Okt 092014
 

Predigt am 28. September 2014 (Erntedankfest) mit Matthäus 6,25-34

25 »Deshalb sage ich euch: Macht euch keine Sorgen um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung? 26 Seht euch die Vögel an! Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln keine Vorräte, und euer Vater im Himmel ernährt sie doch. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie?
27 Wer von euch kann dadurch, dass er sich Sorgen macht, sein Leben auch nur um eine einzige Stunde verlängern? 28 Und warum macht ihr euch Sorgen um eure Kleidung? Seht euch die Lilien auf dem Feld an und lernt von ihnen! Sie wachsen, ohne sich abzumühen und ohne zu spinnen ´und zu weben`. 29 Und doch sage ich euch: Sogar Salomo in all seiner Pracht war nicht so schön gekleidet wie eine von ihnen.
30 Wenn Gott die Feldblumen, die heute blühen und morgen ins Feuer geworfen werden, so herrlich kleidet, wird er sich dann nicht erst recht um euch kümmern, ihr Kleingläubigen? 31 Macht euch also keine Sorgen! Fragt nicht: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen? 32 Denn um diese Dinge geht es den Heiden, ´die Gott nicht kennen`. Euer Vater im Himmel aber weiß, dass ihr das alles braucht.
33 Es soll euch zuerst um Gottes Reich und Gottes Gerechtigkeit gehen, dann wird euch das Übrige alles dazugegeben. 34 Macht euch keine Sorgen um den nächsten Tag! Der nächste Tag wird für sich selbst sorgen. Es genügt, dass jeder Tag seine eigene Last mit sich bringt.«

Lilium_speciosum, Quelle: WikipediaHabt ihr schon mal daran gedacht, dass Jesus wahrscheinlich der glücklichste Mensch war, der je gelebt hat? Wenn ich diese Sätze von den Vögeln und den Lilien höre, dann wird mir deutlich: das hat Jesus selbst erlebt. Der ist über die Berge von Galiläa gegangen und hat gesehen, wie sich nach einem Regen das trockene Land mit Blumen bedeckt hat. Der hat um sich herum die Vögel fliegen gesehen und hat sie singen gehört, und er muss sich total lebendig gefühlt haben. Ich hoffe, dass wir das alle schon mal erlebt haben, dass du irgendwo stehst und denkst: mein Gott, das ist so unglaublich schön, das ist zu viel für mich, ich kann das gar nicht alles aufnehmen.

Und so stelle ich mir vor, wie Jesus eine von diesen frischen Blumen in der Hand hält und sieht, wie zerbrechlich diese Schönheit ist. Ein Mensch mit Sense oder ein Schaf auf Nahrungssuche machen der Blume sofort ein Ende, und trotzdem ist sie so schön, dass sie eigentlich in eine Kunstausstellung gehören würde. Hat die Blume dafür gearbeitet? Hat sie stundenlang vor dem Spiegel gestanden, bis alles passte? Nein, sie war einfach sie selbst, so, wie Gott sie gemacht hat.

Macht euch keine Sorge!

Jesus hat das alles geschaut und in sein Herz aufgenommen, und er hat dahinter die gute, freundliche Hand Gottes gesehen und hat gesagt: danke, dass du die Erde so reich machst. Danke für deine Freude an der Schönheit. Danke für diese Welt, die überall Gottes Begeisterung für Vielfalt und Leben widerspiegelt. Bestimmt hat Jesus es anders formuliert, aber er hat in dieser zerbrechlichen Schönheit die Freude Gottes am Schönen gespürt.

Und dann hat er seinen Jüngern gesagt: habt keine Angst! Macht euch keine Sorgen darum, wie es weiter geht! Wir haben einen Vater im Himmel, der kümmert sich um die Blumen und um die Vögel, und ganz besonders um uns, und mit diesem Gott der Freude gehört ihr zusammen. Ich zeige ihn euch.

Und wenn Jesus seinen Jüngern etwas gesagt hat, dann hat er das natürlich zuerst selber gelebt. Jesus hätte sich um 1000 Sachen Sorgen machen können: um die Feindschaft der Priester und Schriftgelehrten, um die Schwerfälligkeit seiner Jünger, die ihn immer wieder falsch verstanden haben, um die Frage, wo er am nächsten Abend für 13 Personen eine Unterkunft finden würde, um das Gedrängel um ihn herum, das jeden Tag zunahm, oder auch um den Sturm, der sie einmal mitten auf dem See Genezareth erwischte.

Schon ein einziges von all diesen Problemen würde uns schlaflose Nächte bereiten. Aber Jesus schlief tief und fest, stand früh auf, schaute voller Freude auf die Blumen und die Vögel und sagte: unser Vater im Himmel kümmert sich. Habt keine Angst. Es wird regiert. Wir sind versorgt. Und dann ging er weiter und lebte auch den neuen Tag voller Vertrauen in seinen Vater im Himmel. Der glücklichste Mensch, der je gelebt hat.

Jesus hat gewusst, wie man das macht: einfach hier und heute leben und das Morgen Gott anvertrauen. Deshalb musste er nicht die Last der Sorgen tragen, die uns das Leben oft erst richtig schwer machen. Wir können uns ja um mehr Probleme Gedanken machen, als in einem Menschenleben überhaupt Platz haben. Wir können nächtelang grübeln über Fragen, die sich uns real vielleicht nie stellen. Und damit machen wir das Leben mühsam und arm. Aber Jesus sagt: hört auf damit. Lebt mit Gott, Tag für Tag, und vertraut ihm die Zukunft an. Er sorgt für uns.

Sorgen sorgen für Probleme

Wer für alle denkbaren Probleme vorsorgen will, der hat so viel Stress, dass das Leben nicht mehr schön ist, und möglicherweise bekommt er noch einen Herzinfarkt dazu. Für alle Probleme vorzusorgen, das produziert neue Probleme. Das Misstrauen in die Welt und ihren Schöpfer macht die Welt erst richtig gefährlich. Dass es in der Welt Krieg und Hunger gibt, das liegt nicht daran, dass zu wenig da wäre. Nein, es ist genug für alle da. Selbst für die – ich glaube – acht Milliarden Menschen, die heute leben. Mangel entsteht erst, wenn manche Menschen versuchen, sicherheitshalber mehr zu bekommen, als sie eigentlich brauchen würden. Dann wird es wirklich eng. Es ist genug zum Leben da, aber nicht genug, um für all unsere Sorgen vorzusorgen. Dafür hat Gott die Welt nicht geschaffen.

Wenn Jesus von Gott spricht, dann meint er nicht ein höheres Wesen, das irgendwo weit weg ist und gelegentlich auch mal so großzügig ist, sich um unsere Probleme zu kümmern, wenn wir ihn lange genug nerven. Jesus redet von dem Gott, der die Welt geschaffen hat, weil er das Leben liebt, weil er voll Freude ist und diese Freude mit anderen teilen will. Er hat die Welt mit Licht und Glanz erfüllt, mit großen und kleinen Kunstwerken, und mit Menschen, die an seiner Kreativität beteiligt sein sollen. Er ist die ganze Zeit in seiner Schöpfung am Werk, er lässt seinen Segen durch die Welt fließen, und es ist sein Lebens­atem, der uns leben lässt. Gott nimmt von sich aus Anteil an seiner Welt, sie liegt ihm am Herzen, er teilt seine Fülle mit uns.

Nur überleben wollen reicht nicht zum Überleben

Wenn Jesus uns sagt, wir sollten uns keine Sorgen darum machen, was wir essen und trinken werden, dann meint er nicht, dass Essen nicht wichtig wäre. Er meint nicht, dass wir von Wasser und Brot leben sollen. Jesus hat sich immer gern einladen lassen, wenn irgendwo ein festliches Essen stattfand. Er sagt ja gerade, dass es im Leben um viel mehr geht als um Kalorienaufnahme. Vielleicht haben Sie neulich auch gelesen, dass irgendjemand in Amerika so eine Art Astronautenkost verkauft, die ideal ausgewogene Ernährung, besonders für vielbeschäftigte Leute, die am Computer keine Zeit zum richtigen Essen haben, du kriegst mit dem Zeug alles, was der Körper braucht, Kalorien, Eiweiß, Vitamine, Mineralstoffe. Aber es schmeckt und fühlt sich an wie Kotze.

Wenn du den Menschen auf seinen Kalorienverbrauch reduzierst, dann nimmst du die Freude, die Schönheit und die Würde aus dem Leben, und Gott sowieso. Und am Ende reicht es dann noch nicht mal zum Überleben – denn warum sollte man so ein Leben bewahren wollen? Wie soll so noch Liebe zum Leben wachsen? Andersherum wird ein Schuh daraus: wenn du den ganzen vollen Wert des Lebens kennst, die Fülle und den Glanz, zu dem wir bestimmt sind, die Liebe, die alle Menschen verbinden soll, den gemeinsamen Auftrag, diese Erde zu bebauen und zu bewahren – wenn wir davon erfüllt sind, dann werden wir ganz nebenbei auch dafür sorgen, dass alle genug zu essen haben. Um das nackte Überleben zu sichern, musst du das Leben in seiner ganzen Fülle lieben, so wie Gott es geschaffen hat und erhält. Das Leben ist mehr als die Nahrung: wer die Tiefe und Weite des Lebens nicht kennt, der gefährdet auch das reine Überleben. Wer denkt, dass wir einfach nur Essen und Unterhaltung brauchen, Brot und Spiele, wie die alten Römer sagten, der zerstört unsere Zukunft.

Gott ist das Geheimnis hinter allem, und man versteht die Welt nur, wenn man seine Freude am vollen Leben kennt, aus der alles entstanden ist. Er hätte uns ja auch so einrichten können, dass wir an irgendeiner Tankstelle den Vorrat an Astronautenkost auffüllen, und dann laufen wir wieder. Stattdessen wollte er, dass wir durch unsere Nahrung verbunden sind mit der ganzen Schöpfung und mit all den Menschen, die dazu beitragen, dass wir zu Essen haben. Gott hat uns Grundbedürfnisse gegeben, damit wir mit der Schöpfung verbunden sind, mit der Materie, und mit den anderen Menschen. Nur gemeinsam haben wir Zugang zum vollen Leben.

Der Ursprung, von Neuem lebendig

Am Anfang hat eine große Harmonie gestanden. Menschen und Schöpfung, Menschen und Tiere, Menschen und Menschen, Männer und Frauen – alles passte zusammen. Dann erst ist etwas gründlich schief gegangen, und seit damals leben wir mit Sorgen, mit Feindschaft, und mit der Angst, nicht genug zu haben. Aber mit Jesus kommt zu uns die Erinnerung an den Schöpfer, der uns alle ins Leben gerufen hat. Die Erinnerung an die ursprüngliche Fülle des Lebens, die bei Jesus wieder ganz real ist. Diese Fülle ist immer noch da, obwohl sie in dieser Welt der Sorge verborgen ist, aber wenn wir in den Spuren Jesu gehen, dann entdecken wir sie.

Wie die Welt für uns ist, dass hängt davon ab, wie wir sie sehen und in ihr leben. Schau auf Zahlen, Fakten und Kalorien, und die Welt wird bitter. Was du hast, zerrinnt dir unter den Händen. Inflation, Krieg und Krankheit können alles zerstören. Schau auf Gott und setze sein Reich an die erste Stelle, und du bekommst alles andere dazu. Jesus war der glücklichste Mensch, der je gelebt hat, und das ist sein Rezept dafür, seine Einladung, dieses Leben zu teilen.

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