Mai 272015
 

Vor einiger Zeit habe ich auf dem Blog von Emergent Deutschland eine Serie von fünf Posts über den „Abschied vom bürgerlichen Christentum“ geschrieben.

Ich habe dort beschrieben, unter welchen sehr speziellen Bedingungen das westliche Christentum in den zwei bis drei Jahrhunderten der bürgerlichen, europäischen Moderne überlebt hat, und welche Spuren das in ihm hinterlassen hat. Natürlich ist das Ganze nicht nur Beschreibung und Analyse, sondern hat auch eine Pespektive im Sinn.

Inzwischen habe ich die Texte auch zu einem gemeinsamen Dokument zusammengefasst, es kann hier heruntergeladen werden.

Mai 242015
 

Predigt am 24. Mai 2015 (Pfingstsonntag) zu Apostelgeschichte 2,1-18

1 Schließlich kam das Pfingstfest. Auch an diesem Tag waren sie alle wieder am selben Ort versammelt. 2 Plötzlich setzte vom Himmel her ein Rauschen ein wie von einem gewaltigen Sturm; das ganze Haus, in dem sie sich befanden, war von diesem Brausen erfüllt. 3 Gleichzeitig sahen sie so etwas wie Flammenzungen, die sich verteilten und sich auf jeden Einzelnen von ihnen niederließen. 4 Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt, und sie begannen, in fremden Sprachen zu reden; jeder sprach so, wie der Geist es ihm eingab.
5 ´Wegen des Pfingstfestes` hielten sich damals fromme Juden aus aller Welt in Jerusalem auf. 6 Als nun jenes mächtige Brausen vom Himmel einsetzte, strömten sie in Scharen zusammen. Sie waren zutiefst verwirrt, denn jeder hörte die Apostel und die, die bei ihnen waren, in seiner eigenen Sprache reden.
7 Fassungslos riefen sie: »Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden? 8 Wie kommt es dann, dass jeder von uns sie in seiner Muttersprache reden hört? 9 Wir sind Parther, Meder und Elamiter; wir kommen aus Mesopotamien und aus Judäa, aus Kappadozien, aus Pontus und aus der Provinz Asien, 10 aus Phrygien und Pamphylien, aus Ägypten und aus der Gegend von Zyrene in Libyen. Sogar aus Rom sind Besucher hier, 11 sowohl solche, die von Geburt Juden sind, als auch Nichtjuden, die den jüdischen Glauben angenommen haben. Auch Kreter und Araber befinden sich unter uns. Und wir alle hören sie in unseren eigenen Sprachen von den wunderbaren Dingen reden, die Gott getan hat!«
12 Alle waren außer sich vor Staunen. »Was hat das zu bedeuten?«, fragte einer den anderen, aber keiner hatte eine Erklärung dafür. 13 Es gab allerdings auch einige, die sich darüber lustig machten. »Die haben zu viel süßen Wein getrunken!«, spotteten sie.
14 Jetzt trat Petrus zusammen mit den elf anderen Aposteln vor die Menge. Mit lauter Stimme erklärte er: »Ihr Leute von Judäa und ihr alle, die ihr zur Zeit hier in Jerusalem seid! Ich habe euch etwas zu sagen, was ihr unbedingt wissen müsst. Hört mir zu! 15 Diese Leute hier sind nicht betrunken, wie ihr vermutet. Es ist ja erst neun Uhr morgens. 16 Nein, was hier geschieht, ist nichts anderes als die Erfüllung dessen, was Gott durch den Propheten Joel angekündigt hat.
17 ›Am Ende der Zeit‹, so sagt Gott, ›werde ich meinen Geist über alle Menschen ausgießen. Dann werden eure Söhne und eure Töchter prophetisch reden; die Jüngeren unter euch werden Visionen haben und die Älteren prophetische Träume. 18 Sogar über die Diener und Dienerinnen, die an mich glauben, werde ich in jener Zeit meinen Geist ausgießen, und auch sie werden prophetisch reden.

Diese Geschichte möchte erklären, wie es dazu kam, dass eine überschaubare Gruppe von Männern und Frauen zu einer Bewegung wurde, die es schaffte, der Weltgeschichte eine neue Wendung zu geben, deren Konsequenzen wir bis heute nicht voll überblicken. Und sie schafften das, obwohl sie eine eingeschüchterte Minderheit waren, ohne offizielle Anerkennung, nicht besonders gut gebildet, Angehörige eines unterworfenen und ausgebeuteten Volkes, ein bunter Querschnitt der einfachen Bevölkerung.

Eine Geschichte, die der Erklärung harrt

Innerhalb von drei Jahrhunderten schaffte es diese Bewegung, die gewaltigste Machtmaschine, die die Welt bis dahin gekannt hatte, erfolgreich zu unterwandern und von innen her zu durchdringen: das römische Imperium. Es gibt ja viele Leute, die nicht glauben mögen, dass Jesus Wunder getan hat oder auferstanden ist oder überhaupt gelebt hat, oder die den Heiligen Geist für die Einbildung der Jünger halten, aber wer so denkt, verschiebt sein Problem nur, denn dann braucht er eine plausible Erklärung für diesen unglaublichen Aufstieg des Christentums.

Und diese unaufhaltsame Ausbreitung des christlichen Glaubens geschah gerade nicht durch viel Geld, denn das hatten sie damals gar nicht, es passierte auch nicht durch finstere Machenschaften der päpstlichen Kurie, denn die gab es damals noch nicht, sondern es geschah durch ganz normale Menschen wie dich und mich, Arbeiter, Sklaven, ein paar Gebildete und Wohlhabende waren auch dabei, eine bunte Mischung durchschnittlicher Leute.

Ein geplanter Brandherd

Aber sie waren durch Jesus drei Jahre lang vorbereitet worden, sie hatten die tiefe Depression nach seinem Tod durchgemacht, ebenso wie die unglaubliche Freude, dass er auferstanden war und ihre Geschichte mit ihm weiterging, sie hatten schließlich miterlebt, wie er wieder auf die verborgene Seite der Welt wechselte, in Gottes Himmel, und jetzt war sozusagen alles bereit, sie waren wie ein Haufen trockenes Holz, das über längere Zeit zusammengetragen worden ist, und zu Pfingsten hält Gott sein Streichholz daran, und der Haufen flammt auf.

Wenn man genau hinschaut, dann sieht man, dass Gott schon sehr lange geduldig diesen Brennstoff vorbereitet hat. Der Heilige Geist kam zu den Jüngern am Schawuot-Fest, dem jüdischen Wochenfest. Das ist einmal eine Art Erntedank-Fest, wo man in Israel schon die ersten Früchte der Getreideernte darbrachte und Gott um gutes Gelingen der ganzen Ernte bat. Und es ist gleichzeitig eine Erinnerung an die Gesetzgebung vom Sinai. Kreuzigung und Auferstehung Jesu geschahen ja beim Passafest, wo man die Befreiung aus der ägyptischen Sklaverei feierte. Und nun 50 Tage später die Erinnerung an den Moment, wo die Befreiten am Berg Sinai von Gott die Lebensordnung eines freien Volkes bekamen.

Von langer Hand vorbereitet

Sehen Sie, wie sich das Muster da wiederholt? Zuerst die Befreiung aus Unterdrückung und Tod, und dann die neue Lebensordnung für ein freies Volk. Der Heilige Geist ist die Energie, mit der der Sieg über Tod und Zerstörung, den Jesus errungen hat, nun in das Leben der Nachfolger Jesu transformiert wird. Und das geschieht mit dem Paukenschlag, dass der Fluch der unterschiedlichen Sprachen überwunden wird.

Wir kennen, denke ich, alle die Geschichte vom Turmbau zu Babel, wo die Verwirrung der menschlichen Kommunikation begonnen hat. Was uns nicht so präsent ist, das ist die gleich darauf folgende Geschichte von der Berufung Abrahams. Gott verspricht ihm, dass er ihn zu einem großen Volk macht, durch das der Segen Abrahams zu allen Völkern kommt. Da geht dann die Geschichte des jüdischen Volkes los. Über viele Wendungen, Wege und Umwege kommt dieser Weg schließlich bei Jesus an. Und jetzt, wo die ganze Jesusgeschichte abgeschlossen ist, da wird auch der Fluch von Babel überwunden. Der lange Spezialweg von Abraham und seiner Familie ist ans Ziel gekommen, und jetzt breitet sich das wieder über die ganze Welt aus. Und diese bunte Mischung von Völkern und Weltgegenden, die da aufgezählt werden, und die allen, die das vorlesen müssen, immer so viel Mühe machen, die steht schon für die beginnende weltweite Ausbreitung von Gottes Volk.

So tief reichen die Wurzeln der Pfingstgeschichte hinab in den Ursprung des Gottesvolkes. Und dann kommt das Fest der ersten Feldfrüchte, und da zeigen sich die ersten Menschen, in deren Leben die neue Welt anbricht. Und so wie die Erstlingsfrüchte ein Zeichen für die ganze Ernte sind, so sind diese ersten vom Heiligen Geist erfüllten Jünger Jesu das Zeichen dafür, dass Gott jetzt beginnt, die Ernte der ganzen Welt einzufahren. Diese Menschen hatte er im Sinn, als er die Welt schuf, die waren sein Ziel, als er das Leben auf der Erde säte.

Gottes aktueller Wille

Er hat sie durch Jesus aus der Knechtschaft der Todesmächte befreit, und jetzt gibt er ihnen die Lebensordnung, in der sie verbunden sein sollen, nämlich die Gegenwart des Heiligen Geistes. »Heiliger Geist« bedeutet ein lebendiges Gespür für Gottes Absichten und seine Wege. Das geht noch über die Offenbarung von Gottes Willen am Sinai hinaus. So sinnvoll und richtig die Gebote sind, ein lebendiges Gespür für Gottes aktuellen Willen ist mehr. Das hat es Jesus erlaubt, mit den alten Geboten kreativ umzugehen und das in ihnen verborgene Feuer zu hellem Glanz zu bringen. Und vorhin in der Lesung haben wir gehört (Johannes 14,26), dass Jesus es dem Heiligen Geist überlässt, uns die ganze Fülle der Wahrheit aufzuschließen, die er gebracht hat. Sogar seine eigenen Worte kommen erst durch den Heiligen Geist zu ihrer ganzen Fülle.

Was es konkret heißt, seine Feinde zu lieben, nach Gerechtigkeit zu hungern und zu dürsten und ein Friedenstifter zu sein, das ist nicht ein für allemal klar. Das muss man immer wieder herausfinden, man muss es sich zeigen lassen, man muss sich auf den Weg machen, und unterwegs wird sich herausstellen, wie das aussieht. Man weiß das vorher nicht. Wir können nur darauf vertrauen, dass der Geist es uns zeigen wird, wenn wir ihn hören wollen.

Oft unauffällig, aber nicht zu übersehen

Und das wird manchmal aufsehenerregende Folgen haben wie damals beim Schawuot-Fest in Jerusalem, und manchmal wird es für Außenstehende nur gelegentlich sichtbar werden. Damals haben sich die Gemeinden meistens unauffällig in den Nischen des Imperiums ausgebreitet, da, wo keiner groß hinschaute. Aber immer mal wieder haben die Menschen auch gemerkt, dass sich da etwas ausbreitete, das sie nicht verstanden. Sie hatten einfach keine Schublade, in das sie das einordnen konnten, und machten sich ihren eigenen Reim darauf. So wie einigen für die Begleiterscheinungen des Heiligen Geistes am Pfingsttag keine bessere Erklärung einfiel als ein kräftiger Rausch. Manche Leute müssen eben immer an Alkohol denken.

Und es sieht für den durchschnittlichen Betrachter immer ein wenig verrückt aus, wenn Gottes Geist in Aktion ist. Es ist eine andere Logik dahinter als die normalen Selbstverständlichkeiten der Gesellschaft. Menschen gehen dann scheinbar unnötige Risiken ein, oder ihnen sind andere Dinge wichtig; sie können Heilung bringen für Verwerfungen, die die Gesellschaft sonst irgendwo tief im Keller weggeschlossen hat. Sie bringen Frieden, wo die anderen unlösbare Konflikte sehen und sie beharren auf Problemen, die sonst niemand sehen will. Und immer tragen sie in sich den Kompass des Heiligen Geistes, der ihnen auch in unübersichtlichen Lagen den Weg zeigt. Es gibt schon genug Gelegenheiten, wo man auf diese Gemeinschaft des Heiligen Geistes aufmerksam werden kann.

Aber wer sich davon nicht von seinem Weg abbringen lassen will, der hat die Wahl, das Ganze zu ignorieren, es falsch zu verstehen oder es zu bekämpfen. Und all das passiert, immer wieder. Deshalb gibt es auch immer wieder die Zeiten, wo das trockene Holz erst gesammelt und aufgehäuft wird. Wir selbst sind ja auch Leute, die sich nicht unbedingt in ihrem Lebenskonzept stören lassen wollen. Da muss erst einiges zusammen kommen, bis wir reif sind für das göttliche Streichholz.

Hoffnungsvolle Außenseiter

Die Jünger und Jüngerinnen damals in Jerusalem waren nach der Himmelfahrt Jesu 10 Tage beieinander und warteten auf ihn. Können Sie sich vorstellen, dass das heute Menschen tun? Sich 10 Tage ausstrecken nach etwas, was man noch nie erlebt hat? Nicht zwischendurch zur Arbeit gehen oder die Küche renovieren oder Besuche machen oder was auch immer an wichtigen und guten Dingen sich aufdrängt?

Aber sie waren sich sicher, dass Gott durch sie etwas tun würde, nicht durch die Priester, die Gelehrten oder die Terroristen. Können Sie sich vorstellen, dass Menschen so viel Hoffnung mit einer Gruppe verbinden, zu der nur sie selbst und ein paar andere ähnliche Menschen gehören – eine Gruppe ohne offiziellen Namen, ohne Geld, ohne Werbung, ohne Dachorganisation, nur in einem Privathaus, angewiesen allein auf die persönliche Kraft, die sich unter ihnen entfaltet – oder vielleicht auch nicht entfaltet?

So blieben sie beieinander, auch als das Fest begann und draußen das Leben tobte. Spätestens der Tod Jesu hatte sie entwurzelt, hatte sie an den Rand der Gesellschaft verpflanzt. Sie konnten nicht mehr einfach mit allen anderen zusammen feiern, die noch vor ein paar Wochen geschrien hatten »Kreuzige ihn!«. Sie waren sozusagen heimatlos geworden in ihrer Gesellschaft, es war ihnen alles fraglich geworden. Können Sie sich vorstellen, dass Menschen sich freiwillig in so eine Position am Rande der Gesellschaft begeben, sich verabschieden von all den großen Dingen, hinter denen sonst alle her sind? Und erwarten, dass gerade da etwas Unvergleichliches passieren wird, was den Lauf der Geschichte ändert? Aber nur wer anders ist, kann neue Wege gehen, die am Ende alle weiterbringen.

Vor Überraschungen ist keiner sicher

Verstehen Sie: da muss erst einiges zusammen kommen bis das göttliche Feuer fallen kann. Deshalb ist es oft zu denen gekommen, die sowieso schon irgendwie am Rande der Gesellschaft standen. Die nicht mehr viel zu verlieren hatten.

Aber Gott lässt überall seine verführerische Stimme hören, und manchmal überfällt er uns, wenn es keiner erwartet. Niemand ist davor sicher. Hinterher haben es alle immer kommen sehen, aber vorher hat es kaum einer geahnt. Deshalb: es ist richtig, in Erwartung zu leben und auf die Stimme des Windes und des Feuers zu lauschen. Es ist richtig, die Sehnsucht lebendig zu halten. Wir wissen nie, ob wir in Zeiten des Holzsammelns oder in Zeiten der hellen Flamme hineingehen. Ausschau zu halten nach dem guten Geist Gottes ist immer richtig. Egal, ob wir es mit der schwachen Glut zu tun bekommen oder mit der hellen Flamme: wir haben immer Anteil am ganzen Weg Gottes durch seine Welt, und wir sollen auf der Wegstrecke, die uns zugewiesen ist, mutig vorangehen.

Mai 172015
 

Predigt am 17. Mai 2015 zu Epheser 3,14-21

14 ´Noch einmal: Wenn ich mir das alles vor Augen halte, ´kann ich nicht anders, als anbetend` vor dem Vater niederzuknien. 15 Er, dem jede Familie im Himmel und auf der Erde ihr Dasein verdankt 16 und der unerschöpflich reich ist an Macht und Herrlichkeit, gebe euch durch seinen Geist innere Kraft und Stärke.
17 ´Es ist mein Gebet,` dass Christus aufgrund des Glaubens in euren Herzen wohnt und dass euer Leben in der Liebe verwurzelt und auf das Fundament der Liebe gegründet ist. 18 Das wird euch dazu befähigen, zusammen mit allen anderen, die zu Gottes heiligem Volk gehören, die Liebe Christi in allen ihren Dimensionen zu erfassen – in ihrer Breite, in ihrer Länge, in ihrer Höhe und in ihrer Tiefe. 19 Ja, ´ich bete darum,` dass ihr seine Liebe versteht, die doch weit über alles Verstehen hinausreicht, und dass ihr auf diese Weise mehr und mehr mit der ganzen Fülle des Lebens erfüllt werdet, das bei Gott zu finden ist.
20 Ihm, der mit seiner ´unerschöpflichen` Kraft in uns am Werk ist und unendlich viel mehr zu tun vermag, als wir erbitten oder begreifen können, 21 ihm gebührt durch Jesus Christus die Ehre in der Gemeinde von Generation zu Generation und für immer und ewig. Amen.

Diese Verse sind der Abschluss eines umfangreichen Abschnitts, in der Paulus den langen Weg nachzeichnet, den Gott geht, um seine Welt zurückzuholen, wie den verlorenen Sohn ins Vaterhaus. Diese Verse müssen für Übersetzer ein Albtraum sein, weil die Satzkonstruktionen sich abenteuerlich dehnen, so dass man eigentlich zwischendurch gar nicht weiß, wo der Satz noch mal enden soll, weil Paulus immer noch mal was Neues dazu einfällt, was ihm wichtig ist, um es anzufügen oder noch mit einzuschieben, was ihm an Gott ganz besonders auffällt und was er bewundert an ihm, wie ja der Horizont sich immer weitet, wenn man Gottes Werk bedenkt, und es ist dann nur angemessen, wenn aus der Betrachtung ein Lobpreis der Güte Gottes wird, und so geht es Paulus nicht nur hier, sondern auch in anderen Briefen.

So, wissen Sie noch, womit dieser letzte Satz anfing? Damit, dass das für Übersetzer ein Alptraum sein muss, solche verschachtelten Sätze in eine andere Sprache zu übertragen. Ich habe gerade mal versucht, diesen Satzbau nachzumachen, wo man von einem zum anderen kommt, und am Ende gerät alles außer Kontrolle, aber man weiß ungefähr, was wohl gemeint ist. Und ich war dabei noch übersichtlicher als Paulus.

Eine ziemlich komplizierte Welt

Bild: geralt via pixabay, Lizenz: creative commons CC0

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Paulus schreibt so, weil es der Realität angemessen ist. Gott handelt tatsächlich so kompliziert. Die Welt ist nicht einfach gebaut, sondern sie ist ein unglaublich komplexes Knäuel von Zusammenhängen, und wenn wir sie betrachten, dann reduzieren wir sie immer auf ein paar einfache Sätze. Anders geht es gar nicht. Aber dabei dürfen wir nicht vergessen: in Wirklichkeit ist alles immer noch viel komplizierter. Und wenn Gott sich aufmacht, um seine Welt zurück zu gewinnen, dann kommt dadurch noch ein ganz entscheidender Faktor dazu. Ja, das ist sogar der zentrale Aspekt, um die Welt zu verstehen: dass Gott einen langen Weg mit vielen Umwegen und Wendungen geht, um seine Schöpfung zu ihrer ursprünglichen Bestimmung zurück zu holen. Wenn er sagen würde: oh Mist, das ist daneben gegangen, stampf ich die Welt halt wieder ein und mach eine neue, das wäre einfacher.

Stattdessen bleibt er dabei, dass diese Welt eine gute Schöpfung ist, und gleichzeitig ist sie aus dem Ruder gelaufen. Er hat uns Menschen fast so mächtig wie Götter geschaffen, und gleichzeitig sind wir voller Angst und Zweifel und fühlen uns nicht wohl in unserer Haut. Wenn du einfachere Formeln haben willst, dann denk übers Holzhacken nach, obwohl das auch nicht so einfach ist.

In den Versen vorher hat Paulus davon gesprochen, was für ein Wunder es ist, dass die heidnischen Völker jetzt mit Israel zusammen Zugang zu Gott haben. Für uns ist das vielleicht eher selbstverständlich, wir gehören zu einer Abteilung des Christentums, in dem es wenig Juden gibt. Wir müssen eher verstehen, was für ein Wunder es ist, dass es überhaupt ein Volk Gottes gibt.

Der lange Weg zum Volk Gottes

Wenn man die lange Geschichte Israels von Abraham an betrachtet, dann sieht man erst, wie Gott über viele Generationen hart daran gearbeitet hat, ein Volk zu schaffen, das anders ist als andere. Nicht unbedingt besser, aber ein Volk, in dessen Seele es eingeschrieben ist, zu einem ganz besonderen Gott zu gehören und zu einer ganz besonderen Mission berufen zu sein.

Wenn wir aus unserer heutigen Sicht auf diesen Weg schauen, wie er in der Bibel beschrieben ist, dann erscheint uns das als eine merkwürdige Mischung. Einerseits sehr vernünftige Regeln wie die zehn Gebote zum Beispiel, wo man sagen kann: ja, das sind wirklich die Grundlagen für das menschliche Zusammenleben. Und andererseits so komische Regeln, dass man kein Schweinefleisch essen soll, dass man nicht zwei verschiedene Arten von Fasern zu einem Tuch verweben soll, und welches Gewand die Priester tragen sollen. Einerseits die einmalige, gelungene Befreiung der ägyptischen Sklaven und andererseits Kriege und blutiges Gemetzel.

Aber selbst in den zehn Geboten gibt es welche, die nicht einfach nur vernünftig sind: z.B. der Feiertag, der Sabbat, den man halten soll. Warum ist das jeder siebte Tag? Warum nicht jeder zehnte oder jeder Fünfte? Und an der Spitze natürlich: ich bin der Herr dein Gott, der dich aus Ägypten befreit hat – neben mir sollst du keine anderen Götter haben. Warum hat Gott gerade dieses eine Volk befreit, wo es doch damals und heute jede Menge unterdrückter Menschen gab?

Eine folgenschwere Entscheidung

Vielleicht sind das nicht präzise die Fragen, mit denen sich Paulus herumgeschlagen hat, aber von diesem Kaliber werden sie gewesen sein. Immerhin saß er im Gefängnis, als er den Brief schrieb, da hat man viel Zeit zum Nachdenken, und das sind nicht nur schöne Gedanken. Und das alles gibt tatsächlich nur dann einen Sinn, wenn man versteht, wie mühsam das für Gott war, nach und nach eine Gruppe von Menschen herauszubilden, die von ihm her dachte und lebte. Ein Volk, durch das er hier in der Welt zum Zuge kommt. Denn Gott hat ja den Menschen die Herrschaft in der Welt übertragen, und das kann er auch dann nicht einfach wieder rückgängig machen, wenn Menschen das falsch verstehen und diese Herren der Schöpfung nur Chaos und Zerstörung anrichten.

Das ist eine Grundregel dieses Spiels: Gott kommt nicht an den Menschen vorbei, wenn er in der Welt etwas bewirken will. Ja, er ist Gott, er ist uns nicht unterworfen, er kennt die Welt und ihre Zusammenhänge viel besser als wir. Wir können ihm keine Bedingungen stellen. Aber dennoch kann er hier nichts ohne Menschen tun. Er hat Menschen den Schlüssel zu seiner Schöpfung anvertraut und hat selbst keinen Zweitschlüssel behalten. Deswegen kann er nur mit Menschen zusammen die Welt beeinflussen. Und dazu braucht er ein Volk und weil es das nicht gibt, muss es erst erschaffen.

Die Herausbildung der Alternative

Nur so kann man die Geschichte Israels wirklich verstehen: dass es überhaupt erstmal darum ging ein Volk zu schaffen, das anders ist. Wie lange haben die sich dagegen gewehrt, anders zu sein als die anderen Völker. Kaum waren sie aus Ägypten befreit, da wollten sie am liebsten wieder zurück. Und als sie in ihrem Land waren, da wollten sie möglichst so sein wie die Völker, die da schon lebten. Sie wollten einen König haben wie alle anderen Völker. Sie führten Kriege wie alle anderen und sie hatten ein Herrschaftssystem wie alle anderen. Aber immer wieder wurde unter ihnen die störende Erinnerung laut: bei euch soll es anders sein als bei anderen. Ihr seid das Volk Gottes. Und er wird euch ganz anders zur Verantwortung ziehen als andere Völker.

Und dann landeten sie nach einer schrecklichen Katastrophe in der babylonischen Gefangenschaft und paradoxer Weise begannen sie erst dort, wirklich ihren Auftrag anzunehmen. Sie erlebten, wie Gott ihnen Orientierung gab, eine Identität, die sie davor bewahrte, sich aufzulösen im großen Völkermischmasch. Ihr Gesetz gab ihnen Halt, und sie wollten jetzt auch das Volk Gottes. Aber die meiste Zeit blieben sie eine Provinz irgendeines antiken Großreiches und erlebten hautnah das Joch von Unterdrückung und Gewalt, jetzt aber immer mit dem kritischen Kommentar: so hat Gott das doch nie gewollt!

Eine neue Art zu denken

Wenn Menschen heute bei irgendeinem himmelschreienden Unglück fragen: wie kann Gott das zulassen?, dann können sie das nur, weil Gott hartnäckig und mühsam in Israel das Wissen verankert hat, dass die Welt eigentlich anders sein sollte. Natürlich haben die Menschen immer und überall darunter gelitten, dass Könige Krieg führten und ihre Völker unterdrückten, aber so war eben die Welt. Das einzige, was man tun konnte, war: versuchen, zu den Siegern zu gehören.

Nur in Israel gab es diese Idee, dass es nicht so sein soll, und dass Gott dagegen etwas tun wird. Die Frage blieb offen, wie er das tun würde. Aber immerhin gab es diese Frage. Die anderen Völker hatten noch nicht mal die. Und deswegen kam die Antwort auf diese Frage auch in Israel, nämlich Jesus und sein Weg. Nur auf dem Hintergrund dieses langen Weges Gottes mit Israel kann man Jesus überhaupt verstehen: jetzt ist endlich der Mensch da, der Gottes Plan nicht zufällig, widerwillig und ahnungslos voran bringt, sondern aus ganzen Herzen, im Sinn des Urhebers und in tiefer Verbindung mit ihm. Diesem Menschen, Jesus, kann Gott bedenkenlos den Schlüssel zur Welt anvertrauen.

Kommando zurück!

Und dann kommt der nächste Schritt, den Paulus hautnah miterlebt hat, voller Staunen und Bewunderung: jetzt dürfen auch die anderen Völker mit dazu. Jahrhundertelang hat Gott daran gearbeitet, sein Volk von den anderen Völkern abzugrenzen, überhaupt erst eine Schutzmauer zu schaffen, hinter der sich das Pilotprojekt Israel entwickeln konnte. Und dann kommt der Wendepunkt, Jesus, und es heißt: Kommando zurück, jetzt dürfen auch die anderen dazu kommen. Wie schwer ist das wohl: erst mühsam lernen, dass man anders ist, und als sie das verstanden haben, da heißt es auf einmal: jetzt brauchen wir nicht mehr diese vorläufigen Unterscheidungsregeln, jetzt geht es nicht mehr um Schweinefleisch und Sabbatregeln, obwohl die auch nicht schlecht sind, aber jetzt geht es um die Art von Liebe, die mit Jesus ans Licht gekommen ist. Jetzt wissen wir endlich, was Gott die ganze Zeit im Sinn gehabt hat. Jetzt ist das Geheimnis enthüllt. Jetzt kann man die meisten Puzzleteile einordnen. Es bleiben noch genug Rätsel, aber wir kennen wenigstens das große Bild.

Wer die weitere Kirchen- und Theologiegeschichte studiert, der merkt: es gibt jede Menge Möglichkeiten auch das große Bild zu verwirren, und alle sind auch irgendwann mal genutzt worden. Und wenn ich noch doppelt so lange predigen könnte, dann würde ich jetzt auch einiges zu Irrwegen und Sackgassen der Christenheit sagen, da hat es genauso viel Komplikationen gegeben wie in Israel. Und auch da würden wir immer wieder auf das Phänomen stoßen, dass Gott auch die Irrtümer und Einseitigkeiten seiner Leute einbaut in seinen Weg und sein Projekt trotz allem voranbringt.

Erstmal zuhören und staunen!

Stattdessen möchte ich jetzt daran erinnern, dass Paulus dies alles als Gebet formuliert. Er meditiert Gottes Handeln und staunt und dankt und ist voller Bewunderung. Ich glaube, das ist die angemessene Haltung. Wer betrachtet und betet, der bleibt offen für die Überraschungen, die noch kommen. Gott hat kein Schema F, nach dem er vorgeht, er überrascht uns immer wieder, und erst im Nachhinein enthüllt sich manchmal, wie er auch menschliche Irrwege und Einseitigkeiten genutzt hat. Auch wenn er natürlich lieber mit unseren Klarheiten zusammenarbeitet als mit unseren Irrwegen.

Feste Muster vergehen

Es wäre einfacher, wenn man eine klare Regel hätte, wie Gott unter Menschen handelt. Meinetwegen mit ein paar Varianten und Spezialfällen, aber doch eine Regel nach dem Muster der Naturgesetze, die fast immer gelten. Aber solche Prinzipien gibt es bei Gott nicht. Man kann Gottes Handeln nur meditieren, auf ihn hören, und dann wird man das, was man braucht, auch erfahren. Prinzipien und Regeln sind Werkzeuge in Gottes Hand; er benutzt sie eine Zeit lang und legt sie wieder weg und schafft Neues.

Wenn Gott einmal nach dem einen Muster gehandelt hat, heißt das noch längst nicht, dass er es immer so machen müsste. Er bleibt keinem festen Muster treu, sondern sich selbst. Deswegen ist seine ultimative Gabe kein Regelwerk, kein Gesetz, sondern sein Geist. Wenn wir ein Leben lang auf ihn hören und immer noch für neue Wege offen sind, dann werden sie sich uns erschließen.

Und am Ende werden wir zurückschauen und sagen: dass ich hier landen würde, dass es darauf hinaus läuft, darauf wären wir am Start wirklich nicht gekommen. Aber du hast es gut gemacht. Du hast unsere Wege unvorhersehbar richtig gestaltet, und das trauen wir dir jetzt auch für die Zukunft zu.

Mai 102015
 

Besonderer Gottesdienst (Segnungsgottesdienst) am 10. Mai 2015 mit Predigt zu Lukas 7,36-50

2015-05-10Segensgd730

In diesem Gottesdienst konnte man sich an Stationen in der Kirche segnen lassen; es gab auch Karten mit Segensworten und die Gelegenheit, Gebete aufzuschreiben und eine Kerze anzuzünden.

36 Jesus ging in das Haus eines Pharisäers, der ihn zum Essen eingeladen hatte, und legte sich zu Tisch. 37 Als nun eine Sünderin, die in der Stadt lebte, erfuhr, dass er im Haus des Pharisäers bei Tisch war, kam sie mit einem Alabastergefäß voll wohlriechendem Öl 38 und trat von hinten an ihn heran. Dabei weinte sie und ihre Tränen fielen auf seine Füße. Sie trocknete seine Füße mit ihrem Haar, küsste sie und salbte sie mit dem Öl.

39 Als der Pharisäer, der ihn eingeladen hatte, das sah, dachte er: Wenn er wirklich ein Prophet wäre, müsste er wissen, was das für eine Frau ist, von der er sich berühren lässt; er wüsste, dass sie eine Sünderin ist. 40 Da wandte sich Jesus an ihn und sagte: Simon, ich möchte dir etwas sagen. Er erwiderte: Sprich, Meister! 41 (Jesus sagte:) Ein Geldverleiher hatte zwei Schuldner; der eine war ihm fünfhundert Denare schuldig, der andere fünfzig. 42 Als sie ihre Schulden nicht bezahlen konnten, erließ er sie beiden. Wer von ihnen wird ihn nun mehr lieben? 43 Simon antwortete: Ich nehme an, der, dem er mehr erlassen hat. Jesus sagte zu ihm: Du hast recht.

44 Dann wandte er sich der Frau zu und sagte zu Simon: Siehst du diese Frau? Als ich in dein Haus kam, hast du mir kein Wasser zum Waschen der Füße gegeben; sie aber hat ihre Tränen über meinen Füßen vergossen und sie mit ihrem Haar abgetrocknet. 45 Du hast mir (zur Begrüßung) keinen Kuss gegeben; sie aber hat mir, seit ich hier bin, unaufhörlich die Füße geküsst. 46 Du hast mir nicht das Haar mit Öl gesalbt; sie aber hat mir mit ihrem wohlriechenden Öl die Füße gesalbt.

47 Deshalb sage ich dir: Ihr sind ihre vielen Sünden vergeben, weil sie (mir) so viel Liebe gezeigt hat. Wem aber nur wenig vergeben wird, der zeigt auch nur wenig Liebe. 48 Dann sagte er zu ihr: Deine Sünden sind dir vergeben. 49 Da dachten die anderen Gäste: Wer ist das, dass er sogar Sünden vergibt? 50 Er aber sagte zu der Frau: Dein Glaube hat dir geholfen. Geh in Frieden!

Dies ist eine Geschichte, in der Berührung eine zentrale Rolle spielt: eine Frau, die zu Jesus kommt und seine Füße mit ihren Tränen benetzt, ihm die Füße salbt und sie küsst. Wer Freunde mit einem eher orientalischen Kulturhintergrund hat, der weiß, wie sehr da alles als schmutzig gilt, was mit der Erde in Berührung kommt: man zieht die Schuhe aus, bevor man in die Wohnung geht; und jemanden mit einem Schuh zu schlagen, ist ein Zeichen größter Verachtung. Indem die Frau so intensiv die Füße Jesu berührt, macht sie sich freiwillig ganz, ganz klein. Sie stellt sich ganz nach unten.

Es wird nicht gesagt, ob sie vorher schon Jesus begegnet ist und ob er etwas für sie getan hat. Es gibt anscheinend ganz viele Jesusgeschichten, die nie aufgeschrieben worden sind, und nur ab und zu merkt man, dass da noch viel mehr gewesen sein muss. Vielleicht ist Jesus auch nur einfach in ihrer Welt aufgetaucht als ein Zeichen, das ihr Hoffnung gegeben hat, als jemand, der ihr geholfen hat, sich mit neuen Augen zu sehen. Und jetzt kommt sie in diese Männerwelt hinein, in der sie eigentlich keinen Platz hat, und bringt die gehörig durcheinander.

Eine sehr fremde Welt

Mit ihrer Geste macht sie eigentlich nur sichtbar, was sowieso für alle feststeht: dass sie ganz unten in der Rangordnung steht. Erstmal sowieso als Frau in einer patriarchalischen Umwelt, und dann noch als Frau, die anscheinend außerhalb der normalen Positionen steht, die diese Gesellschaft Frauen immerhin anzubieten hat. Aber sie ist tatsächlich in dieser Gesellschaft nur ein Stück Dreck.

Wir in unserer aufgeklärten Gesellschaft heute können uns wahrscheinlich da überhaupt nicht hineindenken, wie es sich anfühlt, in einer Welt zu leben, in der es ganz selbstverständlich oben und unten gibt, wo es ziemlich viele Menschen gibt, von denen jeder weiß, dass sie keine Würde haben, dass sie Dreck sind, oder dass sie – wie Sklaven – den Status einer Sache haben.

Aber diese Frau hat auf irgendeine Weise erlebt, dass sie bei Jesus kein Dreck ist. Das muss für sie eine überwältigende Erfahrung gewesen sein – auch das ist für uns heute in einer demokratischen Gesellschaft kaum auch nur annäherungsweise nachvollziehbar. Und sie zeigt ihre Dankbarkeit, indem sie sich nun freiwillig ganz tief nach unten stellt. Zum ersten Mal in ihrem Leben wird ihr das nicht ungefragt zugeschrieben, sondern sie hat eine Wahl, sie tut es freiwillig. Es ist ihre eigene Sache. Das ist die einzige Art, wie sie ausdrücken kann, was ihr geschehen ist, und Jesus versteht sie. Über alle gesellschaftlichen Rangstufen hinweg schafft sie so zwischen sich und Jesus eine Verbindung, ein Einverständnis, und das ist viel tiefer als die Verbindung zwischen Jesus und seinem Gastgeber, die gesellschaftlich auf der gleichen Stufe stehen.

Eine ungeahnte Art von Beziehung

Mitten in dieser förmlichen Welt der guten Bürger, wo man einigermaßen höflich miteinander umgeht, auch wenn man sich nicht leiden kann, da wird durch diese Frau sichtbar, welche Tiefe menschliche Beziehungen haben können. Jenseits von Rangordnung, Ansehen, Position und Geld gibt es eine persönliche Verbundenheit, die etwas widerspiegelt von der Art, in der Gott mit seinen Menschen verbunden ist. Jesus und sie, die gesellschaftlich ganz weit auseinander liegen, sind im Wissen um diese Art von Beziehung aufs engste verbunden. Sie kann nicht einfach beschließen, dass für sie die Begrenzungen ihrer Kultur nicht mehr gelten – das kann niemand. Aber sie findet im Rahmen ihrer Kultur einen Weg, um mit Jesus auf diese ganz andere Art zu kommunizieren. Und er zeigt ihr, dass er sie verstanden hat und bestätigt sie.

Und die anständigen Bürger im Raum spüren, dass da etwas Tiefes passiert, wozu sie keinen Zugang haben, und können damit nicht umgehen. Die Frau tut ja nichts Verbotenes, sie verhält sich so demütig, wie es ihrem gesellschaftlichen Status angemessen ist. Deswegen richtet sich das Augenmerk auf Jesus: der müsste das stoppen. Der müsste sie am besten zurückweisen, ihr sagen: hör auf damit! – und sie damit grausam enttäuschen.

Angst vor Berührung

Wir sehen hier, wie alle möglichen gesellschaftlichen Konventionen, all diese »man tut das nicht«-Regeln auch immer die Funktion haben, uns abzuschirmen vor dieser tiefen Berührung, wenn wir auf die Wirklichkeit Gottes stoßen. Denn wir sind so verletzlich, wenn unser Herz offen liegt. Wir sind so auf die Gnade anderer angewiesen, wenn wir erkennbar werden in unserer Schutzlosigkeit und Bedürftigkeit. Und wenn ein Mensch wie diese Frau sich freiwillig so verletzlich macht – das ist einfach peinlich. Das erinnert an die eigene Schutzlosigkeit, die wir aus guten Gründen mit Status und Outfit übermalen. Jugendliche kichern in solchen Momenten, Erwachsene verdrehen die Augen oder sagen: das tut man nicht. Aber wenn wir mit Gottes Sphäre in Berührung kommen wollen, dann müssen wir diesen Schutz weglassen. Der wahre Gott lässt sich anders nicht finden.

Nicht ohne den Körper

Und es ist erstaunlich, wie oft so eine Berührung mit der verborgenen Segenswelt Gottes tatsächlich mit körperlicher Berührung verbunden ist. Natürlich die Segensgeste, das Handauflegen. Aber genauso das Abendmahl – Essen ist ja etwas sehr körperliches. Oder die Taufe, die eigentlich den ganzen Körper eines Menschen unter Wasser drückt. Und in dieser Geschichte die Frau, die mit ihren Tränen, ihren Händen und ihren Haaren die Füße Jesu berührt.

Immer wieder kommen wir mit Leib und Seele vor. Und immer geht es darum, dass wir durch alle neutralen, sachlichen Schutzschichten hindurch mit der Tiefe Gottes verbunden werden, die im Hintergrund der Schöpfung verborgen ist. Hinter allem stoßen wir auf keine stumme Materie und auf keine ungerührten Naturgesetze, sondern auf den Vater des Lebens, der alles bewässert mit dem lebendigen Strom seiner Liebe.

Die geheime Bruder- und Schwesternschaft

Du kannst dich dagegen abschotten: mit Denksystemen und Statussystemen, mit einem Titel und mit Geld, mit Ironie und mit Arroganz, mit Arbeit und Betriebsamkeit, mit einem Sack voll kleiner Alltagsweisheiten. Aber wenn du das tust, dann schneidest du dich vom wahren Leben ab. Du verdorrst und vertrocknest und am Ende guckst du verbissen vom vielen Zähnezusammenbeißen. Wenn du dich aber öffnest für diesen Strom des Segens, dann trittst du der geheimen Bruder- und Schwesterschaft bei, die das Geheimnis dieser Welt entdeckt hat und damit lebt. Überall hat Gott seine Segensspuren verstreut. Er kennt mehr Wege in diese Welt, als Menschen versperren können. Und wir entdecken unser echtes Menschsein, unsere Berufung und unsere Begnadung, wenn wir verwurzelt sind am Wasser seines Lebens.

Mai 032015
 

Predigt am 3. Mai 2015 zu Offenbarung 11,15-19 (Predigtreihe Offenbarung 19)

15 Der siebte Engel blies seine Posaune. Da ertönten laute Stimmen im Himmel, die riefen: Nun gehört die Herrschaft über die Welt unserem Herrn und seinem Gesalbten; und sie werden herrschen in alle Ewigkeit. 16 Und die vierundzwanzig Ältesten, die vor Gott auf ihren Thronen sitzen, warfen sich nieder, beteten Gott an 17 und sprachen: Wir danken dir, Herr, Gott und Herrscher über die ganze Schöpfung, der du bist und der du warst; denn du hast deine große Macht in Anspruch genommen und die Herrschaft angetreten.
18 Die Völker gerieten in Zorn. Da kam dein Zorn und die Zeit, die Toten zu richten: die Zeit, deine Knechte zu belohnen, die Propheten und die Heiligen und alle, die deinen Namen fürchten, die Kleinen und die Großen, die Zeit, alle zu verderben, die die Erde verderben.
19 Der Tempel Gottes im Himmel wurde geöffnet und in seinem Tempel wurde die Lade seines Bundes sichtbar: Da begann es zu blitzen, zu dröhnen und zu donnern, es gab ein Beben und schweren Hagel.

Als Jesus starb, zerriss der Vorhang des Tempels von oben bis unten (Matthäus 27,51). Und damit wurde deutlich, dass das Allerheiligste leer war – die Bundeslade, die da ursprünglich gestanden hat, der uralte Schrein mit den Gesetzestafeln des Mose, ist irgendwann im Lauf der Geschichte abhanden gekommen, zerstört, verbrannt. Ein Symbol dafür, dass auf menschlicher Seite der Bund mit Gott nicht intakt geblieben ist, denn die Zerstörung des ursprünglichen Tempels war eine Folge des Abfalls vom Bund.

Das Herz Gottes

Jetzt erfahren wir: es gibt noch einen anderen Tempel, einen Tempel im Himmel. So wie der Jerusalemer Tempel das Zentrum des Volkes Gottes und eigentlich der ganzen Welt war, so ist der himmlische Tempel das Zentrum des Himmels. Jetzt, nachdem das siebente Siegel am Buch mit dem geheimen Plan Gottes geöffnet wurde ist und die siebte Posaune erklungen ist, wird er sichtbar. Und nicht nur sichtbar wird der himmlische Tempel, sondern auch seine Tore werden geöffnet. Da zerreißt kein Vorhang, sondern freiwillig gehen die Tore auf, und man kann einen Blick bis ins Allerheiligste werfen. Man könnte sagen: Jetzt tun wir einen Blick ins Herz Gottes, ins Zentrum des Himmels. Und was sehen wir? Da ist noch immer die Bundeslade, die himmlische Entsprechung zum irdischen Erinnerungszeichen an den Bund Gottes mit Mose und Israel. Auf Gottes Seite ist dieser Bund nie in Frage gestellt gewesen. Sein geheimer Plan ist geboren aus der Treue Gottes zu seinem Volk und der ganzen Schöpfung. Jetzt wird sichtbar, dass Gott die ganze Zeit über beständig sein Ziel verfolgt hat.

Wem gehört die Welt?

Bild: tpsdave via pixabay, Lizenz: creative commons CC0

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Und deswegen freuen sich die 24 Ältesten, die Vertreter des Gottesvolkes aus Juden und Heiden, sie jubeln und und danken Gott und sagen: jetzt ist es geschehen! Gott ist König geworden! Endlich ist es so weit, dass die Herrschaft auf der Erde Gott und seinem Gesalbten, seinem Beauftragten gehört, Gott und seinem Christus.

Darum geht es in der Bibel: wer ist der König der Welt? Wem dienen die Mächte dieser Welt? Wer gestaltet das Antlitz der Erde? Wird aus der Welt ein Garten oder eine Wüste? Ein Friedensreich oder ein KZ, ein – sagen wir mal – weltweites Nordkorea? Diese schreckliche Alternative ist der Grund dafür, dass die Vertreter des Gottesvolk so dankbar sind. »Jetzt sind die Würfel gefallen!« sagen sie. »König der Welt ist Gott. Gott sei Dank!«

Das geheime Buch ist geöffnet, Gottes Herz liegt offen vor uns. Wir sehen, dass er treu ist.

Wo passiert das?

Aber die Frage ist: welche irdische Realität entspricht diesem Augenblick, wo der ganze Himmel aufatmet? Es gibt ja im biblischen Denken eine Entsprechung zwischen Himmel und Erde. Jede Veränderung im Himmel zieht auch Bewegungen auf der Erde nach sich. Und jede irdischen Wirklichkeit hat auch ihre verborgene Entsprechung auf der unsichtbaren Seite der Welt. Am Tempel haben wir das gerade schön beobachten können, dass es auch einen Tempel auf der verborgenen Seite der Welt gibt; wahrscheinlich ist der irdische Tempel nach dem Vorbild des himmlischen gestaltet.

Und nun gehen genauso parallel die Öffnung des himmlischen Tempels und der zerrissene Vorhang im Jerusalemer Tempel. Wann zerriss dieser Vorhang? In dem Moment, in dem Jesus sein Leben in Treue zu Gott und den Menschen vollendet. Im Johannesevangelium sagt er selbst in diesem Moment: »es ist vollbracht«, und im Himmel wird erklärt: »Jetzt hat Gott seine königliche Herrschaft angetreten.«

Das muss man erstmal verkraften: Der Tod Jesu ist seine Thronbesteigung. Und mit diesem Tod gewinnt er seinen ersten Anhänger direkt im Zentrum die Macht: den Offizier, der das Hinrichtungskommando leitet. Seinen Henker. Wenn der sagt: »der hier war der wahre Sohn Gottes«, dann sagt er sich damit los von seinem obersten Chef, dem Kaiser, zu dessen Titeln »Sohn Gottes« gehörte. Durch seinen Tod gewinnt Jesus einen Handlanger der Macht für sich und für Gott. So regiert er.

Macht und ihre Karikatur

Das ist ein totaler Kontrast zu der Art, wie sonst unter uns Herrschaft ausgeübt wird. Herrschaft bedeutet normalerweise: jemand ist in der Lage, andere unter Druck zu setzen, sie äußerstenfalls mit dem Tod zu bedrohen. Aber wenn Gott König wird, dann bekommen Worte wie »König«, »Macht« und »herrschen« einen völlig anderen Inhalt. Man müsste sagen: dann bekommen sie ihren eigentlichen Inhalt zurück. Unser Verständnis von Herrschaft ist eine schreckliche Verzerrung dessen, was eigentlich damit gemeint war. Aber selbst die Bibel muss zur Beschreibung der Königsherrschaft Gottes die alten, kontaminierten Worte benutzen.

Ursprünglich ist die Welt so angelegt, dass jedes Geschöpf den anderen dient. In jedem Ökosystem trägt jedes Teil zum Gedeihen des Ganzen bei, und als so ein Ökosystem ist die Schöpfung geplant gewesen. Der Job des Menschen war es, Regulator zu sein, die Erde zu bebauen und zu bewahren. Und er ist Bild Gottes, er repräsentiert die Schöpfung vor Gott. Wenn Gott mit seiner Schöpfung reden will, dann wendet er sich an Menschen.

Erst als Menschen ihren Auftrag überschritten und sein wollten wie Gott, da begannen sie, sich der Gewalt zu bedienen. Damals ist das entstanden, was wir heute als Herrschaft kennen: eine Karikatur des menschlichen Dienstes an allen anderen Geschöpfen. Immer mächtigere Gebilde entstanden, bis hin zu den Großreichen: Machtmaschinen, wie sie die Welt vorher nicht gekannt hatte, mit dem Römischen Imperium als vorläufigem Höhepunkt und dem Imperator, dem Kaiser, als Zentrum des Systems. Es gab gute und schlechte Kaiser, kluge und wahnsinnige, aber was sich durchhielt, war das Prinzip der Herrschaft. Wir haben heute noch viel größere Macht, als römische Imperatoren sie je hatten, aber das Prinzip ist geblieben.

Kontaminierte Worte

Bis heute schauen Menschen mit Grauen und Faszination gleichzeitig auf solche Machtgebilde. Und es wird alles schief, wenn sie dann die Bibel lesen, dort etwas von Gottes Macht hören und denken, damit wäre die Karikatur von Macht gemeint, wie wir sie aus unserer Geschichte und unserer Gegenwart kennen. Und die einen sind dann fasziniert und möchten eine mächtige Kirche, die allen vorschreibt, wie sie zu leben haben, und die andern wollen das um keinen Preis und regen sich dauernd wahlweise über den tyrannischen Gott oder den heuchlerischen Papst auf, was für den Blutdruck überhaupt nicht gut ist. Und beide haben die Bibel an einem entscheidenden Punkt falsch verstanden: wenn Gott König wird, dann wechselt nicht nur der, der gerade auf dem Thron sitzt, sondern die Art, wie Herrschaft ausgeübt wird, erlebt eine echte Revolution.

Denn als Jesus lebte und starb, da bekam die menschliche Königsherrschaft über die Schöpfung ihren wahren Sinn zurück. Wunden heilen, Frieden stiften, Ausgeschlossene einbeziehen, Lasten abnehmen, Menschen jubeln lassen – das ist die Aufgabe des Königs. So »herrscht« er über die Erde, um es mit diesem kontaminierten Wort zu sagen.

Ein kosmischer Showdown

Und wenn diese beiden Arten von Herrschaft aufeinandertreffen, dann gibt das so eine Art Showdown. Jesus, das Lamm, auf der einen Seite, und die Monster, die Machtmaschinen, die unsere Welt verwüsten: das ist die der ultimative Gegensatz. Gegen den sind alle sonstigen Feindschaften, Rivalitäten und Aversionen, die wir aus der Tagesschau kennen, nur vorläufige Missverständnisse. Deswegen kracht und blitzt es in der Offenbarung so oft, weil sie den fundamentalen Konflikt beschreibt, von dem unsere ganze Welt untergründig geprägt ist: wem gehört die Schöpfung? Wer ist König – Gott oder sein Gegner? Kein Bereich der Welt ist dabei neutral, alles ist von diesem Konflikt betroffen. Auch da, wo wir es normalerweise gar nicht bemerken.

Dieser Showdown hatte zwei Runden: zuerst wollte der Versucher Jesus locken mit Macht, Ruhm und Reichtum. Und beim zweiten Mal ließ er ihn am Kreuz zu Tode foltern. Und beide Male ließ Jesus sich nicht von seinem Weg abbringen. Er ließ sich nicht zu der Karikatur von Herrschaft bekehren, sondern blieb beim Original. Das ist es, was im Himmel gefeiert wird. Denn in diesem Moment ist die Entscheidung über das Schicksal der Welt gefallen. Die Offenbarung malt das mit ihren grellen Farben aus, damit wir Bilder dafür haben, dass durch das Leben und den Tod Jesu die Grundlagen der Welt verschoben sind. Dieses Ereignis ändert die Spielregeln für immer.

Und was jetzt?

Bleibt noch das Problem, warum wir jetzt erst 11 von den 22 Kapiteln der Offenbarung hinter uns haben. Und auch das ist angedeutet in dem Dank der 24 Ältesten: jetzt wird Gericht gehalten. Jetzt wird den Opfern der Geschichte endlich Gerechtigkeit widerfahren. All die Unzähligen, die am Straßenrand der Geschichte verreckt sind, die von den Machthaber aller Imperien für ihre Ziele verheizt worden sind, die Ausgebeuteten und Geschundenen jeder Epoche, sie sollen nicht die Verlierer bleiben. Und die Unheilstifter und Zerstörer sollen zerstört werden.

Auch hier müssen wir umdenken, wenn Gott, wie es heißt, »Gericht hält«. Wir haben dann gleich so einen finsteren Rachegott im Auge, der akribisch nachforscht, ob er etwas finden kann, wegen dem er uns in der Hölle braten lassen kann. Und er findet immer etwas, und sei es nur der böse Gedanke über die Nachbarin wegen ihres geringen Engagements beim Unkrautjäten.

Keine Angst vor dem Gericht!

Aber auch das ist so weit weg von dem, was in der Bibel gemeint ist. Gerechtigkeit ist ein elementarer menschlicher Wunsch. Und er ist berechtigt. Gott hat ihn in uns hineingelegt, denn es ist auch sein Wille. Es soll doch nicht sein, dass die KZ-Häftlinge und ihre Opfer sich irgendwann wieder begegnen, und es spielt keine Rolle mehr. Es kann doch nicht sein, dass diejenigen, die die Erde vergiften und die, die daran sterben, einfach in einen Himmel kommen und alles ist kein Thema mehr. Ja, es gibt Versöhnung, wahrscheinlich haben wir davon gehört, wie jetzt in dem wahrscheinlich letzten Auschwitz-Prozess eine Jüdin ihrem ehemaligen Wachmann vergeben hat, aber das ist eben kein Automatismus. Es ist nichts, was so einfach selbstverständlich wäre. Sonst würde nicht darüber berichtet.

Möchten wir denn in der neuen Welt einfach so gemeinsam leben mit Hitler und Stalin und den Drogenbossen und dem kleinen Tyrannen von nebenan, der es nicht bis zum Diktator geschafft hat und nur seiner Familie das Leben zur Hölle macht? Sollen die alle ganz selbstverständlich mit am Tisch sitzen? Das kann es doch nicht sein!

Es muss Gerechtigkeit geben. So viele sind gestorben in der Hoffnung, das ihre Peiniger wenigstens Gott nicht entkommen, wenn sie sich schon hier auf der Erde der Gerechtigkeit entzogen haben. Soll Gott diese Hoffnung wirklich enttäuschen? Gott wird die verderben, die die Erde verderben. Das ist eine Hoffnung, keine Bedrohung, jedenfalls nicht für die, die sich nach Gerechtigkeit sehnen. Der Durst nach Recht und Gerechtigkeit wird am Ende gestillt werden, das hat Jesus in der Bergpredigt versprochen.

Wie Gott das macht, das durchschauen wir nicht wirklich. Wahrscheinlich bekommt auch das Wort »Gericht« eine sehr andere Bedeutung, wenn Gott es ist, der Gericht hält. Aber es wird so werden, dass alle, die nach Gerechtigkeit gehungert und gedürstet haben, am Ende aufatmen und sagen: ja, es ist gut geworden. Er hat es richtig gemacht. Gott ist treu.

Jetzt kommen erst die Drachen

Die zweite Hälfte der Offenbarung schaut deshalb das Ganze noch einmal unter der Fragestellung an, wie Gott mit den destruktiven Mächten umgeht, mit den Imperien, die die Erde verderben. Jetzt, wo Gottes Messias sichtbar geworden ist, kommen sie aus der Deckung und werden in ihrer ganzen Brutalität sichtbar. Beim nächsten Mal gibt es deshalb dann auch Drachen.

Es ist wie im richtigen Leben: zu wissen, wer der Feind ist, ist der halbe Sieg. Die andere Hälfte kommt ab Kapitel 12.