Okt 162012
 

Heute hab ich doch tatsächlich völlig unerwartet von Wolfgang das Buch von Peter und mir zugeschickt bekommen und habe es jetzt zum ersten Mal auch in analoger Form in der Hand. Eine Super-Überraschung! Und auch wenn die Zeit der Arbeit daran jetzt schon ein bisschen zurückliegt: ich mag es immer noch wie während des Schreibens. Danke, Wolfgang! Jetzt muss ich es doch nicht extra beim Francke-Verlag bestellen.

Aug 162012
 

Heute kamen die Vorschau-Dateien für das neue Buch von Peter und mir in der Reihe „einfach emergent“ zum Korrekturlesen: „Evangelium. Gottes langer Marsch durch seine Welt“. Zum Glück gab es nur Kleinigkeiten zu beanstanden. Langsam kann man sich vorstellen, wie das Buch einmal aussehen wird. Und jetzt wird es schon irgendwie spannend.

Ich habe beim Schreiben ganz viel gelernt – z.B., dass man das Evangelium nicht einfach nur als theologische Formel verstehen sollte. Die Menschen, die sich davon in Bewegung bringen lassen, gehören dazu. Evangelium ist eine Bewegung von Menschen aus vielen verschiedenen Zeiten, manchmal in den offiziellen Kirchen, manchmal neben ihnen. Und diese Bewegung wird nicht nur durch den Heiligen Geist, sondern oft auch durch viele historische Einflüsse und Connections verbunden. Gerne hätte ich noch viel mehr darüber reingeschrieben. Das Weglassen war das Schwierigste (besonders, wenn einem manche Personen ans Herz gewachsen sind). Aber es sollte ganz bewusst ein gut und schnell zu lesendes Buch werden. Ich glaube jetzt, dass es das auch geworden ist.

Nov 212010
 

Deutschlandkarte Emergent ForumLeider habe ich beim Emergent Forum in Essen die Deutschlandkarte mit den Heimatorten der Teilnehmer zu früh fotografiert – im Laufe des Tages ist der hier beschriebene Effekt noch deutlicher geworden. Aber auch auf diesem Bild ist er schon zu erkennen: die Herkunftsverteilung spiegelt in etwa die Missionssituation auf dem Gebiet des späteren Deutschland um etwa 800 (Kaiserkrönung Karls des Großen).

Im Einzelnen: Gut bestückt ist die Rheinschiene. Das ist alter christlicher Boden noch aus der Zeit des Imperium Romanum. Auch im Süden ist das Christentum seit alters hinter dem schützenden Limes früh verankert gewesen; die Missionstätigkeiten der irischen Mönche (Columban, Gallus) haben es nach der Völkerwanderung wieder neu aktiviert. In der Mitte Deutschlands (Hessen von Frankfurt bis Kassel) hat Bonifatius schon sein Werk getan. Von dort aus wird auch Thüringen beeinflusst.
Spärlich hingegen sind der Norden und Osten christianisiert. Einzelne frühe Missionsstützpunkte (Hamburg, Bremen) liegen ziemlich verloren im heidnischen Gebiet. Auch in Ostfriesland hat sich der neue Glaube noch nicht so richtig durchgesetzt; das Blut des Bonifatius und seiner Mitstreiter wird erst später den Boden dort fruchtbar machen.

Eine relativ starke christliche Zusammenballung ist im Ruhrgebiet zu erkennen; von dort aus startete die fränkische Initiative gegen die heidnischen Sachsen. Wir stehen also an einem Scheidepunkt: sollen die Sachsen und die anderen Ostlinge mit Feuer und Schwert bekehrt werden, wie es ab 800 Karl der Große im Sachsenkrieg versuchte – oder werden wir diesmal andere Wege finden?

Jul 022009
 

Ich habe in den letzten Wochen zwei Bücher über bzw. von Barack Obama gelesen: ein Buch über seine Rhetorik („Sags wie Obama“ von Shel Leanne) und seinen eigenen Bericht über seine Identitätsfindung („Ein amerikanischer Traum. Die Geschichte meiner Familie“).

Das erste Buch ist eigentlich nur wegen der ausführlich wiedergegebenen Reden lesenswert. Beim Lesen der Reden bestätigt sich im Detail der Eindruck, den die Fernsehübertragungen hinterlassen haben: hier spricht einer, der es wirklich kann. Seine Reden sind politische Predigten, und alle, die Predigten für etwas Langweiliges halten, müssen sich eines Besseren belehren lassen. Thema ist fast immer die Wiedergewinnung von Einheit und Solidarität durch die Erneuerung der freiheitlichen amerikanischen Traditionen (Unabhängigkeitskrieg, Besiedelung des Landes, Lincoln, Große Depression und New Deal, Kampf gegen den Faschismus, Kennedy, M.L. King und die Bürgerrechtsbewegung). Beim Lesen wird deutlich, dass man die Geschichte der USA tatsächlich als erfolgreiche Freiheitsgeschichte erzählen kann. Und Obama kann sie so erzählen, dass man elektrisiert ist. Die Schattenseiten dieser Geschichte tauchen eher am Rande auf. Zwischen den Zeilen merkt man, dass Obama sie kennt, sie aber mit Nichtbeachtung straft oder im Interesse der Einheitsthematik höchstens andeutet. Es ist schon eine erstaunliche Leistung, wie Obama offensiv einen freiheitlich-sozialen Patriotismus definiert und ihn gegen das Bush-Amerika wendet.

Im Vergleich dazu merkt man erst richtig, wie arm Deutschland an geschichtlich realisierten freiheitlichen Traditionen ist. Amerika ist von denen gegründet worden, die hier in Europa keinen Platz mehr hatten und ein gesundes Misstrauen gegen eine übermächtige Staatsmacht entwickelten. Das schuf Raum für Mythen und Visionen, die Obama mit „Yes, we can“ genial zusammengefasst hat. In Deutschland dagegen hat die Staatsmacht noch jede nicht von ihr kontrollierte Bewegung der Menschen entweder zerschlagen, totignoriert, diffamiert, entschärft oder sich selbst unter den Nagel gerissen. Uns hat man das Können ausgetrieben oder madig gemacht. Das gilt für Politik wie Kirche. Die deutsche demokratische Bewegung von 1848 ist – anders als die amerikanische Unabhängigkeitsbewegung von 1776 – gescheitert. Wir hatten keinen Kennedy und keinen Martin Luther King.
Dennoch kann es sinnvoll sein, nach gelungenen Passagen in der deutschen Geschichte zu suchen, die eine Grundlage für eine gemeinsame Identität abgeben können. Auch wenn sie weniger glanzvoll sind. Vielleicht wäre die Erarbeitung des Grundgesetzes solch eine viel zu selten genutzte Erinnerung. Oder der Aufbruch von 1968 als nachgeholte eigene Verabschiedung von Faschismus und Obrigkeitsstaat. Oder die friedliche Revolution in der DDR.
An diesen Beispielen wird aber auch der Unterschied schmerzlich bewusst: die Kämpfe um die amerikanische Unabhängigkeit sind ein Mythos, den die ganze Nation teilt, mit Heroen und Schurken, Kämpfen und Opfern, mit Glauben, der auch angesichts von Niederlagen durchhält. Dagegen fällt natürlich die Nationalversammlung von 1848 oder auch ein Verfassungskonvent ziemlich ab. 1968 hat nur ein Teil der Bevölkerung als Befreiung erlebt. Und die friedliche Revolution von 1989 hat fast niemanden, der sich im Nachhinein noch damit identifizieren möchte. Warum?

Ähnlich ist es mit der Kirchengeschichte. Vielleicht taugt gerade noch Bonhoeffer zur fraktionsübergreifend anerkannten Heiligengestalt. Verdient hat er es allemal. Aber als Erfolgsgeschichte kann man sein Leben kaum erzählen, noch nicht mal in dem Sinn, dass seine Entdeckungen nach seinem Tod umgesetzt worden wären (hoffentlich kommt das noch).
Lange Zeit war Martin Luther in der evangelischen Hälfte Deutschlands ein allgemein anerkannter Heros. Nicht so sehr seine Schattenseiten (die ja beim zweiten Blick fast alle Heldengestalten haben) haben ihn inzwischen beschädigt, sondern viel mehr das polternde Pathos seiner Anhänger, die sich bei ihm eine Stärke holen wollten, über die sie selbst nicht verfügen. Nicht selten sorgt die Rezeptionsgeschichte erst dafür, dass historische Gestalten und Ereignisse als Orientierungspunkte verbrannt werden.
Somit wird die Suche nach positiven kirchlichen Traditionen oft erst an fernen Orten fündig: die irischen Mönche, die frühen mitteleuropäischen Missionare, Teile des Mönchtums überhaupt, Franz von Assisi, die englischen Kämpfer gegen den Sklavenhandel.

Unter dem Strich bleibt uns die Aufgabe einer kritischen, dialektischen Aufnahme unserer Traditionen. Ohne ihre Schattenseiten zu verleugnen, sollten sie doch als Quelle der Inspiration gelesen werden. Der Pietismus, die Herrnhuter, die Aufklärung (ja, auch die!), die christlichen Jugendbewegungen, die Bekennende Kirche, da gibt es wohl noch einiges zu entdecken. Nicht zuletzt vielleicht auch in der Geschichte der je eigenen Gemeinde. Wie gesagt, kritische Aufnahme, denn es gibt eben auch viel Enttäuschendes. Und trotzdem: wer es schafft, die Menschen an ihre besten Seiten (bzw. Traditionen) zu erinnern, kann Erstaunliches freisetzen. Das ist Obama auf eine massentaugliche und dennoch verantwortliche Weise gelungen. Der Erfolg hat ihn bestätigt.

Ist Obama aber glaubwürdig? Wird er über kurz oder lang sein Charisma einbüßen, so dass sich die Berufsskeptiker im deutschen (nicht nur journalistischen) Geschäft auf die Schulter klopfen können, weil sie das schon immer kommen sahen? Antworten dazu habe ich in Obamas Buch über seine Familiengeschichte gesucht, das ja schon lange Zeit vor seiner politischen Karriere (nämlich 1995) geschrieben wurde. Mehr darüber im nächsten Teil.

Jul 312007
 

Wir verbringen gerade unseren Urlaub in Berlin. Und, wie es so kommt, wohnen wir im Gemeindebezirk der Zionskirche, an der Dietrich Bonhoeffer 1931/32 Vikar war. Die Zionskirche wurde 1873 fertiggestellt, als Mittelpunkt eines neu entstehenden Wohnbezirks, in dem die Arbeiter der rasch wachsenden Berliner Industrie untergebracht wurden. Geldgeber waren vor allem die preußischen Könige – immer wenn nach einem Sieg wieder Geld zur Verfügung stand, konnte weitergebaut werden.
Zionskirche von Invalidenstraße aus
Um 1900 lebten im Gemeindebezirk ca. 100.000 Menschen. Sie wurden von vier Pfarrern betreut, die sonntags zwei Gottesdienste in der 1400 Menschen fassenden Kirche hielten. Verhältnisse, die man sich heute kaum noch vorstellen kann!

Zionskirche Eingang

Auch zu Bonhoeffers Zeit war es nicht einfacher geworden. Er schrieb damals einem Freund: „Das ist so ungefähr die tollste Gegend von Berlin mit den schwierigsten politischen und sozialen Verhältnissen.“ Seine Aufgabe war u.a. die Betreuung einer Konfirmandengruppe, die zuvor den unterrichtenden Pfarrer an den Rand seiner Nervenkraft gebracht hatte [so was wird dann an den Vikar delegiert, war aber in diesem Fall gut so]. Bonhoeffer schaffte es, diese Gruppe zu gewinnen: er verbrachte Freizeit mit ihnen, spielte ihnen Jazzplatten vor, die er aus Amerika mitgebracht hatte, stiftete schließlich für die Mittellosen unter ihnen Stoff für Konfirmationsanzüge. Er staunte darüber, wie diese Kinder, teilweise aus ganz verwahrlosten Verhältnissen, doch einen Zugang zum Glauben fanden. Der Kontakt zu manchen dieser Jungen hat bis in die Kriegszeit bestanden und hat für einige lebensprägende Bedeutung gehabt.

Man kann wirklich sagen: wo dieser Mann hinkam, hat er Gemeinschaft gestiftet. Hier in einer schwierigen Konfirmandengruppe, später im illegalen Predigerseminar Finkenwalde. Was wäre wohl geworden, wenn es keine Nationalsozialisten und keinen Kirchenkampf gegeben hätte und er stattdessen auf seine Art weiter Gemeindearbeit gemacht hätte? Mit der entsprechenden theologischen Auswertung, die bei ihm ja immer dazu gehörte. Aber das sind diese sinnlosen Fragen, die man nicht stellen soll.

An der Kirche findet sich heute ein Denkmal für Dietrich Bonhoeffer. Der Stadtteil ist nach der Wende größtenteils saniert worden, heute wohnen hier viele junge Leute, es gibt viele Kinder. Hier herrscht wirklich die Postmoderne. In unserer Ferienwohnung, sehr schön und genau passend für zwei Leute (zu dritt wird es schon etwas unpraktisch), könnte möglicherweise damals einer von Bonhoeffers Konfirmanden gewohnt haben. Aber dann natürlich als Teil einer (mindestens) siebenköpfigen Familie oder so.

Bonhoeffer-Denkmal

Mrz 202007
 

Eine gut verständliche Übersicht über die Situation am Ende der Konstantinischen Ära findet man in einer Zusammenfassung des Buches von Stuart Murray: „Post-Christendom: Church and Mission in a Strange New World“ auf dem Coachnet-Blog „Mehr-und-bessere-Gemeinden„. Vor allem sind hier auch zunächst bescheidene, aber realistische Perspektiven aufgezeigt, wie man in dieser Situation weitermachen sollte. Insbesondere die deutliche Absage an die rückwärtsgewandten schnellen Erweckungs-Prophetien überzeugt mich.

Einige Zitate:

„Gemeinde ist eigentlich recht einfach“, meint Murray. „Sie besteht im wesentlichen aus Freundschaft als beziehungsmäßigem Paradigma, aus gemeinsamem Essen und Lachen.“

Gerade in unserem Land wird „Erweckung“ regelmäßig angesagt. In der Regel erwartet man – neben vielen Bekehrungen – eine Wiederherstellung flächendeckender christlicher Kultur und ganze gesellschaftliche Bereiche, die „wieder“ vom Evangelium geprägt werden. Angesichts der Tatsache, dass die christlich geprägte Kultur in Westeuropa an ihr Ende kommt, ist immer mehr denkenden Christen bei dieser Perspektive nicht wohl.

Akzeptiert euren Status als Gemeinschaften am Rande der Gesellschaft.

Meidet kurzfristige Perspektiven, strebt nachhaltige Transformation an.

Der Umzug von der Mitte der Gesellschaft an die Ränder, von privilegierter Religion zu einer Stimme unter vielen und von aufgezwungenem Glauben zu radikaler Freiwilligkeit wird dem Christentum gut tun. Immerhin hat es ja auch so angefangen.

Mrz 102007
 

Hier poste ich über das Buch „The Starfish and The Spider“ von Ori Brafman und Rod A. Beckstrom. Die Autoren beschreiben Organisationen, die als dezentrale Netzwerke funktionieren und durch das Internet noch einmal eine gewaltigen Schub bekommen. Ich glaube, dass wir davon sehr viel über die richtige Organisationsstruktur von Gemeinden lernen können. Und zusätzlich zu seinen wichtigen Einsichten ist es ein Buch, das man gerne liest – in einem prägnanten und lockeren Stil geschrieben.
Die Einleitung habe ich übersetzt für alle, die einen Eindruck bekommen möchten, aber nicht so gern auf Englisch lesen.

Alle Posts zum Buch von Brafman/Beckstrom:  |Einleitung|1|2|3|4|5|6|7|8|9 — Übersicht

Kapitel 1
MGMs Fehler und das Geheimnis der Apachen

Die Verfasser beschreiben den juristischen Kampf der großen Musik-Label gegen die Musik-Tauschbörsen wie Napster und Grokster. Obwohl sie vor Gericht gewannen, erwies sich das als Pyrrhussieg. Jedes Mal wurden die Filesharing-Netze noch ein bisschen dezentraler und ungreifbarer. Am Ende der Entwicklung stand eMule: nur eine Software, von der man noch nicht einmal weiß, wer sie geschrieben hat.

Ein bemerkenswertes Phänomen: der erfolgreiche Kampf der Musikindustrie gegen die Piraterie vergrößerte ihr Problem. Wie kommt das?

Eine Parallele dazu findet sich an einer ganz anderen Stelle: im Kampf der spanischen Eroberer gegen die Apachen. Die Spanier hatten die großen Reiche der Inkas und Azteken jeweils binnen zweiJahren zerstört, aber den Widerstand der Apachen konnten sie 200 Jahrelang nicht brechen. Das lag an der dezentralen gesellschaftlichen Organisation der Apachen. Es gab keinen Anführer, kein Hauptquartier – nichts, was man besiegen oder zerstören konnte. Macht war sehr weit gestreut. Die einzigen gesellschaftlichen Schlüsselfiguren waren die Nant’ans – spirituelle Führer, die durch Rat und Vorbild leiteten. Aber sie hatten keine Befehlsgewalt. Und wenn die Spanier Nant’ans töteten, rückten andere nach. Die spanischen Angriffe führten nur zu einer weiteren Dezentralisation und machten so die Apachen noch stärker. Als die Spanier ihre Dörfer zerstörten, wurden sie Nomaden – also noch ungreifbarer.

Der Kampf der Musik-Label gegen das Filesharing scheiterte aus demselben Grund, der auch zur Niederlage der Spanier gegen die Apachen führte: wenn eine dezentrale Organisation angegriffen wird, verstärkt sich ihre Dezentralisation noch.
Das ist das erste Prinzp der Dezentralisation. Aber die Bedeutung dieses Pänomens ist damit noch längst nicht ausgeschöpft.

Kommentar:
Wendet man diese Gedanken auf die frühe Christenheit an, dann versteht man, warum sie dreihundert Jahre lang alle Verfolgungen überstehen und stattdessen enorm wachsen konnte. Es gab keine zentrale Organisation, keinen Papst, den man kontrollieren konnte. Apostel, Propheten, Lehrer und Älteste sorgten – wie die Nant’ans der Apachen – dafür, dass die gemeinsame geistliche Grundlage erhalten blieb. Aber niemand konnte den Gemeinden etwas befehlen, und das bedeutete letztlich „meine Schafe hören meine Stimme“ (und auf niemanden sonst).
Man muss sogar überlegen, ob nicht auch der Tod Jesu in diesem Rahmen noch eine ganz neue Bedeutung bekommt: Priester und Römer glaubten, durch die Beseitigung des Anführers die Bewegung im Keim ersticken zu können. Stattdessen führte der Weggang Jesu zu weiterer Dezentralisation: es kam der Heilige Geist, der an vielen Orten zugleich wirken kann. Dagegen waren sie erst recht hilflos – man merkt das in der Apostelgeschichte sehr deutlich.
Die Stärke der frühen Christenheit lag also tatsächlich in ihrer Armut, in ihrer nichthierarchischen Organisation und darin, dass sie die Energie und Fantasie der Menschen freisetzte. So konnte sie in die Ritzen der imperialen Gesellschaft eindringen, ohne dass sich das zentral gelenkte Reich wirkungsvoll wehren konnte.