Dez 202012
 

Das Emergent Forum vor ein paar Wochen hat scheinbar Spuren hinterlassen. Wer den vorigen Beitrag (Predigt zum 3. Advent)  gelesen hat, der merkt sofort, dass mich das Thema der „Mächte und Gewalten“ immer noch beschäftigt. Und in der Offenbarung des Johannes verbindet sich das ja ganz von selbst mit dem Advent.

Interessanter Weise ist es Peter Aschoff ebenso gegangen. Er hat am 2. Advent auch eine Predigt zur Offenbarung gehalten und ihr ebenfalls eine Präsentation beigefügt. Ganz ehrlich: das war absolut nicht abgesprochen. Es ist so gekommen.

Aber natürlich ist es toll, wenn eine Veranstaltung wie das Forum offenbar so deutlich in eine inhaltliche Richtung zeigt. Was sagt uns das? Anhören und ansehen!

Jul 192012
 

Was „emerging church“ eigentlich ist, das ist innerhalb der Bewegung immer wieder Gegenstand von Diskussionen. Da ist es schön, wenn man sich auch mal von anderen etwas dazu sagen lassen kann.

Die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen bringt in der neuesten Ausgabe ihres Materialdienstes (7/2012) einen Beitrag zum Thema „Die Emerging Church“. Verfasst ist er von Anika Rönz, Studentin der Religionswissenschaft in Marburg, die im Frühjahr 2012 ein Praktikum in der EZW gemacht hat.

Rönz beschreibt die Emerging Church (EmCh)  als „dezentrale, konfessions- und nationenübergreifende christliche Bewegung, die sich konstruktiv mit den Bedingungen der Postmoderne auseinandersetzen will, um Wege zu finden, unter diesen Bedingungen einen zeitgemäßen und zugleich evangeliumsnahen Glauben zu leben“. Tobias Faix wird mit den Worten zitiert, die EmCh sei „eine dynamische Bewegung inmitten des gesellschaftlichen Wandels“.

Zur Beschreibung der postmodernen Problematik wird der Aufsatz „Kurze Geschichte der Postmoderne“ von Tobias Künkler herangezogen. Als praktische Folgerungen aus dem EmCh-Ansatz werden benannt:

  • Bildung netzwerkartiger Strukturen
  • Interaktion und Beteiligung von Gemeindegliedern
  • Veranstaltungen an nichtkirchlichen Orten

Rönz greift eine Einteilung Ed Stetzers auf, der in der EmCh drei unterschiedliche Strömungen unterscheidet: der ersten geht es nur um zeitgemäße Umsetzung klassisch-evangelikaler Inhalte, der zweiten (den „Rekonstruktionisten“) um neues, nicht-traditionelles Denken, während die „Revisionisten“ tiefgreifende Veränderungen in Theologie und Lebensvollzug anpeilen.

Als übergreifende theologische Anliegen benennt Rönz die Orientierung an Jesus und die Betonung der Inkarnation, die die Trennung sakral/weltlich überwindet und damit eine Öffnung zur Gesellschaft auch theologisch begründet; sowie ein „missionales“ Selbstverständnis, das an biblisch-hebräisches ganzheitliches Denken anknüpft.

Als exemplarische Kritiker werden benannt Rudolf Ebertshäuser und Ron Kupsch. Rönz beobachtet, dass unsachliche Kritik von der EmCh eher ignoriert wird, die Auseinandersetzung mit konstruktiver Kritik jedoch zur Dynamik innerhalb der Bewegung beiträgt.

In der Schlussbewertung akzentuiert die Autorin die schwierige Einordnung der EmCh als einerseits evangelikale, andererseits aber zentralen evangelikalen Positionen widersprechende Bewegung. Zukunftsprognosen seien schwierig zu stellen. „Noch ist die Bewegung keine bestimmende Größe innerhalb des Spektrums christlicher Ausprägungen. Sie kann aber keinesfalls als unbedeutende Randgruppe … angesehen werden.“

Das klingt doch gar nicht so schlecht.

Dez 072010
 

Christmas starts with ChristChristmas starts with ChristIn England gibt Churchads seit einigen Jahren sehr pfiffige, massentaugliche Weihnachtsposter heraus. Jenseits der üblichen Weihnachtsmotive entwickelt man dort Bilder, die neue Zugänge zur Weihnachtsgeschichte erlauben.

Das diesjährige Poster fand ich besonders eindrucksvoll: ein Jesus-Embryo mit Heiligenschein als Ultraschall-Foto, wie es seit ein paar Jahrzehnten so ziemlich alle werdenden Eltern irgendwann in den Händen halten. Das Poster will bewusst an diese berührenden Momente anknüpfen. Gleichzeitig macht es drastisch deutlich, wie verletzlich sich Gott gemacht hat, als er Mensch wurde. Und so heiligt er ein wachsendes Stück Welt.

Dazu gibt es noch kurze Audio-Clips: Josefs Anrufbeantworter und eine Flughafendurchsage (natürlich auf Englisch).

Ich fand das Bild so gut, dass ich es gleich übersetzt habe. Auf eine Mail nach England kam binnen weniger Stunden die Antwort, dass das ok ist und das Bild unbeschränkt weitergegeben werden kann. Ich habe die Bilder deshalb in mehreren Größen zum Download ins Netz gestellt. Sie können ohne Beschränkung verwendet werden. Ich werde das Poster wahrscheinlich in einem Weihnachtsgottesdienst verwenden.

Das Original kann man hier oder hier herunterladen.

Die deutsche Version ist hier zu finden.

Leider ist die große Größe, mit der man auch größere Ausdrucke machen kann, dort nur mit einem Pro-Account herunterzuladen. Wer sie braucht, kann mir mailen oder einen Kommentar hinterlassen, dann schicke ich sie direkt. Für Projektion über Beamer reichen aber auch die kleineren Versionen völlig aus.

Auch ein Blick auf die älteren Weihnachtsbilder bei Churchads lohnt sich allemal.

Jan 272009
 

Alan Hirsch hat auf seiner Website „The Forgotten Ways“ neulich einen Beitrag verfasst, in dem er dazu aufruft, die Reise wieder aufzunehmen und den missionalen Genius neu zu beleben. Für alle, die Hirsch kennen, nichts grundlegend Neues, aber ich fand es so schön zusammengefasst, dass ich es für unsere Gemeinschaft übersetzt habe und hier auch dem Rest der Welt zur Verfügung stelle.

Die Geschichte Abrahams, die Kameradschaft von Sportmannschaften, die Kriegskameradschaft von alten Soldaten, die Gemeinschaft des Ringes in J.R.R.Tolkiens „Herr der Ringe“ und die verrückten Kaninchen im „Watership Down“-Film, all diese unterschiedlichen Geschichten zeigen uns, wie wichtig die Reise selbst ist. Denn Reife und Selbstverwirklichung kommen nicht ohne Bewegung und Risiko, und Abenteuer sind in der Tat gut für die Seele. All diese Geschichten zeigen uns, dass tiefe Gemeinschaft und Liebe da zu finden sind, wo wir uns zu einer gemeinsamen Entdeckungsreise aufmachen, wo wir gemeinsam Gefahren ins Gesicht sehen und uns dabei zusammenfinden müssen, um zu überleben. All das finden wir auch wieder in der Art, wie Jesus seine Jünger prägte: gemeinsam begannen sie eine Reise, die sie wegführte von ihrem Zuhause, ihrer Familie und ihren (sozialen oder religiösen) Sicherheiten. Sie brachen auf in ein Abenteuer, zu dem Grenzerfahrungen (Liminalität), Risiko, Lernen durch Praxis, verschworene Gemeinschaft (Kommunitas) und geistliche Entdeckungen gehörten. Unterwegs verloren sie ihre Angst vor Unzulänglichkeit und Mangel oder Vorsorge, und an deren Stelle trat eine beherzte Zuversicht, die die Welt für immer verändern sollte.

Was starke Jesusbewegungen so dynamisch macht, ist die Tatsache, dass sie tatsächlich Bewegung mit sich bringen. Und dabei geht es nicht um die Organisationsstruktur, sondern um echte Dynamik. Das heißt nun nicht, dass buchstäblich jeder Christ Haus und Familie verlassen muss, um Jesus nachzufolgen. Aber der grundlegende geistliche Akt, alles im Namen Jesu aufzugeben, lag jeglicher späteren Nachfolge zu Grunde. In diesem Sinn hatten sie bei ihrem Christwerden eine grundlegende Entscheidung getroffen, sich auf die Grenzerfahrung des Verlusts von Sicherheit und Bequemlichkeit einzulassen und mussten sie nicht nachträglich noch einkalkulieren. So blieben sie ein bewegliches Volk, das sich, abhängig vom Kontext, ständig neu anpassen und weiterentwickeln konnte. Das ging so lange, bis Konstantin uns mit Kirchengebäuden, einer Organisation und einem Bündnis zwischen Staat und Kirche beschenkte, wodurch der apostolische Genius für sehr lange Zeit in tiefen Schlaf fiel.

Wir müssen uns von neuem auf den Weg machen. Wir sind die Menschen des Weges, und unser Pfad liegt vor uns. Er lädt uns ein in eine neue Zukunft, in der wir endlich wieder gestalten und mitmachen dürfen. Wir versuchen, die Natur authentischer christlicher Gemeinschaft von neuem sichtbar zu machen: nämlich eine Kommunitas, die um ihre Mission herum gebaut ist und in Angriff genommen wird von einer Gruppe fehlbarer, aber mutiger Gefährten. Wir tun das, indem wir die mythische Symbolik aus den großen Geschichten aufrufen und in Erinnerung rufen, wie Jesus und die frühe Kirche sich daran machten, die Botschaft zu verbreiten. So erwecken wir von neuem die Sehnsucht und den Willen, eine abenteuerliche Reise zu unternehmen, um die uralte Kraft des apostolischen Genius wiederzuentdecken.

Okt 222008
 

Shane Clayborne hat nicht nur das auch in Deutschland bekannte Buch „Ich muss verrückt sein, so zu leben“ geschrieben, sondern jetzt auch einen Film gemacht: eine Reise zu den radikalen Christen Amerikas, die von den Mainstream-Medien nicht wahrgenommen werden. Motto „A conspiracy of faith in the margins of empire“. Hier ist ein kurzer Trailer:

http://www.youtube.com/v/gNYgwNYf6Ok

Ein paar Textauszüge:

They’re not trying to provide a set of political suggestions for the world: they are invoking and embodying the alternative.

This is the story of a peculiar people with no king but a God.

Theirs isnt’t the old-time religion of saving up for going to heaven; this is bringing heaven to the world.

Interviewt werden auch Brian McLaren, Ron Sider, Tony Campolo, Jim Wallis u.a. Leider gibt es die DVD bisher nur bei amazon/USA.

Hier ist die Website mit einem Blog zum Film.

Sep 192008
 

Daniel Ehniss schreibt hier etwas über die Wurzeln des Fundamentalismus. Gut, wenn man erfährt, wie Gedanken einmal angefangen habe, die heute weit verbreitet sind – vielleicht noch nicht einmal als klare Theorie wie in den Anfängen, sondern als Mentalität. Der Kern der fundamentalistischen Grundhaltung sind nach seiner Zusammenstellung folgende Punkte:

1) die buchstäbliche Unfehlbarkeit der Heiligen Schrift und die unbeirrbare Gewissheit, dass die Heilige Schrift keinen Irrtum enthalten könne;

2) die Nichtigkeit aller modernen Theologie und Wissenschaft, soweit sie dem Bibelglauben widersprechen;

3) die Überzeugung, dass niemand, der vom fundamentalistischen Standpunkt abweicht, ein wahrer Christ sein könne, und

4) die Überzeugung, dass die moderne Trennung von Kirche und Staat immer dann zugunsten einer religiösen Bestimmung des Politischen aufgehoben werden muss, wenn politische Regelungen mit fundamentalen religiösen Überzeugungen kollidieren.

Damit besteht Fundamentalismus eigentlich aus zwei Elementen: der Absolutsetzung eines Heiligen Buches und der Überzeugung, dass die dort gefundenen  Wahrheiten nicht verhandelbar, sondern inner- wie außerkirchlich notfalls mit politischen bzw. Machtmitteln durchgesetzt werden müssen (erinnert mich das nicht an eine andere große Weltreligion? welche war das bloß nochmal?).

Wenn man nun berücksichtigt, dass jedes noch so heilige Buch immer durch eine interpretierende Brille gelesen wird, die das Verständnis vorgibt (wobei die Interpreten regelmäßig ihre jeweilige Interpretation mit der Wahrheit selbst gleichsetzen), dann besteht Fundamentalismus letztlich in der Erlaubnis/Aufforderung, das eigene Weltbild bei günstiger Gelegenheit dem Rest der Welt aufzuzwingen.

Wundert sich da jemand noch über den nervigen Denk-, Argumentations- und Umgangsstil der entsprechenden Vertreter?

Ja, in der Tat, dagegen ist christlicher Widerstand geboten. Eigentlich müsste jeder, der Jesus ein bisschen kennt, schon über diesen humorlosen, verbissenen Denkstil den Kopf schütteln. Aber um es auch mal thetisch zu sagen: keiner von den vier Grundsätzen (auch der erste nicht, u.a. weil dabei nicht zwischen Gottes Wort und meinem Verständnis von Gottes Wort unterschieden wird) ist ein legitimer christlicher Grundsatz. Wir kriegen in den Medien Prügel für etwas, was uns andere Leute eingebrockt haben. Oder hat sich etwa irgendwer aus dem Volk Gottes auch daran beteiligt??

Sep 162007
 

Einige baten mich um den Text des Gebets, das ich heute im Gottesdienst im Anschluss an die Predigt vorgelesen habe. Ich bin da immer etwas zurückhaltend, weil ich finde, dass solche Texte gesprochen etwas ganz anderes sind, als wenn man sie später liest. Dennoch folgt hier das Gebet; es stammt von Richard Foster aus seinem Buch „Gottes Herz steht allen offen. Eine Einladung zum Gebet“ (S. 260f). DoSi hatte mich in seinem Blog wieder daran erinnert. Seiner Übersetzung folge ich hier im Wesentlichen:

In dem starken Namen Jesu Christi stehe ich gegen die Welt, das Fleisch und den Teufel. Ich widerstehe jeder Kraft, die mich von meinem Zentrum in Gott wegziehen will. Ich weise die verdrehten Konzepte und Gedanken zurück, die Sünde plausibel und wünschenswert erscheinen lassen. Ich stehe auf gegen jeden Versuch, der mich von umfassender Gemeinschaft mit Gott abhalten will.
In der Kraft des Heiligen Geistes spreche ich direkt zu den Gedanken, Emotionen und Sehnsüchten meines Herzens und gebiete euch, in der unendlichen Mannigfaltigkeit Gottes Zufriedenheit zu finden anstatt im faden Speiseplan der Sünde. Ich rufe das Gute, Wahre und Schöne in mir zum Aufstieg und das Böse zum Abklang. Ich bitte um ein Anwachsen in Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist.
In der Autorität des allmächtigen Gottes reiße ich die Festungen Satans in meinem Leben nieder, im Leben derer, die ich liebe und in der Gesellschaft, in der ich lebe. Ich ergreife die Waffen der Wahrheit, der Gerechtigkeit, des Friedens, der Rettung, des Wortes Gottes und des Gebets. Ich gebiete jedem Einfluß des Bösen zu gehen: ihr habt hier kein Recht und ich gewähre euch keinen Zutritt. Ich bitte um ein Anwachsen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, so daß ich durch die Kraft Gottes ein Licht auf dem Berg sein kann, das Wahrheit und Gerechtigkeit zum Blühen bringt. Dies bitte ich im Namen dessen, der mich geliebt und sich selbst für mich gegeben hat. Amen.

Jul 312007
 

Wir verbringen gerade unseren Urlaub in Berlin. Und, wie es so kommt, wohnen wir im Gemeindebezirk der Zionskirche, an der Dietrich Bonhoeffer 1931/32 Vikar war. Die Zionskirche wurde 1873 fertiggestellt, als Mittelpunkt eines neu entstehenden Wohnbezirks, in dem die Arbeiter der rasch wachsenden Berliner Industrie untergebracht wurden. Geldgeber waren vor allem die preußischen Könige – immer wenn nach einem Sieg wieder Geld zur Verfügung stand, konnte weitergebaut werden.
Zionskirche von Invalidenstraße aus
Um 1900 lebten im Gemeindebezirk ca. 100.000 Menschen. Sie wurden von vier Pfarrern betreut, die sonntags zwei Gottesdienste in der 1400 Menschen fassenden Kirche hielten. Verhältnisse, die man sich heute kaum noch vorstellen kann!

Zionskirche Eingang

Auch zu Bonhoeffers Zeit war es nicht einfacher geworden. Er schrieb damals einem Freund: „Das ist so ungefähr die tollste Gegend von Berlin mit den schwierigsten politischen und sozialen Verhältnissen.“ Seine Aufgabe war u.a. die Betreuung einer Konfirmandengruppe, die zuvor den unterrichtenden Pfarrer an den Rand seiner Nervenkraft gebracht hatte [so was wird dann an den Vikar delegiert, war aber in diesem Fall gut so]. Bonhoeffer schaffte es, diese Gruppe zu gewinnen: er verbrachte Freizeit mit ihnen, spielte ihnen Jazzplatten vor, die er aus Amerika mitgebracht hatte, stiftete schließlich für die Mittellosen unter ihnen Stoff für Konfirmationsanzüge. Er staunte darüber, wie diese Kinder, teilweise aus ganz verwahrlosten Verhältnissen, doch einen Zugang zum Glauben fanden. Der Kontakt zu manchen dieser Jungen hat bis in die Kriegszeit bestanden und hat für einige lebensprägende Bedeutung gehabt.

Man kann wirklich sagen: wo dieser Mann hinkam, hat er Gemeinschaft gestiftet. Hier in einer schwierigen Konfirmandengruppe, später im illegalen Predigerseminar Finkenwalde. Was wäre wohl geworden, wenn es keine Nationalsozialisten und keinen Kirchenkampf gegeben hätte und er stattdessen auf seine Art weiter Gemeindearbeit gemacht hätte? Mit der entsprechenden theologischen Auswertung, die bei ihm ja immer dazu gehörte. Aber das sind diese sinnlosen Fragen, die man nicht stellen soll.

An der Kirche findet sich heute ein Denkmal für Dietrich Bonhoeffer. Der Stadtteil ist nach der Wende größtenteils saniert worden, heute wohnen hier viele junge Leute, es gibt viele Kinder. Hier herrscht wirklich die Postmoderne. In unserer Ferienwohnung, sehr schön und genau passend für zwei Leute (zu dritt wird es schon etwas unpraktisch), könnte möglicherweise damals einer von Bonhoeffers Konfirmanden gewohnt haben. Aber dann natürlich als Teil einer (mindestens) siebenköpfigen Familie oder so.

Bonhoeffer-Denkmal

Jun 182007
 

Über Peter Aschoff stieß ich auf einen Post von Jason Clark, der im Anschluss an ein Buch von Tobias Jones darüber nachdenkt, wie authentische christliche Gemeinschaft zustande kommt. Tobias Jones hat verschiedene Gemeinschaften besucht und studiert, um herauszufinden, wie sie funktionieren. Ich glaube, dass hier sehr wichtige Regeln formuliert sind. Weil wir sie nicht beachten, deshalb gibt es so wenig gelingende tiefe Gemeinschaft, unter Christen und darüber hinaus. Jason Clark hat die Ergebnisse, zu denen Tobias Jones gekommen ist, mit Blick auf die Gemeinde überarbeitet und in acht Punkten zusammengefasst, die ich hier übersetze:

  1. „Gemeinschaft“ als Nebenprodukt
    Sich unter dem Motto „wir wollen Gemeinschaft“ zu treffen, ist eine Einbildung und illusionär. Wir müssen unsere Aufmerksamkeit gerade auf etwas anders richten als auf „Gemeinschaft“. Gemeinschaft entsteht als Nebenprodukt, wenn man gemeinsam etwas Wichtiges tut.
  2. Bedürftigkeit
    Gemeinschaft entsteht, wenn man andere wirklich braucht. In einer Konsumgesellschaft brauchen wir die anderen aber nicht wirklich. „Konsumgesellschaft“ bedeutet, dass wir alles kaufen können. Wir kommen deshalb jetzt auch ohne einander aus. Nur wenn wir die anderen brauchen, werden wir uns an sie verschenken. [und das bedeutet: wir müssen es so einrichten, dass wir andere brauchen, und dass uns das auch klar ist – d. Übers.]
  3. Verzicht auf Wahlfreiheit
    Gemeinschaft kann nicht entstehen, wenn du dir die Möglichkeit zum Rückzug offen lässt. Der Weg zur Gemeinschaft führt über den Abschied von der Wahlfreiheit und über endgültige Festlegungen. Viel zu viele von uns bilden sich ein, irgendwann käme noch etwas Besseres. In der Zwischenzeit binden sie sich nicht. Diese Konsumentenmentalität führt dazu, dass wir keine echten Verbindlichkeiten betreffend Wohnort, Beziehungen oder Arbeitsplatz eingehen.
    Das verhindert Gemeinschaft.
  4. Offen und doch klar ausgerichtet
    Gemeinschaft wird möglich, wenn wir einerseits offen für andere sind, so dass ein Prozess von Lernen und Wachstum beginnt; und dabei andererseits doch ganz auf unseren Auftrag und unsere Kernüberzeugungen konzentriert.
  5. Eindeutige Regeln
    Es ist notwendig, klar zu wissen, was man gemeinsam glaubt und gemeinsam tut. Zu sagen „sei, was du gern sein möchtest, und dann komm und spiel Gemeinschaft“, funktioniert nicht. Gemeinschaften entstehen dadurch, dass man gemeinsam festlegt und umsetzt, welche Glaubensüberzeugungen, welcher Auftrag und welche Grundwerte gelten sollen.
  6. Keine Oberflächenkosmetik
    Dauernd „Gemeinschaft“ zu fordern, produziert keine Gemeinschaft. Und die Gemeinschaft an der Oberfläche herauszuputzen nützt auch nichts, wenn man diese anderen Punkte nicht beachtet. Gemeinschaft besteht darin, dass man das Leben samt all seinem Chaos gemeinsam anpackt.
  7. Leitung und Hierarchie
    Gemeinschaft entsteht, wenn man bereit ist, sich von anderen leiten zu lassen; wenn man lernt, auf sein Recht zur jederzeitigen Selbstbestimmung zu verzichten. Zu viel Hierarchie zerstört die Gemeinschaft, zu wenig auch. Wir brauchen Berater, Mentoren, Trainer und Jüngerschaftsausbilder.
  8. Gemeinsame Aufgaben
    Gemeinsame Arbeit, besonders körperliche Arbeit, und gemeinsamer Dienst schaffen Gemeinschaft. Man kann es lernen aus der Geschichte – vom Heiligen Benedikt bis zu Simone Weil.

Kommentar:
Eine durchgehende Stoßrichtung: Gemeinschaft wird durch eine liberale Mentalität verhindert. Ohne Verbindlichkeit geht es nicht. Wir werden die Scheinrealität der Medien und Events nur überwinden, wenn wir uns mit Überzeugung konkreten Menschen, Gruppen und Gemeinschaften verpflichten. Und die werden nur gesund bleiben, wenn sie Zwecke außerhalb ihrer selbst haben. Oder wie Jesus sagt: Wer sein Leben sucht, wird es verlieren. Wer es um meiner und des Eavngeliums willen verliert, wird es finden.
Übrigens: Natürlich kann man da jetzt wieder ein sowohl-als-auch draus machen: Dienst nach außen, klar, aber wir selbst brauchen doch auch etwas für uns, die berühmte Tankstelle zum „Auftanken“. Natürlich ist das irgendwie richtig. Faktisch heißt das aber, das der von Jones formulierten harten Einsicht die Zähne gezogen werden. Manchmal muss man einseitig sein.

Apr 272007
 

Haso beschreibt Jesus als jemanden, der uns ermutigt, auch in der Bibelauslegung auf unser eigenes Herz zu hören.
Er endet: „In welcher bibeltreuen Gemeinde oder an welcher theologischen Ausbildungsstätte käme Jesus mit dieser Hermeneutik durch?“
Interessant zu bedenken!