Läufer, der das Ziel nicht aus den Augen verliert, und kämpfe wie ein Boxer, dessen Schläge nicht ins Leere gehen. 27 Ich führe einen harten Kampf gegen mich selbst, als wäre mein Körper ein Sklave, dem ich meinen Willen aufzwinge. Denn ich möchte nicht anderen predigen und dann als einer dastehen, der sich selbst nicht an das hält, was er sagt.

Paulus hatte das Problem, wie er in einer Welt mit vielen Göttern den Glauben an den einen Gott und Vater Jesu Christi kommunizieren konnte. In der Antike gab es viele Götter, und alle hatten ihre Tempel. Und die Menschen waren nicht Mitglieder einer bestimmten Religion, sondern sie gingen mal in diesen Tempel und mal in jenen, sie opferten mal hier und mal dort, je nachdem, ob sie gerade Probleme mit der Gesundheit hatten, oder ob das Geschäft etwas mehr Schwung brauchte oder ob sie sich Kinder wünschten oder einen Krieg vorbereiteten.

Paulus dagegen, wie jeder Jude, glaubte nur an einen Gott, der die ganze Welt geschaffen hatte, und die Menschen als seine Beauftragten in der Welt. Das war für viele nicht leicht verständlich, dass da zu den vielen Göttern nicht einfach noch ein anderer dazukam, sondern dass es nur einen Schöpfer geben sollte, der die Welt aus einem Guss geschaffen hat. Und der deshalb von den Menschen nicht viele unterschiedliche, vielleicht widersprüchliche Dinge erwartete, sondern ein Leben, das ganz von ihm, dem einen Gott her, geprägt war.

Ein Beispiel für Fokussierung

Und deswegen suchte Paulus nach Beispielen, mit denen er sich verständlich machen konnte. Wo gibt es das sonst noch, dass Menschen sich konsequent auf ein Ziel ausrichten? Paulus hätte vielleicht vom Krieg reden können, wo ja auch alles auf den Sieg konzentriert ist, aber stattdessen nimmt er den Sport. Erstaunlicher Weise hatte der Sport damals eine ganz ähnliche Bedeutung wie heute, eine der vielen bemerkenswerten Ähnlichkeiten zwischen der Antike und der Gegenwart.

Bild: Skitterphoto via pixabay, creative commons CC0

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Und auch damals war es so, dass Spitzenleistungen im Sport zu 90 % kein Zufall sind, sondern auf dem Fundament eines intensiven, disziplinierten Trainings ruhen. Wer einfach nur sagt: ich strenge mich eben ganz besonders an, der wird nicht gewinnen. Anstrengen tun sich alle, aber wer nicht vorher die nötigen Muskeln und die Ausdauer aufgebaut hat, der kommt mit Anstrengung und Entschlossenheit allein bestimmt nicht aufs Treppchen. Chancen auf den Sieg haben nur diejenigen, die über lange Zeit auf dieses Ziel hin gelebt haben.

Und Paulus nimmt solche Leistungssportler als Beispiel für Menschen, die ihr Leben auf ein Ziel hin ausgerichtet haben, und er erklärt damit, wie der Glaube an den einen Gott funktioniert: da gibt es einen Dreh- und Angelpunkt, von dem her alles seine Einheit bekommt. Der Sieg steht im Mittelpunkt, und für den wird trainiert, danach richtet sich die Ernährung, daran erinnert der Trainer immer wieder, dafür schläft der Athlet genug, und vielleicht macht er vor dem Einschlafen noch Mentaltraining. Alles für den Sieg.

Vergänglicher Ruhm

Und nun hat Paulus, als er das beschreibt, wahrscheinlich innerlich den Kopf darüber geschüttelt, dass Leute das alles in Kauf nehmen für eine Trophäe, die ziemlich schnell verwelkt und verstaubt ist. Damals bekam man als Zeichen des Sieges einen Lorbeerkranz aufgesetzt. Das dauerte wirklich nicht lange, bis man dem sein Alter ansah. Aber selbst heute, wo man als Siegeszeichen Pokale und Medaillen bekommt, die aus stabilerem Material sind: irgendwann verstauben die auch in der Vitrine. Und eines Tages stößt man dann zufällig auf alte Urkunden und erinnert sich: ach ja, da habe ich ja mal mitgemacht und war eigentlich ganz gut. Neulich las ich sogar irgendwo, dass eine Olympiasiegerin Geldprobleme hatte und ihre Medaillen verkaufen wollte. Das hat sie sich bei der Siegerehrung bestimmt nicht vorstellen können, dass sie die ersehnte Medaille eines Tages schnöde verscherbeln würde.

So schnell vergeht Ruhm, meistens schon zu unseren Lebzeiten, und es ist erstaunlich, wie Menschen trotzdem immer wieder alles dafür tun. Aber trotzdem entdeckt Paulus darin etwas Wahres und Richtiges: Menschen sind tatsächlich dazu geschaffen, ein Leben aus einem Guss zu leben. Ein Leben, das auf den einen Gott hin ausgerichtet ist. Das von ihm her inspiriert ist.

In vielen unterschiedlichen Rollen

Das heißt nicht, dass man deshalb Mönch werden und im Kloster leben müsste. Die Vielfalt des Lebens soll nicht geschmälert werden. Aber in all den vielen Lebensbereichen, in denen wir alle drinstecken, soll unser Leben trotzdem eine einheitliche Linie haben und nicht in Bruchstücke zerfallen, die kaum noch etwas miteinander zu tun haben.

Wir stecken ja alle in den unterschiedlichsten Lebensbereichen drin: wir sind Eltern oder Kinder, wir gehen zur Schule oder zur Arbeit oder machen den Haushalt, manchmal haben wir Kontakt mit der Welt der Krankenhäuser und Heime, wir sind in Vereinen, Gruppen und Clubs, im Augenblick sind wir im Gottesdienst, viele haben Bekannte, die sie vor allem aus dem Internet kennen, oder aus dem Urlaub, und wer weiß, wo wir noch überall drinstecken. Und wir wissen alle, dass wir mit unserer Mutter anders reden als mit unserem Chef; im Internet kommunizieren Leute manchmal in einem Ton, den sie sich von Angesicht zu Angesicht nie trauen würde; und im Urlaub sind Menschen oft völlig anders als zu Hause.

Aber wer sind wir dann wirklich? Gibt es noch einen Zusammenhang zwischen all den verschiedenen Fetzen unseres Lebens? Gibt es Regeln, die uns überall begleiten, oder wechseln wir dauernd die Persönlichkeit? Wir sind da gar nicht so viel anders als die Menschen des Altertums, die für jeden Lebensbereich den passenden Spezialgott hatten.

Die Vielfalt hat einen Ursprung

Und das kriegt auch nicht jeder gut hin, sich immer das richtige Seelenkostüm zu greifen. Das kann ganz schön anstrengend sein, immer wieder umzuschalten. Und deswegen redet Paulus von dem einen Gott, der die Welt in ihrer ganzen Vielfalt geschaffen hat und durch Jesus erneuert. Deswegen ist sie keine verwirrende Vielfalt, deswegen gibt es keine unlösbaren Konflikte, sondern es ist eine Welt, die in ihrer unübersehbaren Vielfalt doch einen gemeinsamen Schöpfer und ein gemeinsames Ziel hat. Und im Gegenüber zu ihm werden wir zu Menschen, die nicht hin und her gerissen sind zwischen all den unterschiedlichen Lebensbereichen, sondern in all den vielen Szenarien, die wir erleben, begleitet uns Gott und arbeitet mit und durch uns an der Erneuerung der Welt.

In den Versen vor unserer Passage hat Paulus beschrieben, wie er sich einlässt auf unterschiedliche Kulturen und Bewusstseinslagen von Menschen. Man kann sich Paulus richtig vorstellen, wie er in einer Großstadt wie Korinth mal im Haus eines hohen Beamten eingeladen ist, mal in einer Hafenkneipe diskutiert und dann wieder in der Synagoge, dem jüdischen Gotteshaus. Vielleicht muss er sich im Stundentakt umstellen, vielleicht wechselt er in jedem Haus wieder das Vokabular, aber er hat eine einheitliche Mission, es geht immer um denselben Gott.

Kulturtraining

Und er empfiehlt seinen Leuten, dass sie das als eine sportliche Herausforderung sehen sollen: Kommunikation üben quer durch Kulturen, Religionen und Bewusstseinslagen hindurch. Dafür muss man genauso trainieren wie für einen Marathonlauf. Da reicht es nicht, dich einfach nur anzustrengen oder es ernst zu meinen, da hilft nur: immer wieder machen, ausprobieren, mal mit Bürokraten reden und mal mit Türken, mal das Evangelium in Worte fassen, die ein Taxifahrer versteht, und dann wieder in gepflegter Umgebung sich nicht von Stil und Gediegenheit einschüchtern zu lassen.

Das ist nicht einfach, und deshalb hilft nur üben, üben, üben. Wie vor einer Weltmeisterschaft. In all den unterschiedlichen Situationen den göttlichen Hintergrund der Welt entdecken, ihn so beschreiben, dass auch die anderen ihn sehen können. Je öfter wir das tun, um so besser sehen wir auch selbst, wie überall die Schöpfung Gottes nicht endgültig zerstört ist, sondern überdeckt, auseinander gefallen, falsch zusammengesetzt und verstümmelt. Und sie wartet darauf, das jemand sie erkennt und nach ihr ruft und all die Bruchstücke an ihren richtigen Ort geleitet.

Verstreute Bruchstücke der Wahrheit sehen

So wie Paulus in dem konzentrierten Training eines Langstreckenläufers etwas von der Bestimmung des Menschen zu einem einheitlichen, zusammenhängenden Leben entdeckt, und nur anmerkt: diese tolle Konzentration hätte ein besseres Ziel verdient! Oder wenn wir an die Lesung (Lukas 16,1-8) vorhin denken: wie Jesus in der Trickserei eines unehrlichen Verwalters doch Klugheit und Flexibilität entdeckt, die er für seine Leute auch gern hätte.

Überall, in der ganzen Welt, kann man solche Bruchstücke der Wahrheit finden. In allen Kulturen, in allen Religionen und Philosophien, in allen politischen Strömungen, in allen Epochen der Menschheitsgeschichte. Das Licht Jesu spiegelt sich in unzähligen kleinen Lichtern, und es ist unsere Aufgabe, die Wahrheit in all ihren vielen Verkleidungen und Verkürzungen, in all ihren vielen Bruchstücken und Verzerrungen wiederzuerkennen und freundlich einzuladen zu ihrem Ursprung. Es ist unsere Aufgabe, Formulierungen zu finden, die Brücken bauen und die Verwerfungen beseitigen.

Die Disziplin der Wagnisse

Das ist nicht einfach. Das muss man üben. Paulus spricht davon, wie er selbst sich immer wieder an diese Arbeit zwingt. Wir alle würden gerne in unserer Komfortzone bleiben. Aber Paulus sagt: es geht um Disziplin und Training. Wir alle würden gern das Evangelium in der endgültigen Fassung ein für alle mal parat haben. Aber die Disziplin des Glaubens bedeutet, dass wir immer wieder das Wagnis neuer Formulierungen und neuer Lebensweisen eingehen. Dass wir immer neu die auseinanderfallende Schöpfung zur Einheit geleiten.

Gott ist auf dem Weg durch seine Welt und stößt uns immer wieder mehr oder weniger sanft an, damit wir diszipliniert bleiben und uns nicht zur Ruhe setzen. Gott will seine auseinandergefallene Schöpfung wieder zusammensetzen, schöner und reicher als je zuvor, und er will uns an zentraler Stelle dabei haben.

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