Mrz 022014
 

Besonderer Gottesdienst am 2. März 2014 mit Predigt zu Psalm 13

2014-03-02Psalmen

Einleitung:

Westminster_Psalter_DavidDas Buch der Psalmen hat das Volk Gottes über viele Jahrhunderte und Jahrtausende begleitet – in Israel und in der Christenheit sind die Psalmen eine Welt gewesen, in der man sich bewegte. Man hat sie regelmäßig gelesen und gekannt und gebetet, man hat in ihnen gelebt. Die Psalmen waren wie eine Brille, mit der man die Welt gesehen hat. Sie stellten den Orientierungsrahmen bereit, in dem man seine eigenen Gotteserfahrungen machte; in ihnen fand man Worte, um das eigene Leben mit Gott in Verbindung zu bringen.
Jesus z.B. muss in den Psalmen gelebt haben – als er starb, kam ihm als einer seiner letzten Sätze der Beginn des 27. Psalms über die Lippen. Und im Neuen Testament, wo sowieso ganz viele Zitate aus dem Alten zu finden sind, stammt ein Drittel dieser Zitate aus den Psalmen. Man versteht manche Passagen des Neuen Testaments erst richtig, wenn man weiß, dass es Psalmzitate sind.

Vor allem aber haben Menschen ihre Erfahrungen mit Hilfe von Psalmworten vor Gott gebracht und haben so erst eine Sprache bekommen, um einen kritischen Abstand von dem, was ihnen geschah, zu behalten. Ganz viele Psalmen sprechen davon, dass jemand von übermächtigen Feinden angegriffen und ausgelacht wird. Aber statt daran kaputt zu gehen, bringt er oder sie dann diese Erfahrung vor Gott. Und dann ist man nicht mehr allein mit dieser bedrückenden Situation. In den meisten Psalmen gibt es so einen Umschlagpunkt, wo man merkt, wie der Druck weicht, die Angst aufhört, das Herz nicht mehr klopft und sich eine hoffnungsvolle Zuversicht in der Seele ausbreitet.

Wir finden in der Bibel also nicht nur Worte von Gott, wo er zu uns etwas sagt. Wir finden dort auch Muster dafür, wie wir Gott etwas sagen können, und zwar so, dass wir dabei nicht in unseren gewohnten Mustern bleiben, in denen wir uns im Kreis drehen, sondern so, dass es zu einer Begegnung mit Gott kommt, die uns tröstet, erleichtert und Mut gibt.

Und wenn es zu dieser Begegnung mit Gott kommt, dann wird der Keim eines neuen Menschen gelegt. Gerade an den Psalmen können wir lernen, dass wir nicht einfach so sind, wie wir sind, sondern ganz viel entscheidet sich daran, mit wem wir verbunden sind. In unserem Zentrum sind wir auf Begegnung und Beziehung angelegt, und wenn es Gott ist, mit dem wir da zusammengehören, dann macht uns diese Beziehung zu neuen Menschen. Die neue Welt Gottes beginnt in dieser Beziehung, und in den Psalmen lernen wir, diese Beziehung zu verstehen.

Einführung zu Psalm 28

Die Psalmen waren sozusagen das biblische ABC, die elementaren Bausteine, mit denen sie damals ihre Theologie entwickelt haben. Und eine dieser elementaren Wahrheiten ist, dass der Grund der Welt ansprechbar ist. Der letzte Grund der Welt ist kein unpersönliches Naturgesetz, sondern eine Person: der Schöpfer der Welt, der eng mit seiner Schöpfung verbunden ist. Man kann an ihn appellieren, man kann ihm sein Leid klagen, man kann sich bei ihm beschweren oder ihm danken.

Nur weil an der Wurzel der Welt eine Person steht, macht es Sinn, so zu sprechen. Sein Herz bei einem Naturgesetz auszuschütten, macht keinen Sinn. Wenn Menschen sich beklagen, dass Gott schweigt und ihnen nicht hilft, dann ist das gar keine Erfindung unserer modernen Zeit, sondern das hören wir schon in den Jahrtausende alten Psalmen. Aber das macht nur Sinn bei diesem Gott, der sich so an die Menschen gebunden hat. Weder bei einem der Götzen, die mit den Mächtigen im Bund sind, würde das Sinn machen, weil die sich nicht für das Wohlergehen der kleinen Leute interessieren, noch, wenn der Grund der Welt der Zufall oder ein Naturgesetz wäre.

Diese Psalmen hat man damals oft in einer Art Sprechgesang getan, der von Instrumenten begleitet wurde. Und so werden wir nun den 28. Psalm auch so hören, als Sprache, die mit Musik unterlegt ist. Es ist eine von den vielen Klagen in den Psalmen, wo jemand seine Trauer und seine Erbitterung über rücksichtslose, gemeine Leute vor Gott bringt und am Ende getröstet wird. Egal, ob dich jemand finanziell übers Ohr gehauen hat, oder ob jemand Lügen über dich in die Welt gesetzt hat, oder ob du in einem diktatorischen Staat lebst, wo die Mächtigen ihre Macht rücksichtslos ausnützen: Menschen, die unter anderen Menschen leiden, können sich in diesen Worten wiederfinden. Sie finden dort Worte, um zu verstehen, was mit ihnen geschieht, und um die Hoffnung wiederzufinden.

Zu dir, o HERR, rufe ich. || Mein Fels, du darfst mir nicht schweigen!
Bleibst du mir stumm, || gleiche ich denen, die hinuntersteigen zur Grube.
Höre mein lautes Flehen, jetzt, da ich zu dir rufe‚ || da ich meine Hände erhebe zu deinem Allerheiligsten.
Raffe mich nicht hinweg mit den Frevlern, || nicht mit denen, die Unrecht tun,
die »Friede« sagen zu ihrem Nächsten, || doch Böses sinnen im Herzen.
Vergilt ihnen nach ihrem Tun || und nach der Bosheit ihres Treibens.
Vergilt ihnen nach dem Werk ihrer Hände, || wende ihr Tun zurück auf sie selber.
Denn sie achten nicht auf die Taten des HERRN‚ || noch auf das Werk seiner Hände.
Darum reißt er sie nieder || und wird sie nicht wieder aufbaun.
Der HERR sei gepriesen! || Er hat gehört mein lautes Flehen.
Der HERR ist meine Kraft und mein Schild‚ || mein Herz vertraut ihm.
Mir wurde geholfen. Da jubelte mein Herz || Mit meinem Lied will ich ihm danken:
Der HERR ist seines Volkes Stärke‚ || Schutz und Heil für seinen Gesalbten.
Rette dein Volk und segne dein Erbe! || Weide und trage sie in Ewigkeit!

Einführung zu Psalm 122:

Der Ort, an dem diese Begegnung mit Gott geschah, war ganz oft der Tempel. Wir wissen aus anderen Teilen der Bibel, dass es dort oft auch korrupte Priester gab, dass sogar zeitweilig Bilder anderer Götzen dort aufgestellt waren. Aber trotzdem erscheint der Tempel in den Psalmen immer noch als ein Ort, an dem man Gott begegnet, ein Freiraum, wo Raum ist für das Aussprechen der tiefsten Gedanken und wo man am Ende getröstet wird. Der Tempel ist das Zeichen dafür, dass Gott seine Welt nicht allein lässt.

Und nachdem es den Tempel nicht mehr gibt, kann man an andere solche Zufluchtsorte denken, wo Raum ist, um auf Gott zu stoßen: die Gemeinde, das Abendmahl, der Gottesdienst, besonders gewidmete Orte wie Gotteshäuser. Solche Orte konnte man zu allen Zeiten aufsuchen, um sich wieder zurückholen zu lassen in diese neue Sichtweise: Ja, Gott ist seiner Schöpfung und den Menschen zutiefst verbunden. Wir verstehen uns und die Welt nur dann vollständig, wenn wir es alles in Beziehung auf ihn sehen.

Von diesem Glück, an einen Ort zu gehen, wo die Alternative zu Hause ist, sprechen die sogenannten Wallfahrtspsalmen, und einen davon, den 122. Psalm, hören wir jetzt:

Welche Freude, da man mir sagte: || »Wir ziehen zum Haus des HERRN!«
Schon stehen unsre Füße in deinen Toren, Jerusalem: || Jerusalem, als Stadt erbaut, die fest in sich gefügt ist.
Dort ziehen die Stämme hinauf, die Stämme des HERRN, den Namen des HERRN zu preisen‚ || wie es Gebot ist für Israel.
Denn dort stehen Throne zum Gericht, || die Throne des Hauses David.
Erbittet für Jerusalem Frieden! || Geborgen seien, die dich lieben!
Friede sei in deinen Mauern‚ || Geborgenheit in deinen Häusern!
Wegen meiner Brüder und meiner Freunde || will ich sagen: »Friede sei mit dir!«
Wegen des Hauses des HERRN, unsres Gottes‚ || will ich Glück erbitten für dich.

Predigt zu Psalm 13

Ich möchte jetzt mit euch einen kurzen Psalm anschauen, den 13., weil man da in konzentrierter Form ein Muster findet, das in vielen Abwandlungen im Psalter immer wiederkehrt:

1 Für den Musikmeister. Ein Davidspsalm.
2 Wie lange noch, o Herr? Willst du mich für immer vergessen? || Wie lange noch verbirgst du dein Antlitz?
3 Wie lange noch muss ich Sorgen tragen in meiner Seele, Kummer in meinem Herzen alle Tage? || Wie lange noch darf mein Feind über mich triumphieren?
4 Schau doch her, gib mir Antwort, Herr, du mein Gott! || Mach hell meine Augen, dass ich nicht im Tode entschlafe,
5 damit mein Feind nicht sagen kann: »Ich habe ihn überwältigt«, || und meine Gegner nicht jubeln, weil ich gestürzt bin.
6 Ich aber baue auf deine Liebe, || mein Herz soll jubeln über deine Hilfe.
Dem Herrn will ich singen, || weil er mir Gutes getan hat.

In Psalm 13 wird die Not eines Menschen beim Namen genannt. Äußerlich geht es dabei um Feinde, die einen verleumden, aber auch Krankheiten oder Isolation werden in anderen Psalmen oft erwähnt. Doch die schlagen sich nieder im Innern eines Menschen, in Unruhe und Angst. Vermutlich haben die meisten von uns schon solche Zeiten erlebt, wo man innerlich aufgewühlt ist, wo man in Gedanken immer wieder ein Problem oder ein Ereignis hin und her wendet, wo man nicht schlafen kann, weil man immer wieder daran denkt und nicht davon loskommt – auch wenn man versucht, sich davon abzulenken, Musik zu hören, fernzusehen, etwas zu unternehmen, zu essen. Aber kaum ist ein bisschen Stille, z.B. nachts vor dem Einschlafen, schon ist alles wieder da.

Und dann denkt man an die Worte, die andere über einen gesagt haben, man fragt sich, wie es in Zukunft weiter gehen soll, man hat daran zu knapsen, dass man etwas falsch gemacht hat oder dass es anderen anscheinend gut geht, obwohl sie sich so falsch benommen haben. Das finden wir hier konzentriert im 3. Vers:

3 Wie lange noch muss ich Sorgen tragen in meiner Seele, Kummer in meinem Herzen alle Tage?
Wie lange noch darf mein Feind über mich triumphieren?

Das Gute an den Psalmen ist, dass diese Gedanken nicht weggedrückt werden, sondern zu Gott gebracht werden. Man läuft nicht mehr vor den Problemen weg, sondern man spricht sie aus, man gibt ihnen einen Namen. Und was man Gott gesagt hat, muss man sich nicht immer wieder selber sagen. Schon davon wird man ruhiger. Wenn ein Problem mit Gott zusammenkommt, ist die Hilfe schon unterwegs.

Der Haken dabei ist nur, dass man von äußerer Hilfe normalerweise noch gar nichts merkt, wenn man mitten im Grübeln drinsteckt. Und deshalb fängt der Psalm in Vers 2 an mit der Frage:

2 Wie lange noch, o Herr? Willst du mich für immer vergessen?
Wie lange noch verbirgst du dein Antlitz?

Das ist das eigentliche Problem: dass man das Gefühl hat, Gott wäre fern und uninteressiert an meiner Situation. Der letzte Grund der Welt, den man eigentlich kennt als eine Person, mit der man zutiefst verbunden ist, ausgerechnet der scheint weit weg zu sein. Er schaut nicht her, er kümmert sich nicht. Wieder muss man sagen: das setzt voraus, dass man eigentlich von einem Gott weiß, der sich um uns kümmert. Aber irgendwie steckt diese Erwartung in allen Menschen drin – sie ist ein wirklicher Hinweis auf Gott. Denn eigentlich erwarten alle Menschen irgendwie, dass da jemand ist, der sich um sie kümmert. Oft versuchen sie natürlich, diesen Jemand mit allen möglichen Tricks zu manipulieren oder zu bestechen. Aber das ändert nichts an dieser Ahnung von einem Gegenüber.

Die beste Art, um diese Hoffnung und die traurige Realität zusammenzubringen ist es, wenn man Gott direkt fragt: wie lange muss ich das noch ertragen? Oder wie Jesus am Kreuz: warum hast du mich verlassen? Und wenn man ihn bittet: Hilf doch, mach dem doch endlich ein Ende!
Das sind in diesem Psalm die Verse 4 und 5:

4 Schau doch her, gib mir Antwort, Herr, du mein Gott!
Mach hell meine Augen, dass ich nicht im Tode entschlafe,
5 damit mein Feind nicht sagen kann: »Ich habe ihn überwältigt«,
und meine Gegner nicht jubeln, weil ich gestürzt bin.

Es gibt hier sozusagen zwei Argumente, mit denen Gott überzeugt werden soll, damit er sich kümmert: einmal »Mach hell meine Augen, dass ich nicht im Tod entschlafe«. Gott ist der Gott des Lebens, er ist der Erzfeind des Todes. Deshalb ist es Gottes ureigenes Interesse, das Leben zu erhalten. Man muss ihn nicht erst überzeugen oder gar nerven, bis er geruht, sich auch mal um die Erhaltung des Lebens zu kümmern.
Nicht Gott ist der unsichere Kandidat, sondern wir sind es. Wir stehen nicht besonders konsequent auf der Seite des Lebens. Aber Gott sucht Menschen, die da ebenso klar sind wie er. Und wenn wir durch die Bedrückung dazu gebracht werden, aus unserer bequemen Neutralität rauszukommen und Menschen zu werden, die entschieden und einseitig am Leben orientiert sind, dann hat sich auf unserer Seite etwas Entscheidendes getan. Und dann können wir mit Gott reden, wie es richtig ist, nämlich so, dass wir ihn als Verbündeten anreden und nicht als ein Gegenüber, von dem man nicht so recht weiß, was man von ihm zu halten hat.

Und deshalb heißt es hier im Psalm sozusagen: Gott, wir sitzen doch im gleichen Boot! Du willst meinen Tod nicht, du willst den Tod überhaupt nicht, und ich – ich habe mich jetzt auch dazu durchgerungen. Also hilf doch deinem Verbündeten hier auf der Erde! Das ist eine ganz wichtige Aufgabe, die die Psalmen erfüllen: sie sorgen dafür, dass wir uns als potentielle Verbündete Gottes entdecken. Sie geben uns sozusagen einen Mantel, der uns ein paar Nummern zu groß ist und helfen uns dann, da hineinzuwachsen: wir sind Verbündete Gottes, mindestens sind wir dazu berufen, und deshalb können wir es auch werden.

Das zweite Argument geht in eine ganz vergleichbare Richtung: lass nicht den Feinden den Triumph, dass sie endgültig über mich gesiegt haben!

Es ist ganz erstaunlich, wie oft in den Psalmen von Feinden die Rede ist. Ich bin ja nun schon jemand, der sich bemüht, Konflikte zu erkennen und nicht schönzureden, aber wenn ich die Psalmen lese, dann denke ich manchmal: puh, da brennt es aber an allen Ecken und Enden! Das ist wirklich ganz erheblich mehr Trouble, als ich in der Regel erlebe!

Und da gibt es mehrere Erklärungen für: einmal hat man das Gefühl, dass viele Psalmen in Zeiten entstanden sind, in denen das Volk Gottes von außen massiv bedrängt wurde. Wenn man also heute vielleicht in einem südamerikanischen Slum lebt, wo Drogenbanden die Macht im Viertel übernommen haben, oder wenn man als Näherin in einer asiatischen Textilfabrik für ein paar Cent in der Stunde unsere Mode zusammennäht und sich dabei noch gegen übergriffige Aufseher wehren muss, dann ist das möglicherweise eine Situation, in der es sehr viel plausibler ist, von »Feinden« zu reden als in unseren vergleichsweise harmlosen Gegenden.

Zum anderen muss man sich aber auch die Frage stellen: haben die Psalmen nicht vielleicht doch Recht? Habe ich nicht in Wirklichkeit mehr Feinde, als ich wahrhaben will? Die Mächte, die heute die Näherin in Bangla Desh bedrohen, werden sie nicht mit mir genauso umspringen, wenn sie Gelegenheit dazu haben? Die Radioaktivität, die heute von Fukushima ausgehend durch den Pazifik schwappt, wird die nicht irgendwann auch bei uns ankommen, und haben wir nicht genug davon auch schon bei uns im Land?

Wenn irgendwo in der Welt Menschen bedroht werden, bin ich damit nicht genauso gemeint? Und können mir nicht die Psalmen dabei helfen, zu verstehen, dass das Leben überhaupt nicht nur einen Verbündeten hat, nämlich Gott, sondern auch einen Feind und Zerstörer, der sich ins Fäustchen lacht, wenn ich ihn übersehe und glaube, ich könnte in abgewogener Neutralität irgendwo in der Mitte stehen?

Ich glaube, dass wir genau dazu die Psalmen brauchen, damit wir ein realistisches Bild bekommen von dem Konflikt, der sich durch unsere Welt zieht, einem Konflikt um Leben und Tod.

Denn erst, wenn wir das verstanden haben, dann können wir in vollem Umfang verstehen, was der letzte Vers des Psalms bedeutet:

6 Ich aber baue auf deine Liebe,
mein Herz soll jubeln über deine Hilfe.
Dem Herrn will ich singen,
weil er mir Gutes getan hat.

Erst wenn man sich die Konflikte voll vor Augen geführt hat, dann stellt sich die Frage: wer wird in diesem Konflikt gewinnen? Und wenn man die Frage so stellt, dann ist die Antwort klar: ja, Gott wird gewinnen! So sagt es schon das Alte Testament, aber nach der Auferstehung Jesu ist es ganz deutlich: Der Gott des Lebens wird am Ende siegen, er ist stärker als Tod und Zerstörung. Und so nimmt es der Psalm schon vorweg: ja, mein Herz wird am Ende jubeln über deine Hilfe. Und dann wartet man den endgültigen Ausgang nicht mehr ab, sondern fängt jetzt schon an zu jubeln und sich zu freuen.

Überall in den Psalmen gibt es diesen Wendepunkt, wo Menschen in ihrem Herzen den Sieg Gottes über die Zerstörung vorweg nehmen und jeden kleinen Etappensieg schon als Zeichen für den endgültigen Ausgang der menschlichen Geschichte nehmen. Manchmal ist das nur ein Sieg im Herzen, aber das ist nichts Geringes, sondern eine große Sache, wenn ein Mensch mitten in Bedrohung und Not zu einem ermutigten Herzen findet und sagt: ich vertraue auf deine Hilfe, Gott, ich rechne mit deinem endgültigen Sieg, und deshalb kann ich schon jetzt mitten in Kämpfen und Sorgen singen und jubeln, weil du an meiner Seite bist.

Überall in den Psalmen ringen sich Menschen dazu durch, sie erleben, wie der Druck weicht und das Herz fest wird, wie sich Licht und Freude im Herzen ausbreiten. Irgendwann ist der Durchbruch da. Und das ist eine Vorwegnahme des Jubels, zu dem die ganze Schöpfung berufen ist.

Deshalb beginnt das Buch der Psalmen mit einem ersten Teil, in dem vom Eindruck her die Klage überwiegt, aber es endet mit Psalmen voller Jubel und Freude, und in den letzten der 150 Psalmen steigert sich das immer mehr, so z.B. im 148. Psalm, der die Höhen und die Tiefen der ganzen Schöpfung zum Jubel über den lebendigen Gott aufruft. Und den hören wir nun zum Abschluss:

Psalm 148

Halleluja!
Lobt den Herrn vom Himmel her || lobt ihn in den Höhen:
Lobt ihn, all seine Engel || lobt ihn, all seine Scharen,
lobt ihn, Sonne und Mond || lobt ihn, all ihr leuchtenden Sterne
lobt ihn, ihr Himmel der Himmel || und ihr Wasser über dem Himmel!
Sie sollen loben den Namen des HERRN! || Denn er gebot, und sie waren erschaffen.
Er stellte sie hin für immer und ewig, || gab ein Gesetz, und nie vergeht es.
Lobet den HERRN von der Erde her: || ihr Ungeheuer und all ihr Tiefen
Feuer und Hagel, Schnee und Nebel, || du Sturmwind, der seinen Willen ausführt,
ihr Berge und all ihr Hügel, || ihr Fruchtbäume und alle Zedern,
ihr wilden Tiere und alles Vieh, || kriechende Wesen und gefiederte Vögel,
ihr Könige der Erde und alle Völker, || ihr Fürsten und alle Richter der Erde,
ihr jungen Männer und auch ihr Mädchen || ihr Alten mit den Jungen!
Sie sollen loben den Namen des HERRN! Denn sein Name allein ist erhaben || Seine Hoheit strahlt über Erde und Himmel.
Die Kraft seines Volkes hat er erhoben zum Lob für all seine Frommen, || für Israels Kinder, das Volk, das ihm nahe ist.
Halleluja!

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