Dez 072014
 

Predigt im Besonderen Gottesdienst am 7. Dezember 2014 mit Lukas 3,1-6

Der Gottesdienst begann mit verschiedenen Berichten über Weihnachtsfeiern an ungewöhnlichen Orten, z.B. in der Reha, im winterlichen Finnland, in der Psychiatrie.

Predigt über Lukas 3,1-6:

1 Es war im fünfzehnten Jahr der Regierung des Kaisers Tiberius; Pontius Pilatus war Gouverneur von Judäa, Herodes regierte als Tetrarch in Galiläa, sein Bruder Philippus in Ituräa und Trachonitis, Lysanias in Abilene; 2 Hohepriester waren Hannas und Kajafas. Da bekam Johannes, der Sohn des Zacharias, in der Wüste von Gott seinen Auftrag. 3 Er durchzog die ganze Jordangegend und rief die Menschen dazu auf, umzukehren und sich taufen zu lassen, um Vergebung der Sünden zu empfangen.
4 So erfüllte sich, was im Buch des Propheten Jesaja steht: »Hört, eine Stimme ruft in der Wüste: ›Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet seine Pfade!‹ 5 Jedes Tal soll aufgefüllt und jeder Berg und jeder Hügel abgetragen werden. Krumme Wege müssen begradigt und holprige eben gemacht werden. 6 Und die ganze Welt soll das Heil sehen, das von Gott kommt.«

Wenn wir Weihnachten nicht zu Hause, sondern an ungewöhnlichen Orten sind, dann scheinen das vor allem Krankenhäuser und Kliniken zu sein. Vielleicht ist das auch mal beruflich bedingt, und es könnte auch sein, dass wir den Heiligen Abend auf einem Bahnhof oder Flughafen verbringen müssen, weil die Verkehrsverbindungen nicht funktionieren. An einen Stau auf der Autobahn wollen wir jetzt lieber nicht denken.

Auf jeden Fall: woanders zu sein, das bringt Selbstverständlichkeiten durcheinander. Auf einmal ist die ganze Kulisse weg, in der Weihnachten sonst gefeiert wird. Aber anscheinend ist Weihnachten für viele Menschen auch unabhängig von der Kulisse wichtig. Was ist das eigentlich, was Menschen mit Weihnachten verbinden? Zu Weihnachten versichert man sich, welche Beziehungen für einen wichtig sind: man feiert mit denen, mit denen man verbunden ist. Erst mit den Kolleginnen und Kollegen, dann im Verein, und am Ende und vor allem mit der Familie. Und in diesen Beziehungen sucht man Verlässlichkeit, man möchte sich vergewissern, dass die auch im nächsten Jahr halten und dass die Welt überhaupt auch im nächsten Jahr weiter geht. Deswegen empfinden es viele so schlimm, wenn sie Weihnachten allein sind, und deswegen versuchen alle, nur keinen Streit unterm Weihnachtsbaum aufkommen zu lassen: wenigstens Weihnachten wäre es schön, wenn man glauben kann, dass alles in Ordnung ist.

Weihnachten in der Wüste

Wenn aber zu Weihnachten alles ganz anders ist als sonst, wenn man z.B. weit weg von zu Hause ist, dann muss man neu überlegen, was einem wichtig ist. Das klassische Bild für eine Umgebung, in der alles ganz anders ist, ist die Wüste. Die Wüste ist so ziemlich genau das Gegenteil von zu Hause. Da fehlt alles, was das Leben leicht macht. Genau deshalb ist die Wüste der Ort, wo Menschen sich schon immer neu orientiert haben. Johannes der Täufer holt die Leute in die Wüste und sagt: stellt euch darauf ein, dass Gott kommt – er steht vor der Tür! Aber Johannes war nicht der erste und nicht der letzte, der das tat. Mose war mit dem Volk Israel 40 Jahre in der Wüste, als sie von einem Sklavenvolk zu einem Volk freier Menschen werden sollten. Elia war in der Wüste, als er an Gott und seinem Auftrag irre geworden war. Jesus holte die Menschen in die Einöde, wo er ungestört mit ihnen etwas Neues ausprobieren konnte.

Und die klassische Bibelstelle heißt: in der Wüste bereitet dem Herrn den Weg! Das heißt, gerade die lebensfeindliche Wüste ist der Ort, wohin der Gott des Lebens kommt. Gerade die Wüste ist der Ort, wo man entdecken kann, dass hinter allen Beziehungen und Sicherheiten Gott verborgen ist, und dass gerade er die Beziehung ist, die stabiler ist als alle Zugehörigkeiten, in denen wir sonst so stecken.

So ist dann ein Krankenhaus (oder die Einsamkeit des Nordens, oder …) gar kein schlechter Platz, um Gott zu erwarten. Je weniger da ist, um so mehr Bedeutung bekommt das Kleine, das dann sichtbar wird. Je weniger du hast, um so stärker spürst du, wonach du dich sehnst. Ein Wüsten-Advent ist also gar nicht so schlecht, um Weihnachten vorzubereiten.

Wenn man ganz viel nicht hat, dann werden kleine Gesten wichtig. Wer in der Küche eines Krankenhauses oder einer ähnlichen Einrichtung arbeitet, der hat sich heute hoffentlich gemerkt, dass man mit dem Essen eine Botschaft verbinden kann, die bei Menschen durchaus ankommt.

Zu Weihnachten werden Dinge besonders mit Bedeutung belegt

Weihnachten ist ja eine Zeit, in der materielle Dinge ganz besonders stark mit Bedeutung belegt werden. Es ist nicht immer klar, welche Bedeutung das ist, aber Plätzchen und Gänsebraten, grüne Zweige und Kerzen transportieren in dieser Zeit mehr Sinn als sonst. Und wenn man zu Weihnachten in irgendeiner Form von Wüste ist, von beinahe allem abgeschnitten, was sonst Weihnachten ausmacht, dann ist man dankbar für alles, was einem angeboten wird. Und man wird sich klarer darüber, dass es ja gar nicht die Gegenstände sind, um die es geht, sondern um die Bedeutung, die sie tragen.

Man kann entdecken, dass auch schon ein wenig ganz viel Bedeutung mit sich bringen kann. Man kann entdecken, dass Gott mitten in der Wüste zu uns spricht. Es ist die Erfahrung der Mystiker, die manchmal auch ganz normale Menschen überfällt, ohne dass sie immer wissen, was es ist. Gott bekräftigt, dass er in unsere Welt kommt und uns nicht allein lässt. Dass er Frieden schenkt, der sich auch mitten in Streit und Unwirtlichkeit entfalten kann. Und so gibt er die Beständigkeit, die all die Festbräuche höchstens meinen. Die Verlässlichkeit. Das Vertrauen, dass die Welt, auch meine Welt, weitergeht und ein gutes Ende findet. Und man kann entdecken, dass es das ist, wonach man sich in all dem Weihnachtsaufwand eigentlich gesehnt hat.

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