Jul 152013
 

Predigt am 14. Juli 2013 zu Römer 15,14-24 (Predigtreihe Römerbrief 44)

14 Im Übrigen bin ich persönlich davon überzeugt, liebe Geschwister, dass ihr durchaus selbst in der Lage seid, all das zu tun, was gut und richtig ist; es fehlt euch in keiner Weise an der ´nötigen` Erkenntnis, und ihr seid daher auch fähig, einander mit seelsorgerlichem Rat zu helfen. 15 Wenn ich euch trotzdem geschrieben habe (und teilweise sogar recht offen), dann deshalb, weil ich euch einige Dinge in Erinnerung rufen wollte. Gott hat mich ja in seiner Gnade dazu berufen, 16 ein Diener Jesu Christi unter den nichtjüdischen Völkern zu sein. Indem ich ihnen das Evangelium Gottes bekannt mache, erfülle ich gewissermaßen einen priesterlichen Auftrag; denn sie sollen eine Opfergabe werden, an der Gott Freude hat, eine Opfergabe, die durch den Heiligen Geist geheiligt ist.
17 Dass ich so voller Freude und Stolz von meinem Dienst für Gott reden kann, hat seinen Grund einzig und allein in Jesus Christus. 18 Ich würde es niemals wagen, von dem zu reden, was ich getan habe, wenn nicht Christus durch mich gewirkt hätte, damit Menschen aus den nichtjüdischen Völkern das Evangelium annehmen. Er hat durch das gewirkt, was ich sagte und tat, 19 und hat es durch machtvolle Wunder und außergewöhnliche Dinge und durch die Kraft des Geistes Gottes bestätigt. Auf diese Weise ist es mir möglich gewesen, von Jerusalem aus in dem ganzen Gebiet bis hin nach Illyrien meinen Auftrag zu erfüllen und das Evangelium von Christus bekannt zu machen. 20 Dabei machte ich es mir zum Grundsatz, das Evangelium nur dorthin zu bringen, wo sich noch niemand zu Christus bekannte; denn ich wollte nicht da bauen, wo schon ein anderer das Fundament gelegt hatte. 21 Vielmehr hielt ich mich an die Schriftstelle, die sagt: »Die sollen es sehen, denen noch nie etwas von ihm gesagt worden ist; die, die noch nie von ihm gehört haben, werden es verstehen.«
22 Aus diesen Gründen ist es mir bisher nicht ein einziges Mal möglich gewesen, zu euch zu kommen, 23 obwohl ich mich doch schon seit vielen Jahren danach sehne, euch zu sehen. Jetzt aber habe ich in diesen Gebieten keine weitere Aufgabe mehr 24 und beabsichtige, nach Spanien zu reisen. Auf dem Weg dorthin hoffe ich euch nun endlich besuchen zu können, um die Reise dann mit eurer Unterstützung fortzusetzen, nachdem ich mich vorher wenigstens für eine kurze Zeit an der Gemeinschaft mit euch erfreut habe.

Paulus war ein Pionier. Einer der sich nicht in sicheren Gegenden aufhielt, wo das Leben bequem und überschaubar ist, sondern Paulus ging dahin, wo die Front war, wo Gottes Reich sich ausbreitete, wo die Herrschaft Jesu das Imperium der Kaiser und Gewaltherrscher in der Kraft des Heiligen Geistes zurückdrängte. Paulus war Pionier.

Ein Pionier

Siedler auf einem TreckVielleicht kennen Sie Pioniere aus Büchern oder Filmen, die von der Besiedelung des amerikanischen Westens erzählen: auf einer langen Reise mit dem Planwagen durchquerten sie unwegsame Gebirge und endlose Ebenen, sie überwanden reißende Flüsse, ertrugen Hitze und Kälte, bis sie endlich da angekommen waren, wo es noch keine Zivilisation gab, aber unberührtes Land: im wilden Westen. Und dann bauten sie ihre ersten Hütten und machten Land urbar, sie kämpften mit Hunger und Durst, mit Missernten und wilden Tieren, aber am Ende hatten sie mit ihrer Hände Arbeit etwas Neues geschaffen, eine Heimat, einen Platz zum Leben. Ich unterschlage heute mal, dass das auch ein riesiger Landraub an den Ureinwohnern war. In Amerika ist das auch lange verdrängt worden von der Erinnerung an diese Pionierzeiten, die immer etwas ganz besonders Bewegendes haben.

Paulus war so ein Pionier, aber er hatte keine Indianer auf dem Gewissen, sondern sein Weg führte ihn quer durch das römische Imperium an Orte, wo Menschlichkeit selten war. Und dorthin brachte er das Licht des Königs Jesus: in Gefängnisse und Verhörzellen, in die Hafenviertel antiker Großstädte, in römische Kasernen und Gerichtsstätten. Er proklamierte die befreiende Macht des auferstandenen Jesus: auf Marktplätzen, in Synagogen, in Privathäusern und Hörsälen, auf sinkenden Schiffen und in aufgeregten Menschenmengen, vor römischen Beamten und vor barbarischen Sklaven – immer wieder sprach er davon, dass Gott seinen Sohn gesandt hatte, den Messias, den König, der in der Kraft des Heiligen Geistes die Welt erneuert, der der wahre Herr ist, und der auf verborgene Weise durch Glaube, Liebe und Hoffnung schon jetzt diese Welt regiert.

Und wenn Paulus davon sprach, dann ging von ihm eine Kraft aus, die nicht seine eigene war. Der Geist Jesu war immer wieder da und gab den Zuhörern eine Ahnung von dem neuen Leben, das mit diesem Pionier Paulus zu ihnen gekommen war, und es waren nicht wenige, die von dieser Kraft angezogen und aus ihrer alten, verkehrten Bahn geworfen wurden und mit ihnen entstanden neue Orte des Lebens und der Freiheit, eine neue Heimat für Menschen mitten in der Wüste des grausamen Imperiums.

Und nachdem er im Osten des römischem Reiches in allen wichtigen Städten Gemeinden gegründet hat, da fühlt sich dieser Pionier dort überflüssig, sein Job ist getan, und er überlegt, wo jetzt noch vom Evangelium unberührte Gegenden zu finden wären. Die Auswahl ist gar nicht mehr so groß, er entscheidet sich für den äußersten Westen und plant, nach Spanien zu reisen.

Im Herzen der Supermacht

Und auf dem Weg dahin kann er endlich mal die Gemeinde in Rom besuchen. Diese Gemeinde ist quasi die Speerspitze der Christenheit. Im Zentrum des Imperiums, unter Nase des allmächtigen, göttlich verehrten Kaisers leben jetzt Christen, die Jesus den Herrn nennen und keinen anderen. Vom besiegten und unterworfenen Jerusalem aus hat es die Jesusbewegung schon bis ins Herz der Supermacht geschafft. Das ist eine Front ganz besonderer Art, da war Paulus noch nicht, andere waren vor ihm da, während er sich noch mit den Gegenden dazwischen abmühte.

Und er sagt den römischen Christen: keine Sorge, ich will bei euch nicht das Kommando übernehmen, ich mische mich nicht ein, wo andere ihren Job tun. Ihr seid bisher ganz gut ohne mich ausgekommen, und das ist auch ok. Aber vielleicht könnt ihr ja ein paar Hinweise von mir annehmen, immerhin hat Christus durch mich viel getan, es ist nicht ohne Substanz, was ich sage. Immerhin hat mich Jesus speziell dazu berufen, sein Beauftragter für die nichtjüdischen Völker zu sein. Und deswegen habe ich mich getraut, mich mit diesem Brief in eure Angelegenheiten einzumischen.

Paulus kannte nicht diese falsche Bescheidenheit, wo man sich ganz klein macht und sagt: ach, ich habe doch nicht viel getan. Paulus weiß, dass durch ihn Jesus schon die erste Hälfte der römischen Welt erreicht hat, und er plant auch für den Rest. Würde er ganz bescheiden davon reden, dann würde er das Werk Jesu kleinreden. Aber er macht deutlich, dass nicht ihm die Lorbeeren zustehen, sondern Jesus. Von dem kommt die Kraft, die durch Paulus wirkt. Und so sollen auch wir nicht das Werk Jesu, das durch uns geschieht, klein machen durch gezierte Bescheidenheit. Jesus macht Leute durchaus selbstbewusst, aber er macht sie nicht eingebildet.

Das Problem der römischen Christen

Paulus war immer mutig, ein Leben lang, und auch hier, als er aus der Ferne erkannte, dass es in Rom ein Problem gab, da fühlte er sich ganz selbstverständlich verantwortlich, etwas zu tun, ja: sich einzumischen – nämlich als Beauftragter Jesu speziell für die Christen aus den nichtjüdischen Völkern. Was war das Problem? Das kann man aus dieser Stelle hier nicht erschließen, sondern nur aus den Kapiteln vorher, eigentlich nur aus dem ganzen Brief.

Und was sagt Paulus mit seinem Brief? Liebe Christen aus den Heidenvölkern, ihr liegt mir ganz besonders am Herzen, meine Berufung ist es von Anfang an gewesen, dass ihr euren Platz in der Gemeinde Jesu einnehmt, und gerade deshalb sage ich euch: vergesst nicht eure Wurzeln im real existierenden Israel! Versteht, dass die ganze Jesusbewegung aus diesem misshandelten, unterdrückten, am Boden liegenden, aber immer noch rebellischen Israel kommt! Wenn ihr diese Wurzeln vergesst, dann werdet ihr zu irgendeiner neuen philosophischen Schule, eine Modebewegung, die kommt und irgendwann wieder verschwindet.

Vielleicht ist es manchen von uns im Lauf dieser Predigt­reihe zum Römerbrief aufgefallen, wie sehr Paulus im Rahmen des Alten Testaments denkt und argumentiert. Dauernd zieht er Linien aus der Geschichte des Gottesvolkes in seine Gegenwart. Denn es geht ihm nicht um abstrakte, theoretische Gedanken, sondern es geht darum, dass Gott sich ein real existierendes Volk berufen hat, das mitten in der Weltgeschichte seinen Weg geht. Daran hat sich auch durch Jesus nichts geändert, aber zu diesem Volk gehören jetzt nicht mehr nur Juden, sondern auch Heiden, Dazugekommene aus den anderen Völkern, die durch das Evangelium zum Gott Israels gefunden haben. Vielleicht ist es für euch Christen aus den Völkern anstrengend, mit den Leuten aus dem alten Gottesvolk zusammen zu sein, sagt Paulus, aber sie repräsentieren eure Wurzeln, und deshalb braucht ihr sie.

Luftige Ideensysteme oder geschichtliche Verankerung?

Warum ist das so wichtig? Weil wir alle ganz schnell in der Gefahr sind, aus der Jesusbewegung ein Ideensystem zu machen, das nichts mehr mit dem Leben und der Geschichte zu tun hat. Wenn wir in der Geschichte des Gottesvolkes verankert sind, mit der Befreiung aus der ägyptischen Sklaverei, mit seinen Königen und Priestern, mit seinen Kämpfen und Gesetzestexten, mit dem Impuls zu sozialer Gesetzgebung und realistischer Außenpolitik, mit all den Gotteserfahrungen mitten im Alltag von Recht, Politik und Arbeit, dann bleiben wir der realen Welt verbunden.

Ein Jude wie Paulus wusste, dass man Gott in dieser Realität des Lebens findet, aber die Christen aus den anderen Völkern, die waren immer in Gefahr, das zu vergessen. Die waren immer in Gefahr, diese Bindung an die Erde zu verlieren und sich aus den Konflikten dieser Welt in ein abstraktes Gedankensystem zu flüchten.  Gerade in Rom war es eine Versuchung, sich angesichts der erdrückenden Machtfülle der Supermacht lieber in die Innerlichkeit zu flüchten.

Verinnerlichung und Individualisierung

Was ist die Folge davon? Man bringt dann Gott nur noch mit dem inneren Raum der Seele in Verbindung, mit seinem inneren Frieden und seinem Gewissen, aber nicht mehr mit den Machtverhältnissen und Kämpfen in der äußeren Realität. Und damit verbunden ist die Individualisierung, d.h., dass man nur noch als Einzelner Gott für seine Seele sucht, und nicht mehr als Volk Gottes gemeinsam für Gott in dieser Welt steht. Nur durch Festhalten der Geschichte Israels bleibt man Gottes Weg in dieser Welt treu, und wenn man sich davon trennt, dann ist die Chance groß, dass man bei einer verinnerlichten und individualisierten Religion landet.

So ist es ja bis heute immer wieder geschehen, und am schlimmsten bei uns in Westeuropa. Kein Wunder, dass das Christentum bei uns hier so schwächelt. Uns fehlt genau dieser Pioniergeist eines Paulus: aufbrechen ins Unbekannte, wo noch keiner war, raus aus der persönlichen Komfortzone, rein in die Auseinandersetzung mit fremden Kulturen und Gedankenwelten. Dahin gehen, wo das Evangelium nicht bekannt ist, aber dringend gebraucht würde. Da wo die Welt schmutzig ist und wo sich zeigt, wieviel Power einer oder eine wirklich hat. Da lernt man, sich auf Gott zu verlassen.

So wie Jesus hingegangen ist zu den Menschen in den Konfliktzonen, wo die Mächte aufeinanderprallen und die Menschen beschädigt werden – wir haben ja vorhin in der Evangelienlesung (Matthäus 9,9-13) gehört, wie Jesus unter den Zöllnern sitzt: da, wo die gesellschaftlichen Widersprüche ihr zerstörendes Potential entfalten und wo man mit ein bisschen Moral und gutem Willen nicht weiterkommt. So sollen wir auch als die Mutigen bekannt werden, die dahin gehen, wo alle anderen weglaufen und die sich trauen, was sich kein anderer traut. Ein Volk werden, das nicht den Rücken beugt vor den Imperien und Mächten dieser Welt, eine Bewegung, in der man lernt, dass die Herren dieser Welt gehen, aber dass unser Herr kommt, und dass es immer eine Alternative gibt.

Das alles lernt man nicht, wenn es einem nur um seine persönliche Innerlichkeit geht; man lernt es aber, wenn man mit dem Evangelium in die reale Welt hineingeht, und da darauf angewiesen ist, dass Gott treu zu seinen Leuten steht. Das lernt man, wenn man verankert ist in der Geschichte des Gottesvolkes, wenn man seine Wurzeln in Israel und seiner Geschichte hat.

Heilsame Bindung an das alte Gottesvolk

Bis heute entfaltet diese Bindung ihre heilsame Wirkung: Als z.B. Dietrich Bonhoeffer in seiner Gefängniszelle ganz neue Gedanken übers Christentum entwickelte, die sich an der Gerechtigkeit Gottes und dem Reich Gottes mitten in der Welt orientierten, da hat ihm immer wieder das Alte Testament Mut gemacht, auf diesem Weg zu bleiben.

Und so versucht Paulus den römischen Christen den Rücken zu stärken, damit sie sich mitten im Zentrum der Supermacht nicht von der Geschichte, der Politik, der Kultur und der Welt überhaupt abkoppeln. Deshalb sollen sie mit ihren Wurzeln verbunden bleiben, und es sind die jüdischen Christen, die diese Wurzeln repräsentieren. Und vielleicht versucht er auch, ihnen ein bisschen von seinem Pioniergeist abzugeben.

Ob er wirklich noch nach Spanien gekommen ist, das weiß man nicht. Aber er ist auf jeden Fall nach Rom gekommen. Zwei Jahre hat er dort gewirkt, und es kann sein, dass er anschließend nach Spanien weitergereist ist. Vielleicht ist er aber auch in Rom zu Tode gekommen.

Ein Nebenprodukt wird zur Hauptsache

Egal – das Evangelium ist auf jeden Fall nach Spanien gekommen. Und mit dem Römerbrief hat Paulus viel entscheidender und nachhaltiger gewirkt, als wenn er noch so viele spanische Gemeinden gegründet hätte. Mit dem Römerbrief spricht er bis heute in unser Nachdenken hinein und hat mehr als eine weltgeschichtliche Bewegung angestoßen – die Reformation z.B., die Europa umgekrempelt hat, wäre nicht denkbar ohne den Römerbrief. Dabei war der Römerbrief eher ein Nebenprodukt des großen Planes, den Paulus hatte. Aber manchmal kommt es Gott viel mehr auf unsere Nebenprodukte an als auf unsere zentralen Ziele. Das ist doch ein schöner Gedanke!

Jul 132013
 

Predigt am 7. Juli 2013 zu 1. Petrus 2,2-10

2 Genauso, wie ein neugeborenes Kind ´auf Muttermilch begierig ist`, sollt ihr auf Gottes Wort begierig sein, auf diese unverfälschte Milch, durch die ihr heranwachst, bis das Ziel, eure ´endgültige` Rettung, erreicht ist. 3 Ihr habt von dieser Milch ja schon getrunken und habt erlebt, wie gütig der Herr ist.
4 Kommt zu ihm! Er ist jener lebendige Stein, den die Menschen für unbrauchbar erklärten, aber den Gott selbst ausgewählt hat und der in seinen Augen von unschätzbarem Wert ist. 5 Lasst euch selbst als lebendige Steine in das Haus einfügen, das von Gott erbaut wird und von seinem Geist erfüllt ist. Lasst euch zu einer heiligen Priesterschaft aufbauen, damit ihr Gott Opfer darbringen könnt, die von seinem Geist gewirkt sind – Opfer, an denen er Freude hat, weil sie sich auf das Werk von Jesus Christus gründen.
6 Gott sagt ja in der Schrift: »Seht, ich verwende für das Fundament auf dem Zionsberg einen Grundstein von unschätzbarem Wert, den ich selbst ausgewählt habe. Wer ihm vertraut, wird vor dem Verderben bewahrt werden.« 7 Euch also, die ihr glaubt, kommt der Wert ´dieses Steins` zugute. Doch was ist mit denen, die an ihrem Unglauben festhalten? ´Es heißt in der Schrift:` »Der Stein, den die Bauleute für unbrauchbar erklärten, ist zum Eckstein geworden.« 8 Und ´an einer anderen Stelle heißt es:` »Es ist ein Stein, an dem sich die Menschen stoßen, ein Fels, an dem sie zu Fall kommen.14« Sie stoßen sich ´an diesem Stein`, wie es allen bestimmt ist, die nicht bereit sind, Gottes Botschaft Glauben zu schenken.
9 Ihr jedoch seid das ´von Gott` erwählte Volk; ihr seid eine königliche Priesterschaft, eine heilige Nation, ein Volk, das ihm allein gehört und den Auftrag hat, seine großen Taten zu verkünden – die Taten dessen, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat. 10 Früher wart ihr nicht ´Gottes` Volk – jetzt seid ihr Gottes Volk. Früher wusstet ihr nichts von seinem Erbarmen – jetzt hat er euch sein Erbarmen erwiesen.

Der Bezugsrahmen, in dem sich Petrus im größten Teil dieses Abschnittes bewegt, ist der Tempel. Der dient ihm als Bild, mit dem er die Aufgabe der Gemeinde Jesu beschreibt.

Der Tempel als Bezugsrahmen

Dieses Bild konnte man damals bei vielen selbstverständlich voraussetzen – bei Juden sowieso, aber auch bei Menschen aus vielen anderen Kulturen und Völkern: wenn die an die Juden und ihr Land dachten, dann fiel ihnen der Jerusalemer Tempel ein. So wie wir an Wolkenkratzer denken, wenn jemand »New York« sagt. Aber der Tempel in Jerusalem war ein noch viel stärkeres Symbol: Der Tempel war im jüdischen Denken der Ort, wo sich Himmel und Erde berühren. Gott hatte selbst den Ort dieses Tempels ausgesucht, David hatte den Bau des Tempels vorbereitet, sein Sohn Salomo hatte ihn vollendet.

Sein Zentrum war das Allerheiligste mit der Bundeslade, in der die Gesetzestafeln lagen, die Gott Mose gegeben hatte. Das war der Ort, wo Gott auf Erden wohnte. Von diesem Ort aus aus strömte die lebendige und heilende Gegenwart Gottes in das ganze Volk. Nur ein einziger Mensch durfte da hinein, der Hohe Priester, und das auch nur einmal im Jahr. Draußen, vor dem Allerheiligsten, wurden die Opfer gebracht, durch die Menschen ihr Verhältnis zu Gott bestätigten, heilten oder erneuerten. Der Tempel war das gedankliche und praktische Zentrum des jüdischen Lebens.

Aber dieser Tempel war 600 Jahre vor Jesus von den Babyloniern zerstört worden, die Bundeslade war verschollen. Gott, so hatte es Hesekiel gesehen, hatte seinen Tempel verlassen. Und auch als der Tempel wieder aufgebaut wurde, blieb eine Zweideutigkeit: war Gott wirklich schon zurückgekehrt in diesen neuen Tempel? Und diese Frage verschärfte sich, als ausgerechnet König Herodes, der gar kein Jude war, den Tempel noch einmal in aller Pracht erneuerte. Er nahm ungefähr ein Viertel der Grundfläche Jerusalems ein. Als er fertig war, war er die größte und beeindruckendste Tempelanlage im ganzen römischen Imperium. Er war sozusagen unübersehbar. Und auch wenn viele aus gutem Grund skeptisch waren gegenüber seinem Erbauer und den führenden Priestern, die ihre Interessen verfolgten und mit den Römern paktierten – de facto diente der Tempel als Zentrum des über die ganze Welt verstreuten Judentums.

Das ist der Hintergrund, den man immer mit dazu denken muss, wenn vom Tempel die Rede ist, es ist die Bildwelt, in der sich auch Petrus bewegt: der Tempel ist der Ort von Gottes Gegenwart, hier berühren sich Himmel und Erde, hier wird das Verhältnis von Gott und Menschen geregelt.

Ein neuer Tempel?

Schon Jesus hat mit diesem Bezugsrahmen gearbeitet, als er sagte: brecht diesen Tempel ab, und ich werde ihn in drei Tagen wieder aufbauen. Oder er hat die Zerstörung des Tempels angekündigt und hat das Abendmahl in einem Privathaus eingesetzt. Und natürlich war für die Christen Jesus der Ort, wo man Gott begegnet, wo sich Himmel und Erde berühren.

Und Petrus setzt das jetzt fort für die Christenheit und sagt: ihr seid der neue Tempel, das neue Haus Gottes, ihr seid die Priester, die dafür sorgen, dass Gott und Menschen sich begegnen können. Bei euch kommt das wieder zusammen.

Wofür sind Priester und Tempel da?

Man muss sich klarmachen, was die Aufgabe von Priestern ist: Priester regeln für alle anderen die ganzen Gottessachen. Wenn jemand für etwas dankbar war, dann brachte er eine Opfer zum Tempel, und die Priester gaben es sozusagen an Gott weiter. Wenn jemand sich versündigt hatte, brachte er erst recht ein Opfer. Und natürlich, um etwas zu erbitten. Was auch immer man Gott bringen will, man gibt es den Priestern, und die leiten es weiter, die kennen die richtige Adresse. Ein bisschen davon erlebt man auch als Pastor im 21. Jahrhundert noch, wenn Menschen einem von den Dingen erzählen, die ihnen im Leben wichtig sind – die Familie, die Krankheiten, entscheidende Erlebnisse wie Unfälle oder früher besonders oft Kriegserlebnisse, und manchmal auch Ärger und Anklagen. Und man merkt dann: im Grunde möchten sie, dass sie von Gott gehört werden mit diesen Dingen, die ihnen wirklich wichtig sind.

Gleichzeitig sind die Priester auch die, die über Gott Bescheid wissen sollten, die ihn erklären können, die auch sagen können, was sein Wille ist und wie man sich verhalten soll. Priester repräsentieren Gott also in zwei Richtungen: man sagt und gibt ihnen, was man Gott sagen und geben will, und sie sprechen für Gott und im Namen Gottes und im Idealfall hört man auf sie wie auf Gott.

Nun wussten die Leute natürlich auch in der Antike schon, dass Idealfälle selten sind, und deshalb gibt es schon immer Kritik an den Priestern, dass sie in Wirklichkeit die Verbindung zu Gott blockieren, weil sie korrupt und geldgierig sind, weil sie selbst nicht glauben, was sie sagen, oder weil sie auch nicht wissen, was Gott denn nun wirklich will. Und natürlich ist jeder Tempel und jede Priesterschaft in Gefahr, dass sie von irgendeinem Machthaber kontrolliert und für seine Interessen eingespannt werden.

Der Tempel wird ersetzt

Wenn nun Petrus dieses Bild des Tempels mit seinen Priestern für die Christen benutzt, dann meint er nicht, dass nun die Christen in Priestergewändern herumlaufen und womöglich wie die Priester im Jerusalemer Tempel Tieropfer bringen sollen. Es ist ein Bild, ein Vergleich. Wenn ich zu jemandem sage: »du bist ein Schatz«, dann meine ich ja damit nicht, dass der andere aus Gold besteht und in einer Schatztruhe wohnt. Ich meine nur, dass er für mich sehr wertvoll ist. Er hat also die Funktion eines Schatzes, obwohl er nicht aus Gold besteht. Oder wenn ich sage: »der Kerl ist eine Nervensäge!«, dann meine ich nicht, dass er ein chirurgisches Instrument ist, sondern dass er den funktionierenden Zustand meines Nervensystems bedroht. Dazu braucht er aber keine scharfen Sägezähne aus Metall, sondern die Fülle seiner Worte und seiner Anliegen reicht dafür völlig aus.

Wenn also Petrus die Christen als Priester bezeichnet und die Gemeinde als Tempel, dann sagt er damit gerade nicht, dass sie sich so verhalten sollen wie die Priester im Jerusalemer Tempel, sondern dass sie die Funktion dieses Tempels erfüllen, obwohl sie kein Tempel sind. Und sie erfüllen diese Funktion auch nicht so, dass sie an einem Ort zu finden sind, sondern sie sind über die ganze Welt verstreut und auf diese Weise der Tempel nebenan, in der Nachbarschaft.

Das heißt, in Zukunft braucht man keine speziellen teuren Bauwerke mehr, sondern es gibt Gemeinschaften von Menschen überall auf der Welt, wo man hingehen kann, um Gott etwas zu sagen und etwas von ihm zu empfangen. So wie Jesus schon so etwas wie ein Tempel auf zwei Beinen war, und man ging zu ihm mit seinen Krankheiten und anderen Erfahrungen der Zerbrochenheit, man brachte ihm all die Menschen, an denen die Finsternis und das Leid dieser Welt besonders sichtbar wurden, und er heilte es alles.

Realität statt Symbol

Das war aber schon bei Jesus ein Unterschied zum alten Tempel: er brachte die Dinge und die Menschen wirklich in Ordnung. Der Jerusalemer Tempel war eher ein Symbol der Hoffnung darauf, dass es am Ende doch noch gut werden würde. Er hielt die Hoffnung wach, dass jenseits des Horizonts dieser gebrochenen Welt eine neue Welt wartet, er hielt die Erwartung wach, dass die Realität, die wir kennen, kein abgeschlossenes Gefängnis ohne Ausweg ist. Und sogar diese Hoffnung war schon heilsam.

Bei Jesus – und dann auch in der Christenheit – geht es aber um mehr: da meldet sich die neue Welt schon, da fängt die Heilung an, da beginnt das neue Leben, auf das die Zeremonien des Tempels hindeuten, ohne es schon zu verstehen. Alle Tempel sind mehr oder weniger gelungene Bilder für das, was bei Jesus und seinen Leuten zu geschehen beginnt.

Und da werden eben keine Tieropfer mehr gebracht, sondern »geistliche Opfer« – d.h., hier wird unser Leben Gott so zur Verfügung gestellt, dass er es mit dem Heiligen Geist gestalten und prägen kann. Wenn man ein Tier oder etwas anders Wertvolles opfert, dann sagt man ja damit: »Gott, das ist jetzt für dich«. Aber man bleibt selbst der Alte. In der Christenheit geht es darum, dass wir unsere Leben Gott zur Verfügung stellen, damit er sie mit seinem Heiligen Geist bewegt und wir nicht mehr die Alten bleiben.

Enklaven der Freiheit

Um in dem Beispiel zu bleiben: es geht also nicht nur darum, dass Menschen jemanden haben, wo sie mit ihren Lebensgeschichten samt Ärger und Anklagen gehört werden, sondern sie sollen heil werden, sie sollen eine neue, bessere Geschichte bekommen. Sie sollen herausgeholt werden aus ihrem Bündnis mit der Zerstörung in dieser Welt und zu Menschen des Lebens werden. Das haben wir vorhin in der Epistellesung gehört (Römer 6,3-11), dass Menschen durch die Taufe der Sündenmacht gestorben sind und jetzt damit nichts mehr zu tun haben.

Und das passiert dadurch, dass Jesus der Mittelpunkt ist, Petrus sagt: der Eckstein des Ganzen, dass er in seinen Worten und im Mahl, das er gestiftet hat, lebendig wird und dann eine Energie fließt, durch die Menschen verwandelt und erneuert werden, dass er Menschen mit einem frischen, neuen Leben beschenkt, dass er sie frei macht von ihrer Bindung an ihre Verletzungen und an die gottlosen Mächte dieser Welt. Das passiert in diesem neuen »Tempel« der Gemeinde, der aus lebendigen Menschen gebaut wird und nicht aus toten Steinen, aber es strahlt aus in die Umgebung. Wo die Wahrheit über die Welt und über die Menschen ausgesprochen wird, da blüht alles auf.

Und so gibt es dann überall in der Welt solche Enklaven der Freiheit, die den Menschen zeigen, dass Freiheit wirklich möglich ist, auch in einer Welt, in der wir überall überwacht, analysiert und manipuliert werden sollen. Nicht mehr die Herrscher bauen die Tempel, sondern die einfachen, normalen Menschen. Sie tragen keine Piestergewänder, aber sie kennen die Wahrheit. Sie opfern keine Tiere, sondern sie lassen sich ihr Leben von Gott erneuern. Sie brauchen keine besonderen Bauwerke, sondern ein Wohnzimmer kann zum Tempel werden. Aber auch eine Gefängniszelle oder ein Einkaufstempel. Und da braucht es keine Fachleute für ausgefeilte Zeremonien, sondern Spezialisten für Gottes Güte. Diese Tempel in der Nachbarschaft sind berufen, die Welt tatsächlich zu heilen.

Jul 052013
 

Predigt am 30. Juni 2013 zu Römer 15,1-13 (Predigtreihe Römerbrief 43)

Paulus1 Wir müssen als die Starken die Schwäche derer tragen, die schwach sind, und dürfen nicht für uns selbst leben. 2 Jeder von uns soll Rücksicht auf den Nächsten nehmen, um Gutes zu tun und aufzubauen. 3 Denn auch Christus hat nicht für sich selbst gelebt; in der Schrift heißt es vielmehr: Die Schmähungen derer, die dich schmähen, haben mich getroffen. 4 Und alles, was einst geschrieben worden ist, ist zu unserer Belehrung geschrieben, damit wir durch Geduld und durch den Trost der Schrift Hoffnung haben. 5 Der Gott der Geduld und des Trostes schenke euch die Einmütigkeit, die Christus Jesus entspricht, 6 damit ihr Gott, den Vater unseres Herrn Jesus Christus, einträchtig und mit einem Munde preist.

7 Darum nehmt einander an, wie auch Christus uns angenommen hat, zur Ehre Gottes. 8 Denn, das sage ich, Christus ist um der Wahrhaftigkeit Gottes willen Diener der Beschnittenen geworden, damit die Verheißungen an die Väter bestätigt werden. 9 Die Heiden aber rühmen Gott um seines Erbarmens willen; es steht ja in der Schrift: Darum will ich dich bekennen unter den Heiden und deinem Namen lobsingen. 10 An anderer Stelle heißt es: Ihr Heiden, freut euch mit seinem Volk! 11 Und es heißt auch: Lobt den Herrn, alle Heiden, preisen sollen ihn alle Völker. 12 Und Jesaja sagt: Kommen wird der Spross aus der Wurzel Isais; er wird sich erheben, um über die Heiden zu herrschen. Auf ihn werden die Heiden hoffen. 13 Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und mit allem Frieden im Glauben, damit ihr reich werdet an Hoffnung in der Kraft des Heiligen Geistes.

Paulus schreibt an die Gemeinde in Rom, damit sie sich nicht auseinanderdividieren lässt. Die sind auf ganz unterschiedlichen Wegen zu Jesus gekommen, sie haben es sowieso schon schwer miteinander, und anscheinend steht ihr Zusammenhalt auch von außen unter Druck.

Ein Ort, wo Feindschaft überwunden ist

Aber genau diesen Zusammenhalt sollen sie festhalten, denn es gehört zur Stärke einer christlichen Gemeinde, dass da Gegensätze zusammengebracht werden, die sonst in der Gesellschaft nicht überbrückt werden können. In Rom gab es die enorm Reichen und Mächtigen, die sich in jeder Hinsicht bedienen lassen konnten und über den Weg ganzer Völker bestimmten, und es gab die Armen, Machtlosen und Überflüssigen, die von staatlichen Getreidezuteilungen leben mussten. Die Gesellschaft fiel auseinander, und die christlichen Gemeinden hatten als einzige eine Basis, auf der Arme und Reiche zusammen kamen, wo Menschen aus den unterschiedlichen Kulturen des Weltreichs zusammen leben konnten. Diese Basis will Paulus ganz deutlich machen, und deshalb redet er so ausführlich über das Verhältnis von »Starken« und »Schwachen«, wie er sie nennt.

Er tut das schon das ganze vorige Kapitel hindurch, aber jetzt wird erst richtig sichtbar, dass es dabei in Rom vor allem um das Verhältnis von Christen jüdischer Abstammung und Christen mit Wurzeln in den anderen Völkern geht. Aber dabei wird das Lösungsmuster sichtbar, das auch für alle anderen Bruchlinien gilt, die aus der Gesellschaft in die christlichen Gemeinden hineinkommen.

Eine Gemeinde ohne ihre jüdischen Wurzeln

Die römische Gemeinde war lange eine Gemeinde ohne Christen mit jüdischen Wurzeln, denn der Kaiser Claudius hatte ein paar Jahre zuvor allen Juden den Aufenthalt in Rom verboten. Für Römer und Griechen waren Juden verdächtig: ein Volk mit einem unbezähmbaren Freiheitswillen, der immer wieder aufflackerte; sie hatten sich nie wirklich daran gewöhnt, dass sie unter der Herrschaft des Imperiums leben mussten. Sie lebten anders, sie dachten anders, sie hatten einen Gott, der anders war als alle anderen Götter in der heidnischen Welt. Sie hatten merkwürdige religiöse Regeln. Irgendwie waren sie faszinierend, aber gleichzeitig hatte man Angst, dass sie vielleicht doch Terroristen wären und morgen Bomben legen würden – man weiß bei solchen Leuten ja nie!

Kaiser Claudius hatte eine Radikallösung für die Hauptstadt angepeilt und sie alle vertrieben. Erst sein Nachfolger erneuerte die Vorschrift nicht mehr. Und so kamen die jüdischen Christen nach Rom zurück. Aber dort in der Gemeinde waren inzwischen viele, die sie gar nicht mehr kannten. Und das war eine schwierige Neubegegnung, weil die Christen mit jüdischen Wurzeln meist nach den Regeln lebten, die für ihr Volk seit vielen Jahrhunderten galten und durch die sie sich von allen anderen unterschieden.

Beieinander bleiben

Paulus war ebenfalls Jude, aber ihm war klar geworden, dass seit Jesus nicht mehr Speisevorschriften und ähnliche Regeln das Kennzeichen des Gottesvolkes waren, sondern die Zugehörigkeit zu Jesus, dem Messias, der seinen Leuten den Heiligen Geist schenkt. Seit Jesus geht es nicht mehr um defensive Abgrenzung von der Welt der Heiden und von ihren Gewaltreichen, sondern von jetzt an werden diese Reiche voller Korruption und Gewalt offensiv unterwandert. Von jetzt ab heißt es: liebevoller Angriff statt defensive Abgrenzung!

Aber Paulus wusste noch selbst, wie schwer es war, diesen Schwenk zu vollziehen, die alten Muster aufzugeben, die viele Generationen mit aller Kraft verteidigt hatten. Und er sagt: wenn jetzt die Einen zwar an Jesus glauben, aber diese Muster, die ihnen in Fleisch und Blut übergegangen sind, nicht aufgeben wollen, dann lasst euch an dieser Frage nicht auseinanderbringen. Und auch wenn ihr vielleicht in einen schlechten Ruf kommt, weil es bei euch so viele gibt, die in der Gesellschaft skeptisch betrachtet werden, auch wenn ihr es riskiert, deswegen alle schief angesehen zu werden: haltet fest an dieser Gemeinschaft der Verschiedenen.

Gemeinschaft entsteht durch Verantwortung

Und er erinnert an Jesus und sagt: der hat doch auch nicht sich selbst zu Gefallen gelebt, d.h. der hat sich auch nicht von Menschen getrennt, die für ihn eine Belastung waren. Deswegen haben wir vorhin in der Lesung die Geschichte davon gehört, wie Jesus seinen Jüngern die Füße wäscht (Johannes 13,1-16). Das ist ein ganz tiefes Symbol; er hat sich um den Dreck gekümmert, der an den anderen klebte. Das war nicht sein Problem, sondern ihres. Aber er hat es trotzdem zu seinem gemacht.

Das gilt übrigens nicht nur in der Gemeinde Jesu: Jede Gemeinschaft fällt auseinander, wenn alle sich nur um ihre eigenen Sachen kümmern und zu den anderen sagen: das ist dein Problem. Gemeinschaft entsteht nicht, wenn es allen gut geht und keiner Probleme hat. Gemeinschaft entsteht, wo Menschen merken, dass sie sich in Schwierigkeiten aufeinander verlassen können. Das haben uns die Überschwemmungen mit ihrer großen Hilfsbereitschaft in den letzten Wochen wieder deutlich gezeigt. Der Zusammenhalt einer Gesellschaft hängt daran, dass man sich auch für die verantwortlich weiß, die es gerade besonders schwer haben. Wenn das immer mehr ausgedünnt wird, wenn alle nur noch als Einzelne auf eigene Rechnung leben, dann bleibt am Ende nur noch ein Kampf aller gegen alle übrig. Wenn jeder nur noch die Ellbogen benutzt, dann geht es allen schlechter.

Die verheerende Wirkung der wuchernden Marktbeziehungen

Wenn also bei uns immer mehr Lebensbereiche als Markt angesehen und so auch organisiert werden, dann höhlt das auf die Dauer den Zusammenhalt und die Solidarität der Gesellschaft aus. Es treibt die Menschen in ein Gegeneinander, in Konkurrenz und sogar Feindschaft hinein. »Markt« bedeutet: menschliche Beziehungen werden in Bezahlbeziehungen verwandelt; man ist nicht mehr persönlich verbunden, sondern durch Geldflüsse. Du bist dem andern eine bezahlte Leistung schuldig, aber nichts anderes. Du bist für seinen Dreck nur so lange zuständig, wie er dafür bezahlt. Das ist der Solidarität, die Jesus gelebt hat, ziemlich entgegengesetzt.

Keine Ermutigung für Trittbrettfahrer

Nun muss man nach einer langen christlichen Geschichte allerdings auch sagen: das bedeutet nicht, dass man in der Gemeinde wehrlos gegen Trittbrettfahrer wird, die sich auf dieser Solidarität ausruhen möchten. Die Christen mit jüdischen Wurzeln, für die Paulus sich hier so einsetzt, die brachten ja etwas ein: die Energie, mit der sie ihre Tradition festhielten. Das war nicht das, was Paulus sich gewünscht hätte, aber Energie war es. Jeder kann etwas einbringen, Großes oder Kleines, aber was er einbringen kann, das soll er auch tun. Die Gemeinde ist kein Ort für Leute, die sich bedienen lassen wollen. Aber die unterschiedlichen Menschen, Starke und Schwache, sollen zur Ehre Gottes beieinander bleiben.

Eine Gemeinde, die Gott Ehre macht

Und Paulus zitiert einen Psalm, wo es heißt: »Die Schmähungen derer, die dich schmähen, haben mich getroffen«. Das beschreibt die Solidarität Jesu mit Menschen, die ihm keine Ehre machen. Es beschreibt aber auch die Solidarität in der Gemeinde. Das gehört beides zusammen. Die reale Praxis der Gemeinde soll Gottes Solidarität sichtbar machen, so dass Menschen daran etwas von Gott erkennen: nämlich die neue, versöhnte Menschheit, die Gott schon im Blick hatte, als er Abraham berief.

Lange Zeit musste er Abrahams Volk getrennt von den anderen Völkern halten, weil da erst das Neue heranwachsen sollte. Aber jetzt, wo mit Jesus der neue Mensch nach dem Herzen Gottes erschienen ist, jetzt gehören zum Gottesvolk Menschen aus allen Völkern und allen Klassen, Männer und Frauen, multikulturell. Jetzt sollen alle Menschen an der Gemeinde Jesu sehen können, wie die Schranken, Trennlinien und Feindschaften aller Art überwunden werden können und Menschen so miteinander leben, dass die Unterschiede zum Reichtum werden und nicht mehr zu einem Anlass von Misstrauen, Streit und Abgrenzung. Wenn Menschen sich so gegenseitig annehmen, dann sagt das etwas Wichtiges über ihren Gott.

Paulus zitiert hier immer wieder seine Bibel, das Alte Testament, wo schon lange Spuren dieser universalen Hoffnung für die ganze Welt und die ganze Menschheit verstreut sind. Vielleicht sind die lange Zeit unbeachtet geblieben, aber jetzt entdeckt er sie und sagt: schaut an, das war schon immer Gottes Ziel, das hat er schon seit alters her gesagt, auch wenn wir es bisher noch nicht recht verstanden haben.

Ermutigung durch die Schrift

So wird die Bibel zu einer Quelle der Ermutigung, weil man dort sehen kann, wie beharrlich und langfristig Gott sein Ziel verfolgt hat. 1000 Jahre hat es gebraucht, um die Bibel zu schreiben kein einzelner Mensch hat sich das ausgedacht, auch nicht eine einzige Generation, sondern Gott hat 1000 Jahre lang diese Geschichte vorangebracht, und erst von Jesus aus sieht man im Rückblick, dass es schon immer auf Jesus hinausgelaufen ist.

Wenn Gott aber über so lange Zeit seine Ziele beharrlich und unbeirrbar verfolgt hat, dann tut er es bis heute, und dann können wir zuversichtlich sein, wenn wir mal wieder in Problemen stecken und uns darum sorgen, wie es weitergehen kann. Das kommt immer wieder vor in der Geschichte des Gottesvolkes, aber Gott hat immer dafür gesorgt, dass es eine Lösung gab. Dieser Blick zurück in die Bibel soll Hoffnung und Geduld geben. Hoffnung und Geduld gehören ja zusammen: wer Hoffnung hat, der macht ganz beständig weiter. Er ist nicht von schnellen Erfolgen abhängig; er weiß, dass manches, was in einer Generation begonnen wird, erst in der nächsten oder übernächsten oder noch später seine Früchte trägt.

Der „Gott der Geduld“

Gott wird hier sogar als »Gott der Geduld« bezeichnet. Gott kann warten, er muss nicht etwas erzwingen, wofür die Zeit noch nicht reif ist. Er arbeitet unbeirrt weiter auch durch alle Irrungen und Wirrungen der Menschengeschichte hindurch an seinem Ziel einer neuen, versöhnten Menschheit, die Gottes Freude und Solidarität widerspiegelt, und die in der durch Jesus versöhnten Gemeinde schon erkennbar wird.

Und wenn Gott nichts erzwingen muss, sondern abwartet, bis die Zeit gekommen ist, und der Menschheit die nötige Zeit zugesteht, dann müssen wir auch untereinander nichts erzwingen. Dann können wir Geduld miteinander haben – Gott wird das gute Werk vollenden, das er unter uns begonnen hat. Geduld heißt: dranbleiben und warten können, sie bedeutet aber auch: warten und dabei dranbleiben.

Angekommen

Damit ist Paulus noch nicht mit dem Römerbrief fertig, aber er ist am Ziel seines theologischen Gedankenganges angekommen. Alles, was er in den 15 Kapiteln bis hierher geschrieben hat, läuft auf dieses Ziel hinaus: eine erneuerte, versöhnte Menschheit, die die ihr zugedachte Rolle in der Schöpfung wahrnimmt, so dass alle Kreaturen aufatmen und jubeln.

Und die Gemeinde soll ein Ort der Hoffnung sein, wo wir das Neue jetzt schon erleben, mitten im Alten, und denken: wenn das hier schon möglich ist, dann gibt es Hoffnung für die ganze Welt, für den ganzen Kosmos.

Jul 042013
 

Predigt am 23. Juni 2013 zu Epheser 1,3-10

3 Gesegnet sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus! Er hat uns durch Christus gesegnet mit jedem nur denkbaren geistgewirkten Segen in der himmlischen Welt. 4 In ihm hat er uns ausgewählt, schon bevor der Grund der Welt gelegt wurde, damit wir heilig und untadelig vor ihm seien in Liebe. 5 Er hat uns vorherbestimmt, seine Söhne und Töchter zu werden durch Jesus Christus. Das war sein Plan, das war seine Freude; 6 so sollte seine Gnade in voller Größe und Herrlichkeit sichtbar werden, mit der er uns beschenkt hat durch seinen geliebten Sohn.
7 Durch ihn und durch sein Blut haben wir die Befreiung – denn unsere Sünden sind vergeben. Daran zeigt sich der Reichtum seiner Gnade, 8 mit der er uns verschwenderisch beschenkt hat. Ja, mit großer Weisheit und Übersicht 9 hat er uns sein verborgenes Ziel wissen lassen, so wie er es bei sich schon längst beschlossen und in Jesus begonnen hatte 10 als Entwurf für den Moment, an dem die Zeit dafür reif wäre. Sein Plan ist es, den ganzen Kosmos im Christus zu vereinen, Himmel und Erde, in ihm.

Paulus beginnt den Epheserbrief mit einem kosmischen Panorama, einer Gesamtschau dessen, was Gott mit der Welt vorhat. So, wie wenn du in einer großen Stadt auf den Funkturm fährst oder mit einem Ballon aufsteigst und auf einmal siehst du alles unter dir liegen und sagst: oh, schau mal, da waren wir! Und da ist das Restaurant, wo es das leckere Eis gab! Und da haben wir die Füße in den Brunnen gehalten! Und da haben wir uns verlaufen, und dabei waren wir doch schon ganz nah dran an dem Kino, wo wir hin wollten!

Worauf es von Anfang an hinauslief

So zeigt uns Paulus hier Gottes Gesamtplan, den er von Anfang an hatte. Die ganze Welt lief darauf hinaus, aber früher konnte es noch niemand verstehen. Die Menschen haben sich mehr oder weniger zutreffende Vorstellungen vom Sinn der Welt gemacht, aber erst jetzt, von Jesus her, wird das ganze Bild erkennbar. Erst jetzt kann man verstehen, worauf das alles hinauslaufen sollte, wozu die ganze Geschichte mit ihren Irrungen und Wirrungen gut war. Und jetzt können wir auch unseren persönlichen Weg da einordnen und verstehen, was Gott im Sinn hatte, als er uns so geführt hat.

Was ist Gottes Ziel? Er will den ganzen Kosmos in Christus vereinen. Das Wort, das er an dieser Stelle benutzt, trägt in sich mehrere Assoziationen: es ist ein kaufmännischer Ausdruck und bedeutet einmal, dass man die Summe zieht und aufschreibt, was bei einem Geschäft nun am Ende herausgekommen ist. Bei der ganzen Geschichte Gottes mit der Welt soll am Ende herauskommen, dass Himmel und Erde von Jesus geprägt werden, dass der ganze Kosmos sozusagen Jesus-artig, Jesus-förmig wird.

Das Wort hat aber auch mit dem Kopf zu tun, mit dem Zentrum, von dem aus der ganze Körper gesteuert wird, und man könnte sagen: Jesus soll das Zentrum werden, von dem her die ganze Welt eine Einheit wird. Jesus ist der König der Welt, und das hatte Gott schon im Sinn, als er die Fundamente der Welt legte. Dafür hat er sie geschaffen, erst mit Jesus ist sie vollständig.

Die Blaupause der neuen Welt

Man merkt schon, das ist schwer auszudrücken und noch schwerer vorstellbar, aber vielleicht kann man doch ein paar Linien ziehen. Am einfachsten ist es noch bei den Menschen: die ganze Menschheit soll nach der Art Jesu leben. Jesus ist sozusagen der Prototyp, er ist der Entwurf, an ihm können wir ablesen, auf welche Spur Gott die ganze Menschheit gesetzt hat. Stellt euch seine Freiheit vor, seine verschwenderische Großzügigkeit, seine Klarheit in allen Situationen, vor allem aber sein intensives Gespür für Gottes Sicht der Welt, seine Einheit mit dem Vater im Himmel – so soll die ganze Menschheit werden.

Und wenn man daran denkt, wieviel schon der einzelne Mensch Jesus mit seiner Art bewegt und bewirkt hat, was er für eine Vollmacht entwickelt hat, obwohl er nur einer war, dann ist es nicht wirklich vorstellbar, wie eine Welt aussehen würde, in der die ganze Menschheit so handelt wie Jesus.

Denkt nur mal daran, wie er Tausende Menschen wunderbar satt gemacht hat – das wäre der Entwurf für eine Weltwirtschaft, durch die alle Menschen genug haben und satt werden. Eine Wirtschaft, die auf Geben und Schenken beruht statt auf Habenwollen und Festhalten. Eine Welt, wo die Produktion und Verteilung der Güter uns mit anderen Menschen und mit der Schöpfung verbindet, anstatt uns in die Abhängigkeit von zerstörerischen Mächten und Märkten zu bringen, die die Menschen gegeneinander ausspielen und die Umwelt zerstören. Eine Welt, die sich nach dem Muster bewegt, das Jesus bis zum Tod durchgehalten hat: opferbereite Liebe statt Ellbogengesellschaft.

Das ist eine Welt, in der die Menschen und die anderen Geschöpfe versöhnt sind, wo wir für die stummen Kreaturen nicht mehr ein Schrecken sondern, sondern wo wir ihrer Lebensfreude eine Stimme geben und auch ihr Lob des Lebens vor Gott bringen. Eine Welt voller Schönheit, wo unsere Bauten und die Natur harmonieren und wir nicht mehr das Antlitz der Erde mit Betonklötzen, Plastikfassaden und Blechprofilen verhunzen.

Oder die Heilungen Jesu: die geben uns eine Ahnung davon, wie sich eine Welt anfühlen würde, in der wir nicht mehr mit den Unzulänglichkeiten und Schmerzen unseres Körpers kämpfen müssten.

Und wir müssen auch noch den ganzen kosmischen Bereich dazu nehmen. Damals wusste man ja noch gar nicht, wie groß das All mit seinen gewaltigen Räumen wirklich ist. Irgendwie würde eine von Jesus geprägte Menschheit auch das alles einbeziehen, aber da kommt unser Vorstellungsvermögen wirklich an seine Grenzen.

Alles bekommt seinen Platz

Aber so weit ist es ja auch noch nicht. Bisher haben wir erst Jesus, aber in ihm spiegelt sich schon der ganze Plan Gottes. Jesus ist der Prototyp, die neue Welt im Kleinen, und schon so hat er die alte Welt, den Himmel und die Erde, bewegt und erschüttert wie kein anderer.

Wenn wir die Geschichte von diesem Zentrum her ansehen, dann bekommen die einzelnen Dinge und auch unser eigenes Leben einen Platz in diesem großen Zusammenhang. Unsere Medizin ist dann etwa ein großer Schritt voran in eine gute Richtung, aber wir verstehen, dass Heilung immer Körper und Seele und den Geist umfassen muss. Oder der wissenschaftliche Fortschritt – der ist ein wichtiger Schritt voran im Verstehen der Welt, aber wir können nicht akzeptieren, dass da die Welt meistens als toter Stoff angesehen wird, mit dem man machen kann, was man will.

So kommt von Jesu her alles, was Menschen tun, an seinen richtigen Platz: in seiner Begrenztheit, manchmal auch in seiner Zerstörungskraft, aber auch in seiner Stärke und Lebenskraft, und man kann fast immer sagen: was wird das erst geben, wenn die Menschheit befreit ist von der Versklavung unter die Mächte, von ihrer Verstrickung ins Verkehrte, wie großartig wird das dann erst sein!

Und so findet auch unser Leben seinen Platz in diesem großen Szenario. Dass wir zu Jesus gefunden haben, dass wir mit ihm verbunden sind und von ihm befreit werden. Das alles ist Teil seines Gesamtplans, und wir haben da sogar eine ganz besondere Funktion: wir sind die ersten Befreiten, die begonnen haben, den Duft der neuen Welt zu schnuppern. Wir sind die ersten, die Gottes Plan kennen und feiern können. Die Weltgeschichte ist nicht einfach ein wirres Chaos, kein konzentriertes Knäuel aus Irrtum und Bosheit, sondern in allem bringt Gott auch seinen guten Plan voran, und wir sollen das schon wissen.

Welche Geschichte erschließt uns die Welt?

Aber indem wir das wissen, sind wir schon ein Aktivposten in Gottes Plan. Wir verstehen, dass es darum geht, alles in Christus, dem König, zu vereinen. Und dann bekommen alle Dinge diese Bedeutung, dass sie Teil eines größeren Ganzen sind. Dann kannst du mit Leuten reden und die Straße fegen und das Mittagessen machen und mit Computern kämpfen und immer ist das ein Teil von etwas Größerem. Wenn du das aus der Liebe zu den Menschen und der Freude an Gott und seiner Schöpfung machst, dann baust du da schon an der neuen Welt. Du bist schon ein Teil dieser Welt. Das ist jetzt noch gar nicht richtig sichtbar, aber wenn Himmel und Erde einmal vereint sind, wenn die Grenze dazwischen gefallen ist, dann wird es offenbar werden.

Und so erzählen wir immer wieder diese neue Geschichte der Welt, damit wir sie nicht vergessen oder aus den Augen verlieren. Wir lassen uns ja immer wieder schnell in andere Gedankenverbindungen hineinziehen. Es gibt viele andere Leitbilder dafür, was die Welt sein könnte. Vielleicht ist sie ja ein Dschungel, in dem ich mit aller Kraft gegen die anderen kämpfen muss, um wenigstens ein bisschen Glück und Leben zu haben? Oder sie ist eine Bühne, die stündlich auf meinen großen Auftritt wartet. Oder sie ist ein Zufall, entstanden aus einem Spiel von Materie und Naturgesetz, ohne jeden Sinn, gleichgültig, und genauso wird sie wieder vergehen. Oder sie ist ein Sklavenhaus, in dem man den ganzen Tag herumgescheucht wird, und am Ende seines Lebens blickt man dann bitter zurück und fragt sich: was hab ich davon gehabt?

Die Geschichte neu erzählen

Weil es diese und noch viele andere Bilder gibt, und weil die auch immer eine gewisse Plausibilität haben, deshalb müssen wir uns immer wieder in Gottes Sicht der Welt hinein holen lassen. Und zwar nicht als abstraktes Wissen, das ist gerade mal der Anfang, sondern als praktische Grundhaltung, wie wir mit der Welt und den Menschen umgehen. Das soll uns Tag für Tag begleiten und gestalten, dass die Welt für Jesus vorbereitet und geplant ist, dass seine Art zu leben der Schlüssel ist. Die Bergpredigt und überhaupt der Weg Jesu ist die wahre Gebrauchsanweisung für die Welt. Und es ist unsere Aufgabe, im Einzelnen herauszufinden, was das für uns und unser Leben bedeutet. In der Bibel stehen eben nicht Anweisungen für jede denkbare Situation, sondern es ist eine Grundgeschichte, die wir dann Tag für Tag mit unserem Leben nacherzählen und weitererzählen.

Ein Gebet

Und Paulus redet darüber hier am Anfang des Epheserbriefs in der Form eines Gebets. Der Mann saß damals wohl im Gefängnis, aber er dankt Gott für die Freiheit, die er uns allen geschenkt hat. Gesegnet sei Gott, der uns gesegnet hat! Danke Gott, dass du uns berufen hast, dass du uns befreit hast! Paulus denkt nach dem Muster der Befreiung des Volkes Israel aus Ägypten, aber jetzt sind die Sklavenhalter nicht mehr andere Menschen, sondern es ist unsere Verstrickung in das falsche Grundmuster der Welt, die Sünde, die uns gefangen hält und klein macht, aber Jesu hat uns von dieser Sklavenhalterin befreit. Deshalb kann man jetzt auch im Gefängnis ein freier Mensch sein. Danke, dass du uns mit einbeziehst in deine große Geschichte! Danke, dass du uns durch Jesus gezeigt hast, was Liebe ist und wie gut die für alle ist. Danke, dass wir deine Söhne und Töchter geworden sind, die du einweihst in deinen Plan. Danke, dass du die Welt für Jesus und seine Art zu leben geschaffen hast, dass sie genauso ist und nicht anders. Danke, dass wir jetzt schon Bürger dieser neuen Welt sind. Danke, dass du deine Freude an deiner Schöpfung mit uns teilst.