Sep 012014
 

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1 Danach wurde mir etwas anderes gezeigt. Ich sah im Himmel eine geöffnete Tür und hörte, wie die gleiche Stimme, die schon zuvor mit mir gesprochen hatte und die wie eine Posaune klang, zu mir sagte: »Komm hier herauf! Ich werde dir zeigen, was nach den Dingen, von denen du bereits gehört hast, noch kommen muss.« 2 Im gleichen Augenblick wurde ich vom Geist Gottes ergriffen. Ich sah einen Thron im Himmel stehen, und auf dem Thron saß jemand, 3 von dem ein Leuchten ausging wie von einem Diamanten oder einem Karneol. Ein Regenbogen, strahlend wie ein Smaragd, umgab den Thron mit seinem Glanz. 4 Rings um den Thron standen vierundzwanzig andere Throne, und auf diesen Thronen saßen vierundzwanzig Älteste, die in weiße Gewänder gehüllt waren und goldene Kronen trugen. 5 Von dem Thron ´in der Mitte` her gingen Blitze, Stimmen und Donner aus. Sieben Fackeln brannten vor dem Thron; das sind die sieben Geister Gottes. 6 Die Fläche, die sich vor dem Thron ausdehnte, sah wie ein gläsernes Meer aus und war von kristallener Klarheit.

Unmittelbar beim Thron, rings um ihn herum, standen vier lebendige Wesen, die vorn und hinten mit Augen bedeckt waren. 7 Das erste dieser Wesen glich einem Löwen, das zweite einem jungen Stier, das dritte hatte ein Gesicht wie ein Mensch, und das vierte sah aus wie ein Adler im Flug. 8 Jedes dieser vier Wesen hatte sechs Flügel, und auch die Flügel waren überall – selbst auf der Unterseite – mit Augen bedeckt. Tag und Nacht rufen diese Wesen immer wieder aufs Neue: »Heilig, heilig, heilig ist Gott, der Herr, der allmächtige Herrscher, er, der war, der ist und der kommt.«

9 Und sooft sie dem Ehre erweisen, der auf dem Thron sitzt und in alle Ewigkeit lebt, sooft sie ihn rühmen und ihm ihren Dank bringen, 10 werfen sich auch die vierundzwanzig Ältesten vor ihm nieder und beten ihn an – ihn, der auf dem Thron sitzt und in alle Ewigkeit lebt. Sie legen ihre Kronen vor seinem Thron nieder und rufen: 11 »Würdig bist du, Herr, unser Gott, Ruhm und Ehre und Macht zu empfangen! Denn du bist der Schöpfer aller Dinge; nach deinem Willen wurde alles ins Dasein gerufen und erschaffen.«

Mit Kapitel 4 beginnt der zweite, viel längere Teil der Offenbarung. Bisher ging es um 7 Briefe an 7 kleine christliche Gemeinden, die auf ganz unterschiedliche Weise in Auseinandersetzungen mit ihrer Umgebung verwickelt waren. Mehr oder weniger gut haben sie in ihrem Alltag dem Druck der heidnischen Welt standgehalten, und der Seher Johannes sollte ihnen schreiben, damit sie ihre Aufgabe weiterhin gut erfüllen oder sie besser verstehen und ausfüllen.

Von jetzt ab schaut Johannes sozusagen hinter die Kulissen, jetzt wird ihm enthüllt, was im Hintergrund abläuft, im Himmel. Der Himmel ist die Seite der Welt, die den Menschen normalerweise verborgen ist. Vielleicht würden wir heute gar nicht sagen, dass eine Tür irgendwo oben am Himmel aufgeht, sondern heute wäre das entsprechende Bild dafür wohl eher, dass sich hier ganz nahe bei uns eine Tür zu einer Art Parallelwelt öffnet. Johannes darf da hineinschauen.

»Himmel« und »Erde«

»Himmel« und »Erde« sind gar nicht weit auseinander. Man könnte sagen: sie liegen ineinander, an manchen Stellen ist die Wand dazwischen sehr dünn, und manchmal scheinen sich Himmel und Erde für einen Moment zu verbinden. Das ist eine gute Sache, denn im Himmel ist jetzt schon Gottes Wille klar und stark. Im Himmel besteht kein Zweifel daran, dass Gott ein wunderbares Werk vollbracht hat, als er die Welt schuf. Deswegen wird Gott dort unentwegt gepriesen. Und das passiert jetzt, nicht erst irgendwann in der Zukunft. Im Himmel wird jetzt schon festgehalten, dass die Welt gut ist, herrlich und begeisternd.

Das ist deswegen wichtig, weil wir das nicht so klar erleben, und im Lauf der Offenbarung kommt es ja auf der Erde zu Katastrophen und schrecklichen Erschütterungen. Wir leben in einer Zeit, in der wir deutlich solche Erschütterungen spüren. An so vielen Ecken der Welt brennt es. Wir sind schon froh, wenn die Nachrichten heute wenigstens nicht noch schlimmer geworden sind als gestern. Und genau von so einer Welt redet die Offenbarung. Da kommt noch einiges auf uns zu. Aber am Anfang dieses zweiten Teils der Offenbarung sollen wir in den Thronsaal Gottes schauen, wo viele Stimmen miteinander Gott loben für seine Größe und Macht und für das Wunderwerk seiner Schöpfung. Und das bleibt wahr – trotz allem.

Widerstand gegen ein eindimensionales Weltbild

Gott zu loben ist ein Akt des Widerstandes gegen den Tod und gegen alle Mächte, die diese Welt vergiften, verhunzen und unbewohnbar machen wollen. Es wäre diesen Mächten der Zerstörung nur recht, wenn der Himmel ein Hirngespinst wäre und es nur die sichtbare Seite der Welt gäbe. Die könnten sie kontrollieren, da könnten sie die Herren sein. Deswegen versuchen sie, uns einzureden, real sei nur das, was man sehen, anfassen, berechnen und kaufen kann. Sie wollen, dass wir Gottes Alternative für die Welt aus unseren Gedanken verbannen und glauben, die Herrschaft der Mächte wäre alternativlos.

Aber zum Glück ist es nicht so. Zum Glück gibt es den Himmel. Nicht als Endlager für tote Menschen, sondern als den Ort, wo Gottes Sicht der Welt lebendig ist. Im Himmel wohnt das Wissen darum, was Gottes Wille mit der Welt ist. Und von dort aus dringt Gottes guter Wille auch in die sichtbare Welt ein, die wir vor Augen haben. Es soll z.B. hier unter uns Menschen geben, die den Glauben an die Güte des Schöpfers trotz allem festhalten.

Die Geschöpfe und Gottes Volk preisen Gott – je auf ihre Weise

Das Lob Gottes für seine trotz allem gute Schöpfung wird zuerst von den vier Wesen angestimmt, die an Gottes Thron stehen. Es gibt etliche Theorien darüber, was mit diesen Wesen gemeint ist. Es ist die Besonderheit von solchen Bildern, dass man nie 100%ig sicher sein kann, was sie bedeuten sollen. Erst recht, wenn sie fast zweitausend Jahre alt sind. Mir leuchtet am meisten ein, dass diese Wesen die nicht menschlichen Geschöpfe vertreten: der Löwe steht für die wilden Tiere, der Stier für die gezähmten Tiere, der Adler für die Bewohner der Lüfte. Und das Wesen mit menschlichen Zügen steht für uns Menschen, insofern wir auch in den Verbund der geschaffenen Lebewesen hineingehören. Auf eine gewissen Weise sind wir wirklich nackte Affen, auch wenn das längst nicht alles ist, was man über uns sagen kann.

Dass die Menschen aber mehr sind als nackte Affen, das machen die 24 Ältesten deutlich. Das sind die Vertreter der 12 Stämme Israels und die 12 Apostel als Vertreter der Christenheit. Auch das ist die Deutung, die mir am meisten einleuchtet. Aber ich glaube, es passt, dass hier die Vertreter beider Fraktionen von Gottes Volk auf Thronen sitzen und den göttlichen Rat bilden. Sie tragen Kronen als Zeichen der königlichen Würde. So, wie es den Menschen Gottes am Ende des vorigen Kapitels verheißen worden ist, dass sie an Gottes weiser Herrschaft über die Erde Anteil bekommen. Die Aufgabe der Menschen ist es, das Bindeglied zwischen Gott und seiner Schöpfung zu sein.

Und die 4 Wesen als Vertreter der nichtmenschlichen Schöpfung beginnen mit dem Lob Gottes: »Heilig, heilig, heilig ist Gott, der Herr, der allmächtige Herrscher, der war, der ist und der kommt.« Das ist fast wörtlich der Gesang der Seraphim aus Jesaja 6. Die Schöpfung hat ihren eigenen Weg, Gott zu loben. Das wird hier im Himmel festgehalten: alle Kreaturen sind dazu bestimmt, Gott zu loben. Sie sind nicht stumm. Sie haben ihren eigenen Wert und ihre Würde, sie sind nicht einfach Sachen, die man nach Lust und Laune verwalten kann. Auch das Tierreich hat seine Repräsentanten im Himmel.

Und dann stimmen die 24 Ältesten in dieses Lob Gottes ein, und der Unterschied zu den tierartigen Wesen ist, dass die Menschen verstehen, was sie da tun, und warum. Du bist würdig, sagen sie, du verdienst es, dass wir dir Ruhm und Ehre geben, denn du hast alles geschaffen. Dein Wille war es, der diese Welt ins Leben rief. Die Schöpfung lobt auf ihre eigenen Weise Gott, aber die Menschen sagen: denn du hast alles erschaffen. Wir loben dich, weil … Menschen können die Geschichte dahinter verstehen, und sie können das durch Anbetung ausdrücken.

Auf Lobpreis hin angelegt …

Was hier im Himmel geschieht, das sagt etwas darüber, was die Aufgabe der Menschen auf der Erde ist: ein Lobpreis Gottes zu sein. In uns soll sich die Freude und das Leben des Schöpfers widerspiegeln. Das ist die große menschliche Berufung.

Ich sage das mit einem gewissen inneren Zögern, weil ich mir nur sehr begrenzt vorstellen kann, wie das aussehen könnte. Klar, dazu gehört, dass wir mit unserer Art zu leben etwas widerspiegeln von Gottes Großzügigkeit und seiner verschwenderischen Art, zu schenken und zu segnen. Das ist leichter gesagt als getan, aber ich kann mir das ein Stück weit vorstellen. Herzliche Gastfreundschaft, großzügiges Schenken, Freude an Schönheit, eine Wirtschaft, die die Umwelt nicht vergiftet oder zerstört, sondern in Frieden mit der Schöpfung lebt, ein Umgang mit Tieren, der die Geschöpfe in ihrem eigenen Wert sieht und nicht bloß als Anhängsel unserer Ernährungsindustrie – wie das alles aussehen könnte, dafür habe ich wenigstens ein paar Bilder im Kopf. Natürlich werden Leute sagen, das wäre unrealistisch, aber ich denke, wenn alle das wirklich wollen würden, dann würden wir das schon hinkriegen.

Das Problem ist nur: warum funktioniert das nicht? Warum sind Menschen wie gelähmt und denken, sie könnten nichts ändern, es sei alles alternativlos? Ich denke, das hat auch damit zu tun, dass wir hier auf der Erde wenig Erfahrung haben mit dem Lobpreis Gottes. Wir leben in einer Zeit, in der das nicht wirklich einsichtig ist, wozu Anbetung Gottes eigentlich gut sein soll. Sie hat keinen moralischen Nutzen. Man kann nichts dafür kaufen. Gott zu loben bewirkt anscheinend nichts in der Welt. Vielleicht erwärmt es hier und da Herzen, aber eigentlich sind wir etwas ratlos, wozu das eigentlich da ist. Und weil es so wenig plausibel ist, deshalb haben wir auch nicht so viele überzeugende Erfahrungen, wie das aussehen könnte, jetzt, unter uns, in unserer Gegenwart.

Dabei sind wir so eingerichtet, dass Lobpreis eigentlich zu uns passt. Wenn Sie mal schauen, wie oft uns in der Werbung Menschen begegnen, die mit weit aufgerissenen Mündern auf irgendetwas schauen. Das soll ja bedeuten: da ist irgendetwas, das ist so toll und großartig, dass mir vor Staunen der Mund offen stehen bleibt. Oder denken Sie an Anzeigen oder Werbespots, wo ein Auto oder eine Praline oder ein Bier oder was auch immer so dargestellt wird, dass es eine Aura bekommt, sozusagen einen überirdischen Touch, als ob es etwas Verehrungswürdiges sei.

Ich erinnere mich auch an eine Anzeige, wo ein bekannter Sportler bewundernd auf eine Tüte Kartoffelchips zeigt, und man könnte sagen: der lobt und preist diese Chips (obwohl er sicher nie so erfolgreich geworden wäre, wenn er dauernd Kartoffelchips in sich reingestopft hätte). Man merkt daran, dass uns solche Gesten des Lobens und Preisens oder des Hingerissenwerdens nicht fremd sind, auch wenn uns das gar nicht so bewusst ist. Und dann kommen sie eben oft in einem Zusammenhang vor, wo Menschen Elemente und Dinge in der Schöpfung preisen, aber nicht den Schöpfer selbst.

Es gehört zum Menschsein dazu, etwas zu loben und zu preisen, was größer ist als wir selbst. Und wenn das nicht der Schöpfer ist, dann ist es eben eine Tüte mit fettigen Kartoffelchips. Es ist schon komisch, dass so eine Werbung für uns ganz normal ist, aber das Lob Gottes ist unplausibel und unnötig. Es war ein langes Training nötig, bis das keinem mehr auffällt. Das Problem ist nur, dass wir von dem geprägt werden, was wir loben und anbeten.

… aber ungeübt

Deswegen müssen wir uns auf die Suche machen und herausfinden, wie denn unter uns angemessene Anbetung aussieht. Einfach die alten Gesänge wiederholen, damit ist es nicht getan. Jede Zeit muss ihren eigenen Weg finden. Wir müssen heute z.B. auch so von Gottes Schöpfung sprechen, dass es die ganzen Erkenntnisse der Naturwissenschaft aufnimmt, all das Tolle, was Wissenschaftler über den Hintergrund des Kosmos gerade in den letzten Jahrzehnten herausgefunden haben.

Man kann von den früheren Generationen lernen, die irischen Loblieder auf Gott z.B. haben bis heute ganz viel Kraft und Freude in sich. Aber am Ende müssen wir unseren eigenen gemeinsamen Weg und Stil finden, um zu sagen: Gott, deine Schöpfung ist einfach großartig. Wie hast du dir das nur alles ausgedacht! Danke, dass du uns damit beschenkt hast. Ich kann mich nicht satt sehen an all dem Guten, und die Freude aller Geschöpfe erfüllt mein Herz. Du hast es so gut gemacht – wer ist wie du? Wer könnte dir das nachmachen? Und wenn du es so gut angefangen hast, ich traue dir zu, dass du es auch gegen den Widerstand aller dunklen Mächte zu deinem guten Ende bringst.

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