Dez 022013
 

In lockerer Folge poste ich Gedanken aus meinem Psalmen-Workshop beim Emergent Forum am 1.12.2013 in Berlin.
|Teil 2|

Ein stereoskopischer Zugang zur Welt

Bhs_psalm1Die Grundstruktur der Psalmen ist ein Parallelismus: immer zwei Zeilen gehören zusammen und sagen beinahe das Gleiche, aber nicht ganz. Sie sagen es mit unterschiedlichen Worten oder aus unterschiedlicher Perspektive. Das wird dadurch verstärkt, dass die Psalmen im Gottesdienst wohl von mindestens zwei Gruppen gesprochen/gesungen wurden. Erst die unterschiedlichen Sichtweisen unterschiedlicher Gruppen ergeben also das ganze Bild. Das übt eine meditative Grundhaltung ein: die Dinge müssen zunächst in ihrer Fülle wahrgenommen werden. Zudem wird in der klassischen Psalmenrezitation zwischen den beiden Zeilen eine Pause eingelegt: eine Unterbechung, die ebenfalls betrachtend verweilen lässt.

Das führt aber nicht zu Beliebigkeit, sondern der Sachverhalt wird dadurch gerade viel klarer und reicher beschrieben. Wenn es z.B. heißt (Ps. 5,6):

»Stolze kommen dir nicht vor die Augen –
du hassest alle, die Unrecht tun.«

dann wird die Grundausrichtung damit nicht relativiert oder abgemildert, sondern sie wird reicher entfaltet. Man verpackt die Realität nicht abschließend in einen Begriff und klebt ein Etikett daran, sondern man bleibt dabei und umkreist ein Stück Welt und klopft es ab auf die Bedeutungen, die es in sich trägt. Der Blick bekommt Tiefenschärfe. Die Welt ist nicht einfach das, was sie ist, sondern sie birgt in ihrer Mitte ein Geheimnis.

Spiritualität als leerer Ort

Mit der Grundstruktur des Parallelismus halten die Psalmen also die Differenz fest zwischen unseren Begriffen und Worten und der Sache, die wir bezeichnen. Indem sie den Sachverhalt von mehreren Seiten umkreisen, halten sie zwischen sich einen leeren Raum frei – ähnlich wie der Jerusalemer Tempel in seiner Mitte einen leeren Raum barg, die Wohnung des unsichtbaren Gottes. Das lässt uns verstehen, worum es in der (jüdischen und christlichen) Spiritualitat überhaupt geht: es wird ein Ort geschaffen, in dem es zur Begegnung mit der unverfügbaren Realität Gottes kommen soll.

Der Tempel schafft einen solchen leeren Ort im Raum. Der Sabbat schafft einen ebensolchen Ort in der Zeit. Die Psalmen bauen ein Heiligtum in der Sprachwelt. Es sind Worte, die zwischen sich Raum schaffen für das Unsagbare. Biblische Spiritualität ist deswegen keine wortlose Spiritualität, sondern eine wortgeprägte. Die Worte der Psalmen sind keine Bedrohung für das Geheimnis der Welt, so dass man besser auf sie verzichten sollte, sondern sie ermöglichen gerade Begegnung. Denn es ist kein beliebiges Unsagbares, auf das wir warten, sondern es geht um den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, den Vater Jesu Christi.

Biblische Spiritualität geht davon aus, dass die Wirklichkeit nicht einfach das ist, was sie ist. sondern sie birgt in sich ein Geheimnis, sie hat eine Tiefendimension, eine verborgene Seite: den Himmel, den Bereich Gottes. Gott überlässt seine Schöpfung nicht sich selbst, sondern belebt, segnet und durchwaltet sie auch weiterhin. In der biblischen Spiritualität geht es darum, mit dieser verborgenen Tiefendimension in Berührung zu kommen. Einen Raum zu schaffen, wo diese Begegnung möglich wird. Dafür sind die Psalmen da.

Nov 212010
 

Deutschlandkarte Emergent ForumLeider habe ich beim Emergent Forum in Essen die Deutschlandkarte mit den Heimatorten der Teilnehmer zu früh fotografiert – im Laufe des Tages ist der hier beschriebene Effekt noch deutlicher geworden. Aber auch auf diesem Bild ist er schon zu erkennen: die Herkunftsverteilung spiegelt in etwa die Missionssituation auf dem Gebiet des späteren Deutschland um etwa 800 (Kaiserkrönung Karls des Großen).

Im Einzelnen: Gut bestückt ist die Rheinschiene. Das ist alter christlicher Boden noch aus der Zeit des Imperium Romanum. Auch im Süden ist das Christentum seit alters hinter dem schützenden Limes früh verankert gewesen; die Missionstätigkeiten der irischen Mönche (Columban, Gallus) haben es nach der Völkerwanderung wieder neu aktiviert. In der Mitte Deutschlands (Hessen von Frankfurt bis Kassel) hat Bonifatius schon sein Werk getan. Von dort aus wird auch Thüringen beeinflusst.
Spärlich hingegen sind der Norden und Osten christianisiert. Einzelne frühe Missionsstützpunkte (Hamburg, Bremen) liegen ziemlich verloren im heidnischen Gebiet. Auch in Ostfriesland hat sich der neue Glaube noch nicht so richtig durchgesetzt; das Blut des Bonifatius und seiner Mitstreiter wird erst später den Boden dort fruchtbar machen.

Eine relativ starke christliche Zusammenballung ist im Ruhrgebiet zu erkennen; von dort aus startete die fränkische Initiative gegen die heidnischen Sachsen. Wir stehen also an einem Scheidepunkt: sollen die Sachsen und die anderen Ostlinge mit Feuer und Schwert bekehrt werden, wie es ab 800 Karl der Große im Sachsenkrieg versuchte – oder werden wir diesmal andere Wege finden?

Dez 022009
 

Jemand wollte von mir die Abendmahlsliturgie aus dem Gottesdienst am 29.11.09 beim Emergent Forum in Erlangen haben. Da ich sie dafür sowieso rekonstruieren muss, kann ich sie auch gleich hier zugänglich machen.

Nach dieser Liturgie feiern wir auch in Ilsede im normalen Gottesdienst das Abendmahl. Allerdings ist es eine bewegliche Liturgie, die je nach Situation – geplant oder auch spontan – veränderbar ist. Es ist nicht so gedacht, dass man diese Texte Wort für Wort abliest; sie sollen lebendig bleiben und das heißt: durch die Subjektivität eines Menschen hindurchgehen. Nur das Grundgerüst bleibt als Rahmen bestehen. Deshalb ist dies hier auch nur eine ungefähre Wiedergabe aus dem Gedächtnis.

Ich habe den größten Teil des Textes aus vielen verschiedenen Quellen genommen und im Lauf der Zeit mit eigenen Formulierungen zu diesem Ablauf verbunden. Ich weiß mich allen, auf deren Ideen und Formulierungen ich aufbaue, zu Dank verpflichtet, sehe mich aber außerstande, all diese Quellen noch zu benennen. Stellvertretend für alle sei als wichtige Inspirationsquelle Huub Oosterhuis genannt.

Übrigens hat Peter auf seinem Blog auch etwas Theologisches dazu geschrieben.

Die Zwischenüberschriften mit ihren teilweise traditionellen Namen sind für die Orientierung da – lasst euch nicht davon abschrecken, ihr könnt sie auch einfach ignorieren.

Gabenbereitung:
Wir wollen Abendmahl feiern mit Brot und Wein.
Das Brot ist Zeichen für alles, wovon wir leben. Unsere Nahrung verbindet uns Tag für Tag mit der Erde und mit unzähligen Menschen, ihrer Geschichte und ihrer Arbeit.
[An dieser Stelle habe ich die Geschichte der kurdischen Familie erzählt, von der das Brot zum Abendmahl stammte.]
Der Wein ist das Zeichen der Freude und des Festes. Gott gibt uns nicht nur das Notwendige zum Überleben, sondern auch der Glanz und die Freude sollen zum Leben dazugehören.
Jesus nimmt Brot und Wein und verbindet sie für immer mit seinem Tod: sein vergossenes Blut, sein zerbrochener Leib. Wir sollen verstehen, dass Gottes Liebe zu uns keine Schmerzen scheut. Und wenn wir das Brot essen und aus dem Kelch trinken, dann verbinden wir uns mit Jesus Christus und seiner Geschichte, die eingewoben ist in das Netzwerk des Lebens, das die Welt umspannt. Im Abendmahl wird sichtbar, dass wir dazugehören und dazugehören wollen.
Und so lasst uns Gott loben über Brot und Wein:

Lobgebet:
Herr, unser Gott,
wir danken dir, dass du uns gewollt hast, erschaffen, ins Leben gerufen.
Wir danken dir für jeden Tag, für jede Stunde unseres Lebens,
für die Luft, die wir atmen und das Licht, das wir sehen.
Du wolltest ein Gott der Menschen sein.
Und auch, als wir uns von dir abwandten und unsere eigenen Wege gingen, hast du uns nicht allein gelassen. Du hast uns deinen Sohn gesandt, Jesus Christus.
Wir danken dir für diesen einzigartigen Menschen. Er hat uns gezeigt, wie ein Mensch leben soll und geht uns voran. Bis zum letzten Atemzug hielt er fest an dir und an seinem Weg.
Und so hast du ihn dann aus dem Tod herausgerufen und hast ihm gutes, starkes, ewiges Leben gegeben, das den Tod nicht mehr fürchten muss.
Mit ihm verbindest du uns in der Kraft deines Heiligen Geistes.
Du machst uns zum Glied seines Leibes, du nimmst uns auf in das Netzwerk der neuen Schöpfung.
Darum loben wir dich mit allen, die uns vorangegangen sind im Glauben, gemeinsam mit dem ganzen Erdkreis preisen wir deinen heiligen Namen. Mit allen, die dich lieben, zu allen Zeiten und in allen Sprachen, singen wir den Lobgesang „Heilig, Heilig, Heilig“
[Danke Jan, für das „Heilig, heilig … holy, holy“ – das passte super hierher!]

Einsetzungsworte mit Einleitung:
Noch immer ist die Welt voller Unrecht, Lüge, Gewalt und traumatisierter Menschen. Mitten in dieser Welt lud Jesus seine Jünger ein an seinen Tisch:
Es war in der Nacht, in der einer seiner Freunde ihn verriet.
Es war in der Nacht, in der sie ihn gefangen nahmen und anklagten.
Es war in der Nacht, in der sie ihn schlugen und verurteilten.
Es war in der Nacht, bevor sie ihn zur Stadt hinaus stießen und kreuzigten.
Es war in der Nacht vor seinem bitteren Leiden und Sterben:
in dieser Nacht kam er noch einmal mit seinen Jüngern zusammen.
Ich bitte euch aufzustehen!
Unser Herr Jesus Christus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brach’s und gab’s seinen Jüngern und sprach: „Nehmt hin und esst! Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Solches tut zu meinem Gedächtnis.“ Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Abendmahl, dankte, und gab ihnen den und sprach: „Nehmt hin und trinkt alle daraus! Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Solches tut, so oft ihr’s trinkt, zu meinem Gedächtnis.“
Wenn wir also von dem Brot essen und aus dem Kelch trinken, dann verkünden wir das Leben, den Tod und die Auferstehung unseres Herrn, bis er wiederkommt vor den Augen aller.

Gebet:
Gott,
verbinde uns mit dem Leben, dem Tod und der Auferstehung deines Sohnes Jesus Christus.
Sende deinen Geist aus über uns.
Lass es unter uns sichtbar werden, dass du der Gott des Lebens bist.
Sei treu und gib uns den Frieden!

Friedensgruß:
Lasst uns einander das Zeichen des Friedens und der Versöhnung geben, indem wir uns die Hand reichen und den Frieden zusprechen: Friede sei mit dir!

Vaterunser
[an dieser Stelle singen wir in Ilsede noch „Christe, du Lamm Gottes“]
Austeilung
[Danke an Tobi K., Sandra und Peter für die klasse Zusammenarbeit!]

Dankgebet:
Herr, unser Gott,
wir danken dir, dass du uns verbindest:
hier in Erlangen, als emergent conversation in Deutschland und in der ganzen Welt, als deine Christenheit unter allen Völkern. Wir gehören zu dir, wir lieben dich, wir vertrauen auf dich, wir halten Ausschau nach dir, bis du kommst und die Erde erneuerst in Herrlichkeit.
Amen.

Nov 292008
 

In Erlangen ist gerade Emergent Forum. Ich wäre gern hingefahren, aber das geht gerade nicht. Zum Glück kann man auch aus der Ferne beim Lifeblogging miterleben, was da so in Impulsen und Arbeitsgruppen läuft. Toll! Aber dabeigewesen wäre ich trotzdem gern, allein schon wegen dem augenscheinlich leckeren Essen.
Auf dem Lifeblog fielen mir aber immer wieder schöne Zitate auf, die es verdienen, nicht einfach im Stream unterzugehen.
Hier will ich ein paar davon festhalten:

Das Patriarchat ist eine Folge des Sündenfalls und nicht die Schöpfungsordnung. Die Erlösung durch Jesus bedeutet Überwindung des Patriarchats. Gemeinde ist etwas vollkommen Neuartiges, ein Vorgeschmack auf den Himmel. Gemeinde ist weder patriarchalisch noch matriarchalisch strukturiert, sondern Frauen und Männer arbeiten zusammen und ordnen sich einander unter.

Aus dem Missverständnis, dass experimentelle Formen keine Leitung bräuchten, ergibt sich ein Leitungsvakuum. In dieses Vakuum springen, aus patriarchalischer Gewohnheit, die Männer.
(Christina Müller ht DoSi)

Stell dich dumm, dann wirst du nicht zur Verantwortung gezogen.
Sei lieb, dann wirst du geliebt.
Kritisiere nicht, dann wirst du nicht kritisiert.
Beschuldige dich selbst, dann wirst du nicht beschuldigt.
(Christina Müller ht DoSi)

1. Männer haben das Recht, mit Frauen zusammenzuarbeiten. Männer haben die Pflicht, Frauen zu dieser Zusammenarbeit zu ermutigen und die üblichen Ausreden von Frauen als verinnerlichte Sexismen zu enttarnen. Männer haben die Pflicht, Frauen Platz zu machen.
2. Frauen haben das Recht, mit Männern zusammenzuarbeiten. Frauen haben die Pflicht, Männer zu ermahnen, wenn diese die von Frauen verinnerlichten Sexismen zur Sicherung der eigenen Macht aufrechterhalten und verstärken. Frauen haben die Pflicht, sich gegenseitig auf subtile sexistische Mechanismen hinzuweisen und den patriarchalischen Lügen biblische Wahrheiten entgegenzuhalten.
(Christina Müller ht haso)

In der Urchristenheit hatten Frauen einen viel höheren Wertstellung als in der übrigen Gesellschaft. Warum ist das in unseren Gemeinden gerade andersrum?
(Peter ht DoSi)

Es müssen sich manchmal erst die Verhältnisse ändern, damit sich das Denken ändert.
(Christina Müller ht Hufi)

Ich glaube, der Unterschied zwischen den Persönlichkeiten ist größer als der zwischen den Geschlechtern.
(Peter)

spätantike war postmoderne ohne strom
(onkelhenni via twitter)

In der Welt stoßen wir überall auf Gottes Spuren, der sich nicht aus ihr zurückgezogen hat. …
Wie wird man den Juden ein Jude, wenn man sich nicht auf ihn einlässt und von ihm nichts lernen will? Wir müssen mit den Menschen einen Dialog eingehen. …
Eine Welt, die von patriarchalen Strukturen besetzt ist, ist eine korrumpierte Welt. Wir werden das Problem zwischen Mann und Frau nie lösen, wenn wir dem Teufel nicht Widerstand leisten.
(Johannes Reimer ht DoSi)
Jesus ist der Weg. Aber ein Weg ist da, um zu gehen. Nicht zu stehen. Oder Denkmäler zu bauen.
(Johannes Reimer ht Kerstin)
Ich finde in dieser Welt überall Menschen, die sich um die Umgestaltung der Welt in diesen Shalom kümmern, die keine Christen sind. …
Zugleich muss man aber auch ganz klar Stellung beziehen – unser Kampf ist nicht mit Fleisch und Blut. … Wir haben nicht mit einem Gottesprinzip und auch nicht mit einem Satansprinzip zu tun, sondern mit Mächten und Gewalten, die auch personal tätig werden
(Johannes Reimer ht Björn)
Darüber hinaus dürfen wir die personalen Mächte und Kräfte nicht vernachlässigen, ihnen direkt widerstehen und nicht nur ihre Ergebnisse bekämpfen.
(Johannes Reimer ht DoSi)

Im bürgerlichen Kontext ist das Wohlstandevangelium ein Missverständnis des Evangeliums, unter Armen nicht.

Haso erzählt davon, dass Gebete, bei denen „Geister über Kreuzberg“ gebrochen werden sollten, keine Wirkung zeigten, aber die Beter eben auch Vorstadtchristen waren, die mit Kreuzberg nicht in Touch waren. Bis Christen ihre Gebetsveranstaltung auf das säkulare Myfest in Kreuzberg verlegten. Das war am Anfang vielleicht noch nicht vollständig kontextualisiert, aber nach einiger Entwicklung…

Charismatische Frömmigkeit in ein anderes Setting hineinbringen und auch für Nichtchristen offen halten, verhilft ihr zu einer sinnvollen Existenz.

Glaubensentwicklung verläuft nicht linear. In der Praxis charismatischer Frömmigkeit muss man das drinnen-draußen denken ruhig mal überwinden. Haso kennt Muslime, denen vor wichtigen Entscheidungen im Traum Jesus erscheint und etwas sagt.
(aus dem Workshop „Postcharismatik“ ht Blogomotion)

Man kann sich verstecken. Man muss nicht an seiner eigenen Geschichte arbeiten, sondern nimmt das als Generalausrede, dass man eben ne Frau, das arme Opfer ist…
(aus dem Workshop „Gleichberechtigung“ ht Jule)

Wer Kritik abblockt wird nicht christlicher, sondern fanatisch.
(aus dem Workshop „Kritik und Glaube“ ht Lennart)

Pastor Sandy: @hase und ich ärgere mich immer noch dass ich nicht da war
Pastor Sandy: hups: meinte natürlich hasO!
Simon: @ PS: du darfst Haso Hase nennen?
Tanja: ich finde Hase irgendwie süß!
fischerman: ja, die spannung gilt es, auszuhalten. denn wenn man sich selbst verliert, ist nichts gewonnen.
Pastor Sandy: jaja… wegen berlin connection.. ähem… TIPPFEHLER!!!!!
(aus dem Liveblog)

Sep 092008
 

Über das EmergentCamp am vergangenen Wochenende haben schon andere hier und hier und hier geschrieben – ich hoffe, ich habe jetzt niemanden übersehen. Demnächst wird es auch auf Emergent Deutschland die Präsentationen und Podcasts von den sechs Beiträgen geben. Man kann sie auch schon hier hören.

Eins will ich hier noch mal besonders erwähnen: Mir hat die Selbstorganisation des Treffens wirklich gut gefallen. Keine Tagungsstätte, keine Arbeitsstelle oder andere entscheiden über den Verlauf, sondern er entsteht aus dem, was die Teilnehmer mitbringen. Und das war wirklich anregend, brachte neue Perspektiven und überraschende Blicke auf neue Zusammenhänge. Wir haben alle viel mehr einzubringen, als wir denken, und wenn wir es zusammenschmeißen, wird richtig was Gutes draus.

Jun 252008
 

Seit dem Emerging Studientag in Hamburg im letzten Jahr ist hier im Norden eine Zusammenarbeit unter Leuten gewachsen, die sich vor allem über ihre Blogs kennengelernt haben. Und jetzt laden wir alle Interessierten zum EmergentCamp ein, um die Vernetzung voranzubringen:

EmergentCamp:
Evangelium und Gemeinschaft im Kontext der Postmoderne

am 06. September 2008 von 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr in den Räumen der Christusgemeinde Bremen-Blumenthal.

EmergentNord lädt ein zu einem ersten EmergentCamp. Im Barcamp-Stil wollen wir miteinander über folgende Themen sprechen:

I. Wer sind wir heute?
Nach fast zwei Jahrtausenden Christentum befindet sich Europa in einem Zeitenbruch. Die Moderne geht ihrem Ende entgegen. Die Bedingungen, in denen das Evangelium kommuniziert wird, ändern sich. In einer unübersichtlichen Gemengelage mischen sich vormodernes, modernes und postmodernes Denken. Wer also sind wir heute? Ein Versuch Spuren zu erkennen.

II. Was ist das Evangelium?
Ein erster Versuch einer Rekonstruktion: welches Evangelium verkünden wir eigentlich in der unübersichtlichen Situation zwischen Moderne und Postmoderne?

III. Was ist christliche Gemeinschaft?
Die neuen Bedingungen sind auch Resonanzboden für Klänge des Evangeliums, die lange überhört worden sind. Wie können sie in Gemeinschaften Gestalt gewinnen? Wir wollen viele Impulse und Fragmente sammeln, die zu einer neuen Praxis christlicher Gemeinschaft anstiften.

Call-for-papers:
Jeder, der auch an diesen Fragestellungen arbeitet, ist eingeladen, Beiträge zu diesen Themen mitzubringen. Das dürfen auch Praxisberichte, Fragmente, Literaturberichte oder Diskussionsanstöße sein. Beiträge sollten 10 min Länge nicht überschreiten.

Anmeldung:
Wir bitten um eine Anmeldung bis zum 15. August 2008 an: info@zellgemeinde-bremen.de

Adresse des Veranstaltungsorts:
Christusgemeinde Bremen Blumenthal (ev.-freikl./Baptisten)
Cranzer Straße 22
28777 Bremen

Eine Wegbeschreibung
gibt es auf der Webseite der Christusgemeinde unter:
http://www.christusgemeinde-blumenthal.de/index.php/kontakt/

Dez 012007
 

Gestern war der Emerging-Studientag in Hamburg. Ich kam mit einem vollen Herzen zurück. Hier ein paar Impressionen:

  • Mein erster Eindruck: wow, so viele Leute! In unserer eher unkirchlichen Landschaft hatten sich doch wohl an die 200 Leute in der Apsis von St. Petri in Hamburg versammelt (weiß einer genaue Zahlen? habe leider nicht gezählt).
  • Der zweite Eindruck: Emerging scheint vor allem eine männliche Angelegenheit zu sein. Frauen waren klar in der Minderzahl. Muss man aber nicht böse drüber sein, sonst ist bei kirchlichen Veranstaltungen das Verhältnis ja meistens andersherum. Es muss auch mal einen Ausgleich geben.
  • Dritter Eindruck: es gab Kaffee, Tee, Getränke, und leckere Kekse. Klasse! Dank an die Leute von der GeiGE, die das alles organisiert haben!
  • Viertens: endlich mal welche von den Bloggerkollegen getroffen, echt und leibhaftig. Waldy kam gleich hinter mir in der Schlange. Nach und nach auch die anderen identifiziert. Ein teilnahmsvoller Gruß geht an Simon, den eine Infektion zu Hause bleiben ließ.
  • Fünfter Gedanke: am wichtigsten sind überhaupt die Menschen. Dass endlich mal die emerging-Interessierten zusammenkommen und man ein Feeling füreinander bekommt und über sehr interessante Sachen reden kann. Ein richtig gutes Gespräch beim arabischen Imbiss zu Mittag z.B.
  • Das bringt zum sechsten Punkt: eigentlich müsste man viel mehr Raum haben, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Zu Hause lese ich bei Emergent Deutschland, dass das für Erlangen an diesem Wochenende geplant ist. Mit Hilfe der OpenSpace-Methode. Das finde ich die richtige Richtung. In Hamburg hatten wir zwischendrin schon überlegt, ob man nicht Anleihen beim Barcamp machen müsste. Die Webworker sind uns da echt voraus. Es gibt eben Organisationsformen, mit denen man das Potential der Teilnehmer viel besser nutzen kann als mit dem Muster Vortrag-Fragen-Vortrag-Podiumsdiskussion. Aber für den Anfang war das schon ok so, man kann nicht alles gleichzeitig haben.
  • Damit komme ich, siebtens, darauf, dass die Referate gar nicht das Entscheidende waren. Sie waren ok, besonders die Bilder von Brian McLaren bleiben haften, z.B. Schildkrötedie eingeschnürte Schildkröte. Und ich dachte: in der Tat, so sind wir, eingeschnürt durch eine viel zu enge Form des Christentums, die uns jahrhundertelang das Atmen schwer gemacht hat. Aber jetzt, wo die äußere konstantinische Fessel langsam weicht, sind wir trotzdem noch eingeschnürt. Wie die Schildkröte, deren knöcherner Panzer den äußeren Zwang des einschnürenden Rings fortsetzt.
    Auch viele andere gute Einsichten bei Brian McLaren und Jason Clark. 2007-11-29emerginghh-000003.jpgVieles habe ich mitgenommen, noch mehr aufgeschrieben. Manches hätte ich mir anders gewünscht, aber bei so unterschiedlichen Erwartungen, so unterschiedlichen Vorkenntnissen, so unterschiedlichen Erkenntnisinteressen kann man nicht allen gerecht werden. Wäre gerne in Erlangen dabei, aber die Plicht ruft und hält mich hier fest. Ist ja ok …
  • Zum Achten möchte ich aber ein Bild aus den Vorträgen weitergeben, das mich fasziniert hat, weil es so viel auf den Punkt bringt: Die Christenheit ist wie ein Baumstamm. Die verschiedenen Traditionen (katholisch, evangelisch, orthodox, freikirchlich …) sind, wenn man den Stamm im Schnitt betrachtet, wie Segmente/Tortenstücke. Wichtiger als die Zuordnung zu einem bestimmten Segment ist aber die Frage, wie nahe an der Oberfläche einer ist. Wo sich Stamm und Außenwelt begegnen, dort wächst der Baum. Später kann man an den Jahresringen sehen, wie schwer oder leicht es der Baum zu einer bestimmten Zeit in der Vergangenheit hatte. Und, klar, man kann sich in das Studium der 500 Jahre alten Jahresringe vertiefen. Aber viel interessanter ist die Stelle, wo der Baum heute wächst und seine Auseinandersetzung mit der Umwelt gestaltet. Ein sehr hilfreiches Bild!
  • Der neunte Gedanke ist ein Zitat aus dem Nachmittagsvortrag von Brian McLaren:
    Neue Wege, um alte Antworten neu zu verpacken: Erneuerung (Renewal)
    Neue Antworten auf alte Fragen: Reformation
    Neue Fragen: Revolution
    Klar brauchen wir die alle gleichermaßen, Brian. Aber ich finde, einige sind doch gleicher als die anderen. Wir haben zu wenig Revolution und zu viel Erneuerung.
  • Das war dann – zehntens – auch mein Eindruck von der abschließenden 2007-11-29emerginghh-000005.jpgPodiumsdiskussion. Ein bisschen zu brav. Als vor 10-20 Jahren Gemeindeaufbau in Mode kam, klebte jeder an das, was er sowieso immer schon tat, das Etikett „Gemeindeaufbau“ dran. Vielleicht wird jetzt bei manchen das Etikett ausgewechselt, und in Zukunft steht eben „emerging“ drauf. Aber vielleicht sehe ich das ein 2007-11-29emerginghh-000012.jpgbisschen eng. Es geht ja gerade erst los. Und die wirklich substantiellen Herausforderungen werden sich hoffentlich noch deutlicher zeigen.
    Aber was will Jason Clark
    uns hier nur sagen?
  • Der elfte Eindruck war die Rückfahrt. Ich fahre wirklich gerne im Intercity-Großraumwagen, wenn die Leute langsam ruhig werden, jeder gemächlich vor sich hindöst (mit oder ohne Laptop), der Zug durch die Dunkelheit gleitet und die Handys Ruhe geben. Erst noch was gegessen, und dann war ich nach diesem Tag einfach nur glücklich.
  • Ach ja, und zwölftens kommt hier noch 2007-11-29emerginghh-000004.jpgdas nette Bild von der Schildkröte (nicht die mit der Wespentaille) und dem Nilpferdkind, wie sie so lieb beieinanderliegen. Die Kirche ist die Schildkröte und das Nilpferdkind die Moderne, meinte Brian. Na gut, keine tolle Allianz, aber ein feines Bild!
    Übrigens, hier findet ihr die jeweils aktuelle Zusammenstellung der Posts zu den Studientagen in Marburg und Hamburg sowie zum Forum in Erlangen. Und hier steht eine inhaltliche Übersicht, die man aus meinem Beitrag (der anders hinschaut) nicht so gewinnen kann.