Mrz 202007
 

Eine gut verständliche Übersicht über die Situation am Ende der Konstantinischen Ära findet man in einer Zusammenfassung des Buches von Stuart Murray: „Post-Christendom: Church and Mission in a Strange New World“ auf dem Coachnet-Blog „Mehr-und-bessere-Gemeinden„. Vor allem sind hier auch zunächst bescheidene, aber realistische Perspektiven aufgezeigt, wie man in dieser Situation weitermachen sollte. Insbesondere die deutliche Absage an die rückwärtsgewandten schnellen Erweckungs-Prophetien überzeugt mich.

Einige Zitate:

„Gemeinde ist eigentlich recht einfach“, meint Murray. „Sie besteht im wesentlichen aus Freundschaft als beziehungsmäßigem Paradigma, aus gemeinsamem Essen und Lachen.“

Gerade in unserem Land wird „Erweckung“ regelmäßig angesagt. In der Regel erwartet man – neben vielen Bekehrungen – eine Wiederherstellung flächendeckender christlicher Kultur und ganze gesellschaftliche Bereiche, die „wieder“ vom Evangelium geprägt werden. Angesichts der Tatsache, dass die christlich geprägte Kultur in Westeuropa an ihr Ende kommt, ist immer mehr denkenden Christen bei dieser Perspektive nicht wohl.

Akzeptiert euren Status als Gemeinschaften am Rande der Gesellschaft.

Meidet kurzfristige Perspektiven, strebt nachhaltige Transformation an.

Der Umzug von der Mitte der Gesellschaft an die Ränder, von privilegierter Religion zu einer Stimme unter vielen und von aufgezwungenem Glauben zu radikaler Freiwilligkeit wird dem Christentum gut tun. Immerhin hat es ja auch so angefangen.

Mrz 062007
 

Das SINUS-Institut beobachtet die verschiedenen gesellschaftlichen Milieus und ihre Veränderung. Sie teilen die Gesellschaft in zehn Milieus ein (Bürgerliche Mitte, Etablierte, Konservative, Hedonisten, Experimentalisten, Post-Materielle, Traditionsverwurzelte, Moderne Performer, DDR-Nostalgiker, Konsum-Materialisten). Kurzbeschreibungen davon kann man sich im Web ansehen – sehr lebendig und eindrücklich – kurz: das pralle Leben.
Interessant, wenn man sich oder andere dort wiederfindet …

Mrz 012007
 

Ich habe hier einen kurzen Bericht zu einem Hauskreis gefunden, der sich in einer Kneipe trifft. Manches davon verstehe ich nicht ganz (wie es funktioniert), aber interessant ist das schon. Erinnert mich ein bisschen an MacManus‘ Beschreibung seiner Mosaic-Gemeinde als „herumziehender Nomadenstamm“ unter deutschen Verhältnissen.

Vielleicht muss man sich aber, wenn man den Artikel liest, auch immer mal wieder in Erinnerung rufen, dass das „in-einer-Kneipe-sitzen-und-Bier-trinken“ an sich heute eigentlich keine so ganz große christliche Heldentat mehr ist.
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Feb 242007
 

Peter Aschoff beschreibt in seinem Blog, wie Anbetung – vergleichbar dem Zustand des Verliebtseins – zu einem Selbstzweck werden kann:„Anbetung – vorbei am Eigentlichen? (Teil 4)“. Es ist eine Übersetzung eines Textes von Brian McLaren. Ich finde es wichtig, dass wir geistliches Erleben richtig einordnen, und dies sind hilfreiche Gedanken dazu.

Die anderen Posts sind hier zu finden:

Feb 152007
 

Übrigens, das Buch „The Forgotten Ways“ wird auch im Blog „Jesus Creed“ von Scott McKnight besprochen (allerdings auf Englisch). Ich gebe kurze Zusammenfassungen der Zusammenfassungen, damit ihr selbst entscheiden könnt, ob ihr es lesen wollt:

  • Forgotten Missional Ways 1:
    Als Einleitung sechs Kennzeichen, die die frühen Christen und die chinesischen Christen der Gegenwart gemeinsam haben
  • Forgotten Missional Ways 2:
    Aufgrund seiner Praxiserfahrungen stellt Hirsch zwei Modelle von Gemeindeaufbau einander gegenüber: modern gemanagte Veranstaltungs-Großgemeinden [für uns in Deutschland zwar mangels Masse kaum ein realer Weg, aber als Modell sicherlich in vielen Köpfen] und so etwas wie überschaubare Weggemeinschaften, in denen die Beteiligungsquote sehr hoch ist.
  • Forgotten Missional Ways 3:
    Nach Hirsch gibt es weltweit – von den Kirchen nicht wahrgenommen – eine große Gruppe von Christen, die sich außerhalb der Kirchen ansiedeln. Unter ihnen wächst ein neues Modell für die Christenheit heran, das die Begrenzungen des alten „Christentum“-Modells überwindet. Hirsch stellt die wesentlichen Kennzeichen der beiden Modelle gegenüber.
Feb 152007
 

Mit dem Titel seines zweiten Posts zur Systemlogik des „Christentums“ vom 10.2.2007 erinnert Alan Hirsch an die Szene aus dem Film „Matrix“, in der die Hauptfigur Neo das Versprechen hört: „wenn du die rote Kapsel nimmst, führe ich dich in die Tiefen des Kaninchenbaus“. Dies wiederum ist eine Erinnerung an „Alice im Wunderland“. Es geht um die tiefen Grundmuster, um die Geheimnisse unter der Oberfläche, wo die Dinge anders sind, als sie zunächst scheinen.

Wir haben hier bisher den Begriff der kulturellen Distanz sowie der Systemgeschichte/Systemparadigma diskutiert, und nun wollen wir uns näher mit dem Grundmuster beschäftigen, das das „Christentum“ seinem Kirchenbegriff zugrunde legt (die „Patrix„??). Also, wie passen diese Begriffe zum „Christentum“ und unserer gegenwärtigen Situation?

Die Transformation der Kirche von einer am Rande der Gesellschaft angesiedelten Bewegung zu einer zentralen Organisation wurde eingeleitet mit dem Edikt von Mailand (313 n. Chr.)
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Feb 122007
 

Auf seinem Blog „The Forgotten Ways“ schreibt der Autor Alan Hirsch eine Serie über die innere Logik des „Christentums“ (englisch „Christendom“ – das ist der Fachausdruck für die Gestalt, die das Mainstream-Christentum in den letzten 17 Jahrhunderten hatte, seit Konstantin). Ich werde seine Beiträge hier übersetzen bzw. auch mal zusammenfassen für alle, die sowas nicht so gern auf englisch lesen.

Hirschs erster Post vom 9.2.:

Ich habe vor, über die Systemlogik des „Christentums“ zu bloggen (die Systemgeschichte) – wie es auf fundamentale Weise den Bezugsrahmen verschoben hat, innerhalb dessen wir das Evangelium, die Kirche und die Mission verstehen. Deswegen werden die nächsten Blogeinträge einige kritische Beurteilungen mit sich bringen. Dennoch möchte ich vorweg sagen: auch wenn ich überzeugt bin, dass solche Kritik unbedingt notwendig ist, möchte ich doch nicht so verstanden werden, als ob Gott nichts mit den 17 Jahrhunderten zu tun hätte, in denen das Muster des „Christentums“ unsere Vorstellung beherrscht hat.
Auch wenn ich (aus vielerlei Gründen, die noch deutlich werden sollen) kein Anhänger dieses Grundmusters bin, so stehe ich doch nichtsdestoweniger auf seinen Schultern – wie wir alle. Das gilt auch und gerade, wenn ich versuche, ein echt missionales Grundmuster darzustellen. Entsprechend unserer Situation nach dem Sündenfall gibt es auf allen Ebenen menschlicher Erfahrung gute und schlechte Möglichkeiten. Deshalb wollen wir unsere Überlegungen von Demut geprägt sein lassen, wenn wir diese Systemlogik einer gründlichen, rückhaltlosen Untersuchung unterziehen. Das muss aber geschehen, denn ich bin überzeugt: wir werden solange nicht die Freiheit haben, eine echte Erfahrung neutestamentlicher ecclesia zu machen, wie wir nicht das ungebrochene Monopol durchbrechen, das das „Christentum“ mit seinem Grundmuster in unseren Köpfen hat.

Feb 042007
 

Da einige mich nach dem Bekenntnis gefragt haben, das ich heute im Gottesdienst vorgelesen habe: ihr findet es hier. Ich finde gut, dass es die Lücke füllt, die das apostolische Glaubensbekenntnis lässt, nämlich die Zeit des Lebens Jesu auf der Erde.

Nachtrag:
Ich sehe gerade (5.2.07), dass auch der Sämann auf dieses Bekenntnis hinweist und dabei noch ausführlicher beschreibt, weshalb es eine Lücke füllt.