Okt 202014
 

Predigt am 12. Oktober 2014 (Besonderer Gottesdienst) zu Kolosser 1,15-16

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Weltbilder prägen unser Lebensgefühl. Wir merken das besonders, wenn sie sich ändern. Auf dem Holzschnitt unten ist so ein Augenblick eingefangen, wie jemand durch das traditionelle Weltbild mit dem Himmelsgewölbe, an dem Sonne, Mond und Sterne befestigt sind, hindurchschaut, und da tut sich ihm eine ganz unbekannte Welt auf mit vielen neuen Himmelsphänomenen. Und auf einmal fühlt er sich nicht mehr in einer überschaubaren Welt geborgen, sondern er hat etwas gesehen von einer unendlichen Welt mit ungeheuren Räumen und Weiten.

Wenn Weltbilder nicht mehr passen

WeltbildDieser Holzschnitt bildet den Moment ab, in dem die Astronomie neue Entdeckungen machte, die nicht mehr in das alte Weltbild hineinpassten. Auf einmal wurde die alte Sicht auf die Welt fragwürdig, die man viele Generationen lang für einleuchtend und selbstverständlich gehalten hatte. So lange Weltbilder alle bekannten Tatsachen integrieren, kommt man gar nicht auf die Idee, dass es anders sein könnte. Man hält sie für die einzig denkbaren und natürlichen Erklärungsmuster für die Welt. Aber dann kommt jemand und erfindet das Fernrohr. Oder ein anderer Wandel tritt ein.

Ich möchte heute vor allem darauf achten, wie Weltbilder das Verhältnis von Gott und der Welt beschreiben.

In der Antike gab es die Vorstellung einer engen Verbindung von Himmel und Erde, und zwar nicht nur in der Bibel, sondern eigentlich in allen Kulturen.

Nehmen wir das Beispiel von Mose und der Amalekiterschlacht aus dem zweiten Buch Mose (17,11-12)! Israel wird in der Wüste von den Amalekitern überfallen, einem kriegerischen Nomadenvolk. Weil Israel gerade erst aus der ägyptischen Sklaverei entkommen ist, sind sie nicht besonders geübt im Kämpfen und deshalb in großer Gefahr. Während Josua die kampffähigen Männer in die Schlacht führt, geht Mose auf einen Berg und betet. Und erstaunlicherweise bewirkt dieses Gebet, dass die unerfahrenen Kämpfer Israels die Oberhand gewinnen. Aber dann werden Mose die Arme lahm – man betete damals mit erhobenen Händen – und als er sie sinken lassen muss, dreht sich die Schlacht und die Amalekiter gewinnen. Am Ende halten zwei Männer Mose die Arme hoch und Israel siegt.

Das antike Weltbild

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Das ist ein Beispiel für die enge Verbindung zwischen Gott und der Welt, wie die Menschen im Altertum sie sahen. Jedes Ereignis hat eine himmlische und eine irdische Seite. Himmel und Erde beeinflussen sich gegenseitig. In einem Schema würde das so aussehen:

Jede materielle Realität auf der Erde hat gleichzeitig eine spirituelle Dimension, und jede Veränderung in der himmlischen Welt hat ihre materiellen Konsequenzen in unserem Leben. Die Bibel wird einem sehr rätselhaft und merkwürdig erscheinen, wenn man diese grundlegende Denkvoraussetzung nicht versteht.

Aber schon in der Antike hat sich dieses Weltbild verändert. Ich vermute, dass das etwas mit dem Aufstieg der großen Weltreiche zu tun hatte, besonders mit dem römischen Weltreich. Die Menschen fühlten sich zunehmend ohnmächtig gegenüber diesen Machtzusammenballungen, sie fühlten sich einfach nicht mehr zu Haus in dieser Welt. Der Zusammenhang von Himmel und Erde erschien ihnen zunehmend in Frage gestellt. Sie erlebten Himmel und Erde als getrennte Welten. Mehr noch: die Erde erschien ihnen als ein unwirtlicher Ort, wohin man durch ein böses Geschick geraten ist. Durch die ganze dunkle Zeit von Völkerwanderung und Mittelalter hindurch haben Menschen mit diesem Gefühl gelebt: hier sind wir nicht zu Hause, unsere eigentliche Heimat ist die jenseitige Welt. Das Ziel unseres Lebens ist es, dorthin zu gelangen, fort aus diesem Jammertal.

Das spiritualistische Weltbild

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So entwickelte sich das spiritualistische Weltbild. Eigentlich passte es nicht zu der biblischen Lehre, dass Gott die Welt gut geschaffen hat. Erde und Himmel hatten in diesem Bild wenig miteinander zu tun. Sie schienen voneinander getrennt zu sein. Die materielle Welt war eine Art Gefängnis, in das man durch ein Unglück hineingeraten ist, und so haben Christen durch viele Jahrhunderte angenommen, das eigentliche Leben spiele sich im Himmel ab, und die Erde solle man so schnell wie möglich hinter sich lassen. So ein Weltbild sorgt natürlich für Probleme. Alles, was uns ganz besonders an unsere materielle Seite erinnert, wird abgewertet: der Leib, die Sexualität, das ganze profane Leben überhaupt erscheint als minderwertig. Man soll ihm entfliehen, weil es uns von der geistigen Sphäre ablenkt. Religion ist dafür da, uns an unsere eigentliche spirituelle Heimat zu erinnern. Wenn es bis heute so ein Vorurteil gibt, dass die Kirche mit dem Leben nichts zu tun hat, dann ist das ein Erbe dieses spiritualistischen Weltbildes.

Der Gegenschlag: das neuzeitliche Weltbild

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Aber jede Einseitigkeit provoziert auf die Dauer den Gegenschlag in die andere Richtung. Als die Menschen sich aus dieser Abwertung der materiellen Seite des Lebens befreien wollten, taten sie es, indem sie ein entgegengesetztes Weltbild erfanden, nämlich: das materialistische Weltbild der Neuzeit.

Es dreht den Spieß um und sagte: nur das Materielle ist real. Nur was du mit deinen Händen anfassen und bearbeiten kannst, ist real. Nur was du messen und zählen kannst, ist real. Alles andere sind Spintisierereien und Mythen. Wenn du Lust hast, kannst du privat daran glauben, aber in der Öffentlichkeit zählen nur Fakten und nicht irgendwelche religiöse Seelenbräu, mit denen die Priester die Leute einschüchtern. Heinrich Heine hat das sehr schön zusammengefasst, als er dichtete: »den Himmel überlassen wir den Engeln und den Spatzen«.

Nachdem sich dieses Weltbild in der Neuzeit erst einmal durchgesetzt hatte, hatten die Christen ein Problem. Hatten die materielle Welt, in der wir leben und arbeiten, und die spirituelle Welt, von der die Kirche sprach, überhaupt noch etwas miteinander zu tun?

Weltverlust des Glaubens – geistlose Materie

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Sie versuchten es zu lösen, indem sie Himmel und Erde sozusagen als unverbundene Parallelwelten ansahen. Sechs Tage in der Woche lebte man in der Welt der materiellen Realitäten, der Sonntag war der Tag der seelischen Erhebung, wo man in die Kirche ging und etwas für sein Gemüt tat, wenn einem danach war. Aber so wurde die himmlische Sphäre erst recht zu etwas Weltfremden und schwer Begreiflichen. Gott schien weit weg zu sein und sich um seine Schöpfung nur noch selten zu kümmern. Während die naturwissenschaftliche Weltsicht sich in der Öffentlichkeit als die einzig realistische Weltdeutung präsentierte, blieb der Religion nur das Private und Innerliche. Glaube und Politik z.B. haben in dieser Weltsicht nichts miteinander zu tun.

Während so die spirituelle Seite der Welt immer mehr zurückgedrängt wird, sieht es auf der materiellen Seite dann so aus, als ob die Welt nur eine Anhäufung von toter Materie ist, mit der man tun und lassen kann, was man will. Kein Wunder, dass die Umwelt dann immer mehr zur Müllkippe wird, und dass ungezählte Tier- und Pflanzenarten aussterben: das ist ja alles nur tote Materie, mit der man machen kann, was man will. So etwas wie »Ehrfurcht vor dem Leben« oder Freude an der Schönheit der Schöpfung ist alles nur Blabla, mit dem ein echter Materialist wenig anfangen kann.

Ein neues Bild für Himmel und Erde

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Aber es bekommt Erde und Himmel schlecht, wenn man sie so auseinander reißt. Sie sind füreinander geschaffen, nur in ihrer miteinander Verbindung gedeihen sie. Eigentlich war das antike Weltbild gar nicht so daneben. Das Problem ist nur: das Bild funktioniert heute nicht mehr so gut. Wir wissen inzwischen, dass wir nicht mehr unter einer Himmelskuppel leben.

Im Weltall gibt es kein Oben und Unten. Schon in Australien sehen sie das genau umgekehrt. Deswegen müssen wir für die enge Verbindung der beiden Seiten der Schöpfung auch neue Bilder finden. Sonst kann es passieren, dass da die Kosmonauten hoch fliegen und sagen: hier oben ist ja gar kein Gott! Und dann denken sie, damit wäre Gott widerlegt.

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Ein mögliches Bild für die enge Verflochtenheit von Himmel und Erde ist dieses keltische Knoten-Ornament. Die alten Iren und Schotten haben ja immer solche Ornamente gezeichnet oder in Stein gehauen, wo viele Stränge sich ganz kompliziert verflochten haben. Und sie wollten damit zeigen: so untrennbar sind die himmlische und die irdische Seite der Schöpfung verflochten. Das eine durchdringt das andere.

Gottes Wirken und Gottes Segen ziehen sich durch die Schöpfung hindurch. Und andererseits reagiert Gott auf das, was Menschen hier tun. Alles ist miteinander verwoben und kann überhaupt nicht auseinander genommen werden. Auch die stumme Schöpfung lobt Gott. Und Gott wiederum kann die Materie beeinflussen.

So ein neues Bild von der Schöpfung zu entwickeln, das wird die Geistlosigkeit des Materialismus heilen und gleichzeitig verhindern, dass wir uns Gott als jemanden vorstellen, der nur mit unserem Innenleben zu tun hat. Nein, er durchwirkt die ganze Schöpfung, die Materie und die geistige Welt, und sogar die Naturwissenschaften haben längst entdeckt, dass Materie nichts Einfaches, Selbstverständliches ist, sondern dass sie unglaublich kompliziert zusammengesetzt ist und vielleicht sogar nur eine besondere Form von Energie. Vielleicht steht uns ja eine Zeit bevor, wo auch in unserem Denken Himmel und Erde, Geist und Materie wieder zusammenfinden.

Und dazu hören wir jetzt auf zwei Verse aus dem Kolosserbrief (1,15-16):

15 Jesus ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene der ganzen Schöpfung. 16 Denn in ihm wurde alles erschaffen im Himmel und auf Erden, das Sichtbare und das Unsichtbare, Throne und Herrschaften, Mächte und Gewalten; alles ist durch ihn und auf ihn hin geschaffen.

Diese Verse sagen uns: die Welt ist nicht neutral. Sie ist nicht tote Materie, der es egal ist, was man daraus macht: Schwerter oder Pflugscharen, Brot oder Schnaps. Die Welt ist zum Leben geschaffen, nicht zum Tod. Sie soll gesegnet sein, und nicht unter einem Fluch leben. Sie ist für Jesus geschaffen, für die Lebensart, die sich in ihm verkörpert hat. Die Welt hat eine Tendenz zum Guten hin. Nicht als Automatik, nicht als eingebauten Fortschritt, sondern so, dass sie aufblüht, wenn Menschen sie dankbar aus Gottes Hand empfangen und auch so behandeln.

Und diese Welt hat eine sichtbare und eine unsichtbare Seite. Die unsichtbare Seite hat mit Macht zu tun: »Throne und Herrschaften, Mächte und Gewalten« sind die Fachbegriffe des Neuen Testaments dafür. Die Welt wird von unsichtbaren Mächten regiert. Das ist nicht weiter schlimm, das gehört sozusagen zu ihrem Bauplan.

Der Geist hinter den Gemeinschaften

Jeder große oder kleine Zusammenschluss von Menschen hat seinen Geist. Vergleiche mal Familien, die du kennst: in der einen Familie wird dauernd gemeckert und an den anderen rumkritisiert, und in der anderen Familie unterstützen sie sich und freuen sich, wenn einer etwas gut hinkriegt. Oder nimm Fußball-Bundesligavereine: In München herrscht ein anderer Geist als in Dortmund, und in Braunschweig ist er noch mal anders. Oder nimm ganze Länder und Völker: Der Geist Schwedens ist ein anderer als in Saudi-Arabien, und Russland fühlt sich anders an als Brasilien. Oder denk an Schulen: in der einen Schule treten Schüler und Lehrer morgens verdrossen zum Unterricht an und quälen sich durch den Tag, und in einer anderen Schule freuen sie sich darauf; und die meisten liegen irgendwo dazwischen.

Jede Familie, jeder Verein, jedes Land, jede Organisation, jeder Zusammenschluss von Menschen hat seinen Geist, seine verborgene Seite, und auf dieser verborgenen Seite wird über die Stimmung in dieser Gemeinschaft entschieden. Selbst wenn du der Chef bist, du kannst nicht einfach befehlen, dass ab morgen alles unbürokratisch und effektiv läuft. Du kannst auch als Chef nicht einfach beschließen, dass den Leuten ab morgen die Arbeit Spaß macht, wenn sie bisher kollektive Missmut gepflegt haben. Der Geist ist stärker als ein Einzelner, sogar stärker als der Chef. So funktioniert die Welt.

Das Problem ist nur, wenn man das gar nicht weiß, wenn man diese verborgene Seite der Wirklichkeit ignoriert. Aber tatsächlich spielen sich da die entscheidenden Kämpfe ab. Werden die Geister die Materie entsprechend ihrer Bestimmung regieren – oder wird sich der Geist des Habenwollens und der Gier durchsetzen, der die Welt auf einen Kurs gegen ihre eigentliche Bestimmung bringt?

Der Geist des Beutemachens

Unser gegenwärtiges Weltbild hat in sich die Gefahr, dass es das Habenwollen und die Gier unterstützt, weil Geld und Macht das einzig Reale zu sein scheint. Was soll ich mit hehren Idealen, sagt der Vertreter der materialistischen Weltanschauung, das ist alles dummes Gerede, ich orientiere mich an dem, was ich messen und zählen kann, und das ist in erster Linie Geld. Ich bin Realist, sagt er, und das heißt: ich bin Kaufmann, ich schaue auf das, was unterm Strich für mich rauskommt.

Dumm nur, dass die Welt in Wirklichkeit nach anderen Gesetzen funktioniert. Menschen sind nicht schon dadurch glücklich, dass der Kontostand stimmt. Menschen haben viele Wünsche, die man mit Geld nur schwer erfüllen kann. Menschen suchen nach einem Sinn, für den sie leben können, und wenn sie nichts besseres finden, dann sehen sie am Ende den Sinn ihres Lebens darin, Bomben zu legen und möglichst viel Zerstörung anzurichten. Oder sie zerstören sich selbst, sie nehmen Drogen, sie werden krank, sie tun andere dumme Sachen, und alle fragen sich: warum machen die das? Sie haben doch alles!

Der „Brot allein“ – Irrtum

Aber das hat nicht gereicht, weil sie eigentlich etwas vom Himmel gesucht haben: Bedeutung, Sinn, Liebe, wie auch immer man es nennen will, aber sie wussten nicht, dass es das gibt, und so sind sie an dem verzweifelt, was ihnen die materielle Welt geben kann, sie sind verhungert am Brot allein. Denn »der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus Gottes Mund kommt«.

Nicht nur die Materie allgemein hat eine Bestimmung; auch wir selber sind für das Gute geschaffen, auf Gott hin, für die Lebensart, die Jesus verkörpert hat. Und wenn wir unsere Bestimmung verfehlen, dann verkümmern wir und richten überall Zerstörung an.

Freundschaft zwischen Himmel und Erde

Es hat mal eine Zeit gegeben, wo man die Menschen daran erinnern musste, dass Gott auch diese Welt der Materie geschaffen und gesegnet hat, und dass wir uns dieser Welt liebevoll zuwenden sollen, anstatt uns aus ihr fortzusehnen. Heute, meine ich, muss man den meisten Menschen erst wieder sagen, dass diese Welt zugrunde geht, wenn wir nur ihre materielle Seite gelten lassen, wenn wir ihre Schönheit und ihre Tiefe ignorieren, wenn wir die Wunder nicht sehen und stattdessen alles ausplündern und zubetonieren, bis aus der Schöpfung eine vergiftete Betonwüste geworden ist.

Die Welt ist dazu geschaffen, dass sich Materielles und Geistiges in Freundschaft durchdringen – denken Sie an das keltische Knotenmuster! – , dass Gottes Segensstrom in Fülle durch die ganze Welt fließt, und dass Himmel und Erde am Ende zusammenfinden. Jesus Christus hat sie beide zusammengehalten in seinem Leben, die sichtbare und die unsichtbare Welt. Auf ihn hin, für seine Art zu leben, ist alles geschaffen. Und deswegen, im Vertrauen auf diese Bestimmung, die in allem wohnt, deshalb ist keine einzige gute Tat vergebens. Es wird alles aufgehoben im Himmel, bis die neue Welt anbricht, wo Himmel und Erde sich nicht mehr fremd gegenüber stehen.

Ausdrücklicher Dank und Empfehlung:

Das Schema der Weltbilder stammt in seinem Grundmuster von Walter Wink, dessen 2014 endlich auf Deutsch erschienenes Buch „Verwandlung der Mächte: Eine Theologie der Gewaltfreiheit“ auch noch viele andere hilfreiche Einsichten bietet.

  11 Antworten zu “Die Macht der Weltbilder”

  1. […] Walter Faerber hat das Weltbild, auf das Wink sich bezieht, in diesem Post schön dargestellt und ihm mit dem keltischen Knoten noch ein schönes Symbol hinzugefügt. Wink folgert aus dem unentwirrbaren Ineinander göttlicher und menschlicher Initiative, sichtbarer und unsichtbarer Einwirkungen: […]

  2. „Die Welt ist dazu geschaffen, dass sich Materielles und Geistiges in Freundschaft durchdringen … dass Gottes Segensstrom in Fülle durch die ganze Welt fließt, und dass Himmel und Erde am Ende zusammenfinden. “

    Johannes 16.33: „In der Welt da habt Ihr Angst, … .“
    Johannes 14.27: „Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. … . “
    1. Johannes 5.4: “ Denn alles, was von Gott geboren ist, überwindet die Welt … .“
    Philipper 1.21 ff.: „Denn Christus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn.“
    Offenbarung Kapitel 12.11: „Und sie haben „ihn“ überwunden durch des Lammes Blut und durch das Wort ihres Zeugnisses und haben ihr Leben nicht geliebt, bis hin zum Tod.“

    Sorry, ich werfe sonst nicht mit Bibelstellen um mich, aber ich bekomme es grad nicht besser hin. Ich versuche aufzuzeigen, dass Gott erst mit der nächsten Welt dieses „Gleichgewicht“ von dem Sie (oben) schreiben erstehen lassen wird, so sehr ich mir dieses Gleichgewicht in unserer heutigen Welt auch schon wünschte. In der Offenbarung spitzen sich die Gegensätze bis zur Erschaffung der neuen Welt immer mehr zu. Ist in dieser irdischen Unvollkommenheit die Sehnsucht nach der himmlischen Heimat von der Paulus schreibt, nicht logisch? … Menschen die Christus (noch) nicht gefunden haben und nur die materielle Seite kennen, wissen es (noch) nicht besser, können diese Sehnsucht nach Gott (noch) nicht in sich haben bzw. sich bewusst gemacht haben bzw. ist sie ihnen vom Vater (noch) nicht bewusst gemacht. Ich gebe es zu. Ich bin von der „Sehnsuchts-Fraktion“.Ich versuche aber immer wieder die „Bessere-Welt-Fraktion“ zu der Sie augenscheinlich gehören zu verstehen. Bin nicht untätig, fühle mich aber ohnmächtig im Blick auf die vielen Dinge die in dieser Welt verkehrt laufen … und wenn es nur der Nachbar ist, der heimlich Flaschen im Fluss entsorgt um seine Sucht zu verbergen … .

    • Hallo, Frau …, ich rätsele etwas über den Gegensatz, den Sie sehen: die Sehnsucht, die Sie beschreiben, ist doch eine nach der „heilen Welt“. Und es ist Sehnsucht, weil wir in dieser heilen Welt noch nicht leben. „Die Welt ist dazu geschaffen, dass sich Materielles und Geistiges in Freundschaft durchdringen“ – nur deswegen gibt es diese Sehnsucht. Würden Sie denn auch bestreiten, was ich zwei Sätze danach als Erläuterung geschrieben habe: „Auf ihn (Jesus) hin, für seine Art zu leben, ist alles geschaffen“? Das ist im Prinzip das Gleiche wie der von Ihnen beanstandete Satz, nur etwas grundsätzlicher.

    • Danke für die Antwort. Ich habe nichts „beanstandet“. So sollte das nicht ankommen. Ich frage nur.
      „Es hat mal eine Zeit gegeben, wo man die Menschen daran erinnern musste, dass Gott auch diese Welt der Materie geschaffen und gesegnet hat, und dass wir uns dieser Welt liebevoll zuwenden sollen, anstatt uns aus ihr fortzusehnen. Heute, meine ich, muss man den meisten Menschen erst wieder sagen, dass diese Welt zugrunde geht, wenn wir nur ihre materielle Seite gelten lassen, … .“
      Der Punkt ist, so wie ich die Offenbarung oder bspw. Lukas 21.5 ff. lese, wird diese Welt zugrunde gehen selbst wenn wir ihr uns liebevoll zuwenden, uns nicht wegsehnen, Geistiges und Materielles verbindend leben. Matthäus 6.20 spricht von den Schätzen im Himmel oder Kolosser 3.2 spricht gerade nicht von dem was auf Erden ist. Die geistliche Seite, Christus, ist die eigentliche grundlegende Macht. Die materielle Seite hat selbst bei zweckentfremdetem, zerstörerischen Gebrauch lediglich eine dienende Funktion, spielt eine untergeordnete Rolle. Am Ende, und in der Offenbarung sieht man das sehr gut, hält Gott alles in seiner Hand, Gutes und Schlechtes, Zerstörung und Leben. Ich stelle mir an dem Punkt immer wieder die Frage, ob mein menschliches Tun (bewusstes Tun, wenn es schlimm kommt = Werksgerechtigkeit) an dem was uns an Negativem angekündigt ist irgend etwas zum Positiven ändern kann oder ob die Dinge eintreten wie sie vorherbestimmt und angekündigt sind. Mein Sein (unbewusstes Tun) muss etwas beitragen zum Bau des Reiches Gottes, da Christus in mir, mich verändernd, lebt. So bleibt mir doch im Grunde nur Christus zu lieben und darauf zu vertrauen, dass er in mir bewirkt, dass ich ihm diene mit meinem Leben. Ich hoffe, ich konnte ein wenig deutlich machen, was ich meine. Es fällt mir schwer auf den Punkt zu kommen bzw. die richtigen Worte zu finden.

      • So ist es jetzt deutlicher geworden. Aber warum liegt Ihnen so viel daran, dass die Welt ein Ende findet? Sie ist doch „auf Christus hin“ geschaffen. Das lässt Gott sich nicht kaputt machen. Sie muss durch eine radikale Erneuerung hindurch, aber sie kommt am Ende da an, wo Gott sie hinhaben will. Nur hat Gott es so eingerichtet, dass unser Beitrag dabei in irgendeinem Sinn unentbehrlich ist.

        • Nein, Sie irren. Es liegt mir nichts daran, dass diese Welt ein Ende findet. Ich denke einfach, dass es so kommen wird. „Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde, denn der erste Himmel und die erste Erde waren vergangen, und das Meer war nicht mehr.“
          Gott verbessert diese Welt nicht. Er bessert nicht nach, transformiert nicht. Er erschafft eine vollkommen neue Welt, macht alles neu. Ein Grund dafür kann sein, dass diese alte Welt auf Adam hin geschaffen wurde, dass diese alte Welt eine gefallene Welt ist, denke ich. Gott richtet mit Jesus etwas so Andersartiges, Neues auf, dass die alte Welt darin keinen Platz finden können wird. Jesus ist für uns Menschen das Bindeglied zu Gott und damit zur neuen Welt. Das glaube ich.
          Ihr Blogbeitrag hat mich bereits im Oktober sehr beschäftigt (fand ihn gut, aber irgendetwas in mir rieb sich daran). Ich hatte das Wort „ungenügend“ und dieses Wort wurde immer größer in mir. Alles was wir tun, wird nicht genug sein, um diese Welt satt zu bekommen, sie zu bewahren, ihr und ihren Ansprüchen gerecht werden zu können. Sie wird immer mehr von uns fordern, als wir leisten können werden. Alles was wir tun, kann nur Stückwerk sein und es wird immer ein „ungenügend“ darüber oder darunter stehen. Ich kann kraftstoffsparend fahren, aber ich spare nie genug – „ungenügend“. Ich kann Zeit investieren, aber die Zeit reicht nicht – „ungenügend“. Ich kann spenden, aber ich spende nie genug – „ungenügend“. Ich werde nie genug tun können, wenn ich nach dem Fleisch (gesetzlich bzw. nach einer Einzel- oder Gruppenregel) versuche, Gott gerecht zu werden, seinen Willen zu tun. Es sind tote Werke. Mit ihnen entsteht Schaden an anderen Menschen, an uns selbst, an den Dingen. Ich hab das ausprobiert, ging an die Grenzen und fiel. Danach fragte ich mich, wie Nachfolge denn dann gehen kann, wenn sie anders gehen können muss. Ich suchte nach einer Antwort. Ich kam zu dem Schluss, dass es auf meine Frage keine pauschale Antwort gibt, auch wenn das NT eindeutige Aussagen trifft. Es gibt wahrscheinlich auf diese Frage im Alltag so viele Antworten wie es Menschen auf dieser Welt gibt und wie sie der Heilige Geist den Menschen im jeweiligen Moment schenkt. Und so können wir nach Kräften versuchen, Schönheiten und Tiefen und Wunder dieser Welt zu sehen, zu würdigen und mit ihnen umzugehen , um dann zu merken, dass uns selbst dieser liebende Blick von Gott geschenkt werden muss, weil wir es aus uns selbst heraus nicht recht schaffen. Und jeder Blick ist anders. Mein Vater hat mir viel über Nutztierhaltung beigebracht und über die Achtsamkeit im Umgang mit Tieren und die Achtung vor tierischem Leben. Und trotzdem bin ich der Bratwurstesser unter den Vegetariern … .
          Fazit: „Ich brauche selbst in der Bewertung SEINE Wegweisung, seinen Heiligen Geist und ich brauche in der Gruppe die Achtung vor dem Nächsten und vor dessen Weg mit Gott.“

          • Pardon, meine Formulierung war etwas verkürzt, gemeint war: warum liegt Ihnen so viel daran, dass festgestellt wird, dass die Welt ein Ende findet? Und dass alles Gute in Kooperation zwischen Gott und Mensch geschehen sollte, nicht im menschlichen Solo – geschenkt. Aber Sie gehen nicht auf meine Argumente ein. Deswegen kopiere ich sie noch einmal hierher:

            Die Welt ist doch „auf Christus hin“ geschaffen. Das lässt Gott sich nicht kaputt machen. Sie muss durch eine radikale Erneuerung hindurch, aber sie kommt am Ende da an, wo Gott sie hinhaben will. Nur hat Gott es so eingerichtet, dass unser Beitrag dabei in irgendeinem Sinn unentbehrlich ist.

  3. Warum liegt mir so viel daran, dass festgestellt wird, dass diese Welt ein Ende findet und ist unser Beitrag in irgendeinem Sinn unentbehrlich … :
    Ich denke, dass diese heutige Welt auf Adam hin geschaffen wurde, dass die neue Welt auf Christus hin geschaffen ist. Zwischen diesen beiden Welten gibt es irgendwann einen Schnitt, die alte Welt wird nicht in die neue Welt transformiert. Jetzt sind beide Welten in Christus noch verbunden. Und aus meiner Sicht stimmt das keltische Knoten-Ornament für diese alte Welt nicht, für die neue schon. Für die heutige Welt ist das Ornament nicht symmetrisch, nicht gleichförmig. Auf dieser Welt gibt es Sünde die nicht ans Kreuz gebracht wurde. Von dieser Sünde wendet sich Gott ab und an diesen Stellen entstehen im Knoten-Ornament Unregelmäßigkeiten. Und das alles hat Einfluss darauf, auf welche Weise wir Gott in dieser Welt dienen können und sollten. Es gibt innere und äußere Begrenzungen in der gefallenen Welt. Nicht das Gesetz oder gruppendynamische Effekte sollten uns Wegweiser sein, sondern der Heilige Geist allein. Ich kann Gutes tun bis ich ausbrenne. Ich kann gut gemeinte Dinge tun, die am Ende anders wirken … . Ich kann den Menschen etwas über diese Welt sagen und tue es am falschen Ort zur falschen Zeit mit den falschen Worten und erreiche vielleicht genau das Gegenteil, obwohl ich das Gute erreichen wollte. Ich hoffe, ich hab‘s jetzt irgendwie auf den Punkt gebracht und die Fragen beantwortet.

    • Ich verstehe Ihre Frage und ihr Problem, aber ich glaube nicht, dass man es auf diese Weise lösen kann. Gott hat doch nicht zwei Welten geschaffen und wird das auch nicht tun. Ich lese sehr klar, dass die Welt von Anfang an in Christus und auf Christus hin geschaffen ist, nicht auf Adam hin. Adam hat sie misshandelt (und Sie beschreiben die Folgen), aber damit hat er Gott nicht von seinem Plan abgebracht. Ich glaube, dass dies einer der Punkte ist, wo wir der Schrift mehr trauen müssen als unseren Erfahrungen.

      Der Schnitt, den Sie erwarten, steht dem nicht im Weg. Auch zwischen dem gekreuzigten und dem auferstandenen Jesus gab es einen Schnitt, die Jünger hatten Mühe, ihn wiederzuerkennen. Und trotzdem ist er derselbe (mir ist schon klar, dass das ein begrenzter Vergleich ist: Christus hatte keine Sünde. Aber mir geht es nur um ein Denkmodell für das Miteinander eines radikalen Schnittes und des Sich-Durchhaltens der Person).

      • „Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan und herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht.“ (1. Mose 1.27 ff.) „… so sei der Erdboden verflucht um deinetwillen: mit Mühsal sollst du davon essen alle Tage deines Lebens; und Dornen und Disteln wird er dir sprossen lassen, und du wirst das Kraut des Feldes essen. Im Schweiße deines Angesichts wirst du dein Brot essen, bis du zurückkehrst zur Erde, denn von ihr bist du genommen. Denn Staub bist du, und zum Staube wirst du zurückkehren!“ (1. Mose 3.17ff)
        „Denn wie der neue Himmel und die neue Erde, die ich mache, vor mir bestehen, spricht der Herr, so werden eure Nachkommen und euer Name bestehen.“ (Jes. 66.22) „Denn siehe, ich schaffe einen neuen Himmel und eine neue Erde. Und an das Frühere wird man nicht mehr denken, und es wird nicht mehr in den Sinn kommen.“ (Jes.65.17) „Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde, denn der erste Himmel und die erste Erde waren vergangen, und das Meer ist nicht mehr.“ (Off. 21.1)
        „Nachdem Gott vielfältig und auf vielerlei Weise ehemals zu den Vätern geredet hat in den Propheten, hat er am Ende dieser Tage zu uns geredet im Sohne, den er gesetzt hat zum Erben aller Dinge, durch den er auch die Welten gemacht hat; welcher, der Abglanz seiner Herrlichkeit und der Abdruck seines Wesens seiend und alle Dinge durch das Wort seiner Macht tragend, nachdem er die Reinigung der Sünden bewirkt, sich gesetzt hat zur Rechten der Majestät in der Höhe;…“ (Hebräer 1.1ff.) Der Kolosserbrief 1.15ff. weist auch auf die Trinität, auf den Schöpfer hin. So lese ich das. Siehe auch Römer 11.36. Er weist auf den Anfang, auf den Erstgeborenen aus den Toten hin, weist auf die Sohnschaft, auf den Erben hin. Aber wahrscheinlich könnte man sich endlos streiten um die Inhalte, merke ich gerade. Das wäre nicht so gut.
        Vielen Dank für den Austausch. Ich hoffe, ich habe Sie nicht verärgert mit meinen vielen Bibelstellenzitaten.

  4. […] viele Menschen nichts mehr anfangen. Das hat etwas mit Weltbildern zu tun (es lohnt sich, dazu den Artikel von Walter Färber zu lesen). Irgendwann ist man auf die Idee gekommen, dass Himmel und Erde zwei (räumlich) […]

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