Nov 232014
 

Predigt am 23. November 2014 (Ewigkeitssonntag) mit Johannes 5,24-29

Jesus sprach: 24  Ich versichere euch: Wer auf mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben. Auf ihn kommt keine Verurteilung mehr zu; er hat den Schritt vom Tod ins Leben getan. 25  Ich sage euch: Die Zeit kommt, ja sie ist schon da, wo die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden, und wer sie hört, wird leben. 26  Denn wie der Vater aus sich selbst heraus Leben hat, so hat er auch dem Sohn die Macht gegeben, aus sich selbst heraus Leben zu haben. 27  Und er hat ihm die Vollmacht gegeben, Gericht zu halten; denn er ist der Menschensohn. 28  Seid deshalb nicht erstaunt, wenn ich euch sage, dass der Tag kommt, an dem die Toten in ihren Gräbern die Stimme des Sohnes hören 29  und herauskommen werden. Die, die getan haben, was gut ist, werden zu neuem Leben auferweckt werden; die aber, die getan haben, was schlecht ist, werden zu ihrer Verurteilung auferweckt werden.

Als Jesus das sagt, da hat er gerade einen Menschen geheilt, der über viele Jahre krank war. Und hier erklärt er, warum er das tun konnte: Jesus hat nämlich in sich ansteckendes Leben, vor dem selbst der Tod nicht sicher ist. Leben, vor dem Dunkel und Krankheit die Flucht ergreifen.

Die Quelle der Lebensenergie

Der Gedanke dahinter ist, dass Gott die Quelle des Lebens ist, der Ursprung aller Lebensenergie, die das Universum bewegt. Diese Lebensenergie nimmt unterschiedliche Formen an, ein gutes Gepräch kann ebenso eine Quelle von Lebensenergie sein wie ein leckeres Essen, wir können diese Kraft blockieren oder weitergeben, wir können sie anderen stehlen oder sie ihnen schenken, aber der Ursprung dieser ganzen Energie ist Gott. Und es bleibt sein Leben. Es bleibt mit ihm in Verbindung. Es ist Gottes Lebensatem, mit dem er uns beseelt und erweckt hat, und deswegen sind wir lebendige Wesen.

Und jetzt sagt Jesus: so wie Gott aus sich heraus dieses Leben schenkt, so bin auch ich unter euch die Lebensquelle. Ich schenke genauso aus mir heraus das starke Leben, das den Tod vertreibt. Dieses Leben ist in der Offensive gegen Zerstörung und Tod in der Welt.

Das Normalgefühl: Der Tod in der Offensive

Das passt nicht zusammen mit dem normalen Lebensgefühl von Menschen. Der normale Eindruck ist, dass der Tod in der Offensive ist: wir müssen uns vor ihm in Acht nehmen, zuerst denken wir lieber selten daran, dann versuchen wir, uns vor ihm zu schützen, aber er erschreckt uns mit seinen Vorboten wie Krankheit und Zurückgehen der Kräfte, er dringt in unser Leben ein, wir können ihn immer schlechter abwehren, und eines Tages werden wir ihm zum Opfer fallen. Die normalen Gedanken über den Tod sind: wir führen Rückzugsgefechte, aber eines Tages wird er uns trotz aller Gegenwehr erreichen.

Gerade, wer über eine längere Zeit miterlebt hat, wie sich der Tod in ein Leben einschleicht und dort immer weiter ausbreitet, bis er am Ende dieses Leben beendet, wer das mit ansehen muss, der erlebt die Macht des Todes hautnah mit und mancher von uns braucht lange, bis er von diesem Erlebnis wieder zurückgefunden hat ins Leben.

Wenn man das nicht gerade miterlebt hat, dann fällt es einem nicht unbedingt auf; es ist eher der Hintergrund in unserem Lebensgefühl, und dieser Hintergrund entfaltet seine Wirkung eher unauffällig, aber dafür um so wirksamer. Der Tod ist der harte Kern dieses »Da kann man nichts machen«-Gefühls, das sich so oft in unseren Gesprächen und Gedanken breit macht. Er ist die härteste Tatsache, der wir uns beugen müssen. Man könnte sagen: er ist der ultimative Sachzwang. Wenn wir ein Gefühl dafür bekommen, wie stark das unser Denken prägt, dann verstehen wir erst, was für eine gewaltige Kraft in Jesus verborgen ist, dass er aus sich selbst heraus Leben geben kann: Leben gegen den Tod, Leben, das den Tod vertreibt.

Der Angriff des Lebens

Und Jesus dehnt das noch aus und sagt: bis hin zu den Toten erschallt dieser Ruf zum Leben, und auch dort im Reich der Toten wird er gehört und beantwortet werden. Und wahrscheinlich denkt Jesus da zunächst an Menschen, die er aus dem Tod zurückholt wie Lazarus oder den Sohn der Witwe von Nain. Aber eigentlich ist das noch viel fundamentaler gemeint: auch das Totenreich ist nicht sicher vor der belebenden Kraft, die von Jesus ausgeht. Denn er ist im Angriff, er geht voran, und er hat auch vor den Pforten der Unterwelt keinen Respekt.

Das ist die große Erschütterung, die durch Jesus in die Welt gekommen ist, dass sogar der Tod nicht mehr das ist, was er mal war. Selbst auf den kann man sich nicht mehr verlassen. Selbst der kommt in die Defensive.

Gehen wir da mit?

Und die Frage an uns ist, ob wir den Gedanken zulassen, dass eine neue Kraft in der Welt ist, dass sich die Machtverhältnisse geändert haben und die alten Selbstverständlichkeiten nicht mehr stimmen.

Ich sprach einmal mit jemandem über bedrückende Umstände in seiner Familie und seiner Ehe. Und ich habe ihm ungefähr gesagt: das ist nicht Gottes Wille, dass Sie sich so durchs Leben quälen. Das hat Gott nie gewollt, dass seine Menschen entmutigt und hoffnungslos durch trübe Tage schleichen und keinen Ausweg sehen. Ich habe gesagt: es gibt für alles Hoffnung, wenn Jesus da heran kann. Nehmen Sie das nicht hin, fügen Sie sich nicht in eine Lage, die Gott nie gewollt hat! Suchen Sie mit seiner Hilfe eine Lösung! Vielleicht ist es ein langer und mühsamer Weg, aber er ist nicht mühsamer, als einfach nur weiterzumachen wie immer.

Und für einen Augenblick habe ich gesehen, wie in den Augen Hoffnung aufleuchtete, und ich wusste: wenn diese Hoffnung wieder anfängt zu brennen und zu leuchten, dann kann da wirklich etwas ganz Neues entstehen, und die Bedrückung muss nicht weiter über ihm liegen. Wenn diese Hoffnung sich im Herzen ausbreitet, dann werden die Karten für dieses Leben noch einmal neu gemischt.

Aber im nächsten Augenblick sah ich, wie das Feuer in den Augen wieder erlosch, und ich konnte es nicht mehr anzünden, meine Worte gingen ins Leere. Für einen Augenblick war die Hoffnung zum Leben erwacht, aber dann gewann die alte Resignation wieder die Oberhand, und er ging zurück in die Traurigkeit, die er kannte. Ich kam mir vor wie ein Notarzt, der das Herz eines Unfallopfers für einige Schläge zum Leben erweckt hat, aber dann setzt es wieder aus und reagiert auf nichts mehr.

Glauben bedeutet verwandelt werden

Zum Glück habe ich es auch erlebt, dass dieses Feuer der Hoffnung lebendig geblieben ist und wirklich dafür gesorgt hat, dass Menschen herausgekommen sind aus der resignativen Ergebenheit in die Macht des Unglücks und des Todes. Und das meint Jesus, wenn er von Glauben spricht: dass wir uns nicht von dem Gefühl der Ausweglosigkeit überwältigen lassen, sondern dass wir mitten in den bedrückenden wie den freundlichen Verhältnissen seine Stimme hören und auf sie achten und diese Spur verfolgen. Wo einer daran festhält, auf die Stimme Jesu zu hören, da kommt Wandlung. Und wir müssen verwandelt werden, damit wir nicht immer wieder in dieselbe Falle tappen, damit wir nicht immer wieder neu eingeholt werden von dem Grundgefühl der Ohnmacht, dessen harter Kern der scheinbar unbesiegbare Tod ist.

Hilfe sieht ja in den seltensten Fällen so aus, dass einer wie mit dem Zauberstab alles wegmacht, was uns bedrückt: auf einmal ist der Ehepartner freundlich und zugänglich, die Schulden waren ein Irrtum, die Krankheit verschwindet, der Chef wird durch einen besseren ersetzt und die Kinder melden sich regelmäßig.

Auch so etwas passiert gelegentlich. Aber wenn es nicht einhergeht mit einer tieferen Wandlung, dann gibt es bald wieder andere Probleme. Ohne eine tiefe Wandlung wirst du immer wieder mit Menschen Probleme bekommen und sie mit dir. Ohne eine tiefe Wandlung wirst du das Gefühl nicht abschütteln, dass du von den Entscheidungen anderer abhängig bist. Ohne Wandlung bleibt das Gefühl, dass man dem Schicksal nicht entkommt und dass man nicht mehr viel zu erwarten hat. Und diese Wandlung kommt nur mit uns, wenn wir dazu Ja sagen. Wandlung ist nichts, was Gott für uns macht, sondern es ist ein Weg, den Gott mit uns zusammen geht; und sie geschieht nur, wenn wir uns mit ihm auf den Weg machen.

Denn die wirklichen Entscheidungen fallen hier drinnen im Herzen und nicht da draußen, und ohne Wandlung gibt es auch dort draußen immer nur für kurze Zeit Erleichterungen. Klar, zum Glück gibt es auch glückliche Wendungen, die uns tief durchatmen lassen, und wir sagen: diese Bedrückung ist endlich vorbei, sie überschattet mein Leben nicht mehr.

Aber wirklich vorbei sind Bedrückungen erst, wenn wir auch innerlich ihren Bann gebrochen haben und aus ihrem Schatten getreten sind. Nennen Sie das Wandlung, Erneuerung, Hoffnung, Wiedergeburt, oder welches Wort Ihnen am liebsten ist. Es geht immer darum, dass wir innerlich frei werden und uns nicht mehr beeindrucken lassen von dem, was unserem Leben den Glanz und die Freude rauben will. Weil jetzt nämlich Jesus mitredet und mit seinen Worten Leben bringt. Es geht darum, dass wir nach vorne schauen und Neues und Besseres erwarten, und vor allem, dass das unsere Sache wird und wir uns aus eigener Motivation auf den Weg machen. Es geht darum, dass wir die Stimme Jesu hören und nicht nur für einen Augenblick diesem ungewohnten Ton lauschen, sondern mit Ausdauer dabei bleiben; dass wir uns dauerhaft mit der Hoffnung verbinden; dass wir nicht Menschen der Klage werden, sondern dass wir das Licht des Lebens sehen, und es auch sehen wollen und alles dafür tun.

Den Schatten des Todes aus dem Leben vertreiben

Das wird uns wahrscheinlich nicht den biologischen Tod ersparen, aber der wird mit seinen Vorboten nicht mehr wie ein Schatten über unserem Leben liegen. Wenn wir die Stimme Jesu kennen, dann werden wir dem Tod mit einer gewissen Leichtigkeit entgegensehen, weil er eigentlich nur eine vorübergehende Unterbrechung bedeutet. Wenn ein Leben durch Jesus verwandelt worden ist, dann gehört es schon zur kommenden Welt. Es hat diesen Hintergrund der Resignation verloren. Es wird vom Tod nicht mehr wirklich erreicht, sondern es ist jetzt schon ewiges Leben, starkes, freudiges, hoffnungsvolles Leben, und es wird vom Tod noch unterbrochen, aber nicht mehr ausgelöscht.

Und hier in dem, was Jesus sagt, da sieht es ja so aus, als ob noch nicht mal des Totenreich sicher ist vor der Sprengkraft dieses neuen Lebens. Selbst bis dorthin dringt der Ruf des offensiven Lebens vor, das Jesus aus sich heraus schenkt.

Und deshalb sollen jetzt schon unsere Augen leuchten und das Feuer in unserem Herzen hell brennen. So kommt die Ewigkeit in die Gegenwart. Und dann wird sie für immer bleiben, sie wird uns nie verlassen. Was jetzt schon zur neuen Welt gehört, das zählt nicht mehr zu den Dingen, die nach und nach in Verfall übergehen.

FensterroseUnsere sichtbaren Körper werden verfallen, mit jedem Jahr mehr, aber wenn das Leben Jesu darin wächst, dann wird man manchmal sogar sehen können, dass da etwas lebt, was jung und voller Hoffnung ist und dessen große Zeit noch kommen wird.

Sagen Sie nicht, das könnte Ihnen nie passieren. Lassen Sie das Leuchten nicht dunkel werden. Wenn wir die Stimme Jesu hören, werden wir leben. Das wirkliche, große Leben. Bitte machen Sie diese Hoffnung nicht tot, sondern erlauben Sie es ihr, in Ihrem Herzen Wurzeln zu schlagen und Sie zu verwandeln!

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