Jan 282013
 

Predigt am 27.01.2013 zu Kolosser 3,9-16

Am Anfang des Gottesdienstes war eine Theaterszene zu sehen, in der sich zwei Kundinnen beim Frisör über die Stabilität von Ehen in ihrem Bekanntenkreis austauschten.

9 Belügt einander nicht mehr! Ihr habt doch das alte Gewand ausgezogen – den alten Menschen mit seinen Verhaltensweisen – 10 und habt das neue Gewand angezogen – den neuen, von Gott erschaffenen Menschen, der fortwährend erneuert wird, damit ihr ´Gott` immer besser kennenlernt und seinem Bild ähnlich werdet. 11 Was diesen neuen Menschen betrifft, spielt es keine Rolle mehr, ob jemand Grieche oder Jude ist, beschnitten oder unbeschnitten, ungebildet oder sogar unzivilisiert, Sklave oder freier Bürger. Das Einzige, was zählt, ist Christus; er ist alles in allen. 12 Geschwister, ihr seid von Gott erwählt, ihr gehört zu seinem heiligen Volk, ihr seid von Gott geliebt. Darum kleidet euch nun in tiefes Mitgefühl, in Freundlichkeit, Bescheidenheit, Rücksichtnahme und Geduld. 13 Geht nachsichtig miteinander um und vergebt einander, wenn einer dem anderen etwas vorzuwerfen hat. Genauso, wie der Herr euch vergeben hat, sollt auch ihr einander vergeben. 14 Vor allem aber bekleidet euch mit der Liebe; sie ist das Band, das euch zu einer vollkommenen Einheit zusammenschließt. 15 Der Frieden, der von Christus kommt, regiere euer Herz und alles, was ihr tut! Als Glieder eines Leibes seid ihr dazu berufen, miteinander in diesem Frieden zu leben. Und seid voll Dankbarkeit ´gegenüber Gott`! 16 Lasst die Botschaft von Christus bei euch ihren ganzen Reichtum entfalten. Unterrichtet einander ´in der Lehre Christi` und zeigt einander den rechten Weg; tut es mit der ganzen Weisheit, ´die Gott euch gegeben hat`. Singt Psalmen, Lobgesänge und von Gottes Geist eingegebene Lieder; singt sie dankbar und aus tiefstem Herzen zur Ehre Gottes.

Paulus beschreibt hier, wie die neue Gesellschaft funktioniert, die Gott ins Leben rief, als er durch Jesus Menschen versammelte. Ihr habt den alten Menschen ausgezogen, sagt Paulus. Der »alte Mensch« – damit meint er die ganzen Verhaltensmuster, die das Zusammenleben unter den Menschen prägen und die wir im Laufe unseres Lebens angenommen haben. In der Regel tun wir das nicht bewusst, sondern wir machen nach, was wir andere tun sehen, zuerst in unserer Familie, dann in der Schule unter Gleichaltrigen, und später bei der Arbeit, in Vereinen und Gruppen und wo wir sonst aktiv sind. Im Lauf der Zeit wird das sozusagen unsere zweite Natur, wir stecken drin wie in unseren Kleidern.

Überlegt euch, was man alles anzieht, wenn es draußen kalt ist wie in diesen Tagen! Das kann ganz schön mühsam sein, sich aus den vielen Schichten zu pellen, die man zum Schutz gegen Kälte angezogen hat. Oder ein Kind aus seinem Schneeanzug und den Winterstiefeln herauszuziehen. Das ist richtige Arbeit. Und genauso ist es Arbeit, all die Verhaltensmuster zu erkennen und zu ändern, die uns von klein auf wie eine zweite Haut umgeben.

Der Vergleich mit Winterkleidung passt auch deshalb, weil uns viele Verhaltensweisen eben auch schützen sollen vor der sozialen Kälte unter den Menschen. Wir wollen nicht runtergemacht werden, wir wollen nicht verletzt werden, und deshalb haben wir mehr oder weniger gut gelernt, die Schutzschilde hochzufahren, zurück zu schießen, lieber selbst zu beißen, als gebissen zu werden. Für einige ist das sehr schwer zu lernen; andere können das intuitiv und leben in der Überzeugung, dass Angriff die beste Verteidigung ist. So gehen sie durch die Welt, und für die anderen ist das in der Regel anstrengend und unangenehm.

Wahrscheinlich kennen wir alle Menschen, mit denen wir nicht gern zusammen sind, weil man sich hinterher schlecht fühlt, oder auch richtig beschmutzt, und manchmal weiß man gar nicht warum. Erst wenn man darüber nachdenkt, dann wird einem klar, wieviel Abwertung oder Schuldzuweisung da jemand zu uns rübergeschoben hat, oder wie wenig Respekt einer vor dem persönlichen Bereich eines anderen hat und wie übergriffig und aufdringlich er ist.

Egal, ob wir dabei mehr Täter oder mehr Opfer sind, diese Muster kleben an uns wie nasse Klamotten an einem Kind, das den ganzen Nachmittag draußen in Matsch und Schnee war. Und die Gemeinde ist Gottes Akademie, wo wir neue, bessere Muster lernen sollen. Das Problem dabei ist, dass es niemanden gibt, der schon ausgelernt hätte, sondern nur einige, die schon etwas länger auf dieser Akademie sind, und manchmal haben sie dann auch wirklich schon mehr gelernt. Aber im Prinzip müssen die Erzieher selbst erzogen werden, und die Therapeuten müssen selbst geheilt werden.

Deshalb bringt Gott durch die Gemeinde Menschen in eine Situation, wo sie miteinander und aneinander lernen, wie gute und hilfreiche Verhaltensmuster aussehen. Gott mixt alle möglichen Arten von Menschen zusammen, dann fügt er sein Wort dazu und dann lässt er diese Mischung miteinander arbeiten. Manchmal blubbert und knirscht es dabei ganz schön, manchmal geht was schief, Gefahren lauern rechts und links am Weg, aber das ist einkalkuliert. Aus allem kann man lernen. Du kriegst kein Handbuch für alle denkbaren Situationen, wo du nur nachschlagen musst. Aber wenn Gottes lebendiges Wort mit dabei ist, dann geht einem im richtigen Moment auf, was jetzt nötig ist. Es gibt keine Situationen, in denen man sagen müsste: das ist so verfahren, da ist nichts mehr zu machen. Und je intensiver du dabei bist, um so mehr wirst du verstehen, wie Menschen funktionieren und wie die neuen Verhaltensmuster aussehen, die allen gut tun.

Erinnert euch an die Lesung vorhin (Matthäus 9,9-13), wo der Zöllner Zachäus Jesus zu sich einlädt, und dann kommen seine ganzen Zöllnerkollegen dazu. Wenn die sonst zusammenkommen, dann reden sie darüber, wie man die Geschäfte optimiert und die Leute an besten abzockt und wie man das ganz Geld anschließend am heftigsten verballert. Aber als Jesus dazu kommt, wird das eine Situation, wo Menschen merken: hey, es geht auch anders, du musst kein Schwein sein in dieser Welt, man kann auch auf einer anderen Grundlage leben.

Wenn Paulus sagt: ihr habt den neuen Menschen angezogen, dann denkt er wahrscheinlich daran, wie Menschen getauft worden sind. Man hat damals die neuen Christen im Wasser richtig untergetaucht zum Zeichen, dass da etwas stirbt, eben die alten Verhaltensmuster, und wenn sie dann aus dem Wasser kamen, hat man ihnen als Zeichen für das neue Leben neue Kleider gegeben, weiße Kleider, und das war sicher ein eindrucksvoller Start in ein Leben auf einer neuen Grundlage.

Aber auch diese neuen Christen mussten dann weiter lernen, denn die alten Verhaltensmuster gehen ja nicht einfach weg durch so eine Zeichenhandlung. Sie sind erstmal geschwächt, aber sie sind hartnäckig und kommen sofort zurück, wenn man nicht aufpasst. Schimpfen, Beschuldigen, anderen zu nahe kommen, Lügen, Fassaden bauen – all das verschwindet nicht automatisch, sondern dagegen müssen wir ein Leben lang arbeiten. Gott bringt uns auf den Weg, er leitet uns, er tröstet uns, wenn es ein schwerer Weg ist, aber gehen müssen wir diesen Weg.

Und für uns fasst Paulus hier in Worte, was zu dieser Veränderung gehört. »Belügt einander nicht mehr!« – darum ging es am vorhin in der Szene: dass Menschen jahrelang nebeneinander her leben und sich versichern: alles ist in Butter, und alle halten nach außen das heile Bild aufrecht, und wenn es dann schließlich doch kracht, dann fragen sich alle: wie konnte das geschehen? Die waren doch das Traumpaar!

Die Alternative dazu ist ja nicht, dass wir all die Schattenseiten der anderen kennen und uns das Maul darüber zerreißen, sondern die Alternative ist diese Gemeinschaft mit dem heilenden Klima, die Gott durch Jesus ins Leben gerufen hat. Der Ort, wo wir uns hinein finden in Gottes Art zu leben. Wo wir für andere sorgen, obwohl wir deutlich sehen, wie problematisch sie sind. Oder eben, weil wir es sehen. In der Gemeinde Jesu trägt jeder unsichtbar auf der Stirn ein Schild, auf dem steht: ich werde erneuert nach dem Bild Gottes, und dieses Bild kennen wir von Jesus. Es geht nicht nur um ein paar Reparaturen, damit wir besser funktionieren, sondern da wächst eine ganze neue Welt mitten in der alten und unter völlig durchschnittlichen Menschen, die gleichzeitig immer noch leiden unter den Wunden, die uns die alte Welt angetan hat.

Der Trick dabei ist, dass diese Gemeinschaft immer erst im Aufbau ist. Wir kennen das sonst in allen Lebenslagen so, dass irgendwer anders zuständig ist, wenn es klemmt. Und dann gehen wir zum Arzt oder in die Reparaturwerkstatt und lassen das machen. Aber so funktioniert Gemeinde nicht. In der Gemeinde bist du immer selbst Helfer, und gleichzeitig wird dir geholfen. Mal ist das eine stärker und mal das andere, aber es ist immer beides dabei.

Das muss so sein, weil wir nicht nur heil werden sollen, sondern wir sollen auch lernen, wie die neue Gesellschaft funktioniert, die Gott schafft. Wir sollen selbst in diesen Denkprozess hineingezogen werden: wie sieht das aus, wenn wir geprägt sind durch tiefes Mitgefühl, Freundlichkeit, Bescheidenheit, Rücksichtnahme und Geduld? Wir sollen nicht nur der Meinung sein, dass das gute Dinge sind (da wären wir uns hier wahrscheinlich schnell einig), sondern da soll unser Denken drum kreisen: wie sieht das für mich und unter uns aus?

Manche Leute meinen, dass man irgendwie den Verstand abschalten müsste, wenn man anfängt zu glauben, aber in Wirklichkeit ist es umgekehrt: du brauchst deinen Kopf dann erst recht. Wenn du dich nach den Mustern richtest, nach denen alle leben, da musst du nicht viel nachdenken. Aber wenn du aussteigst, dann brauchst du deinen Kopf. Dann kommt nach und nach alles auf den Prüfstand. Aber du brauchst nicht nur den Kopf, sondern dann redet Paulus von Liedern, die man für Gott singt, er redet davon, dass Gottes Geist einem etwas eingibt – also: da kommen wir wirklich als ganze Menschen mit dem Reichtum unserer Person vor. Und die Gräben zwischen den Kulturen werden überbrückt, und die Gräben zwischen Männern und Frauen, zwischen Juden und Heiden, und sogar die Skythen sind dabei, sagt Paulus, das waren damals die absoluten Barbaren, wo man so ungefähr dachte, die essen mit der Mistgabel. Aber sie waren auch dabei, und auch haben die Gemeinde bereichert. Die Christen waren die einzigen, die es damals geschafft haben, all die Gegensätze und Widersprüche des römischen Imperiums an einem Tisch zu versammeln und darauf eine neue Gemeinschaft zu bilden. Das ging nur, weil die Grundlage dafür nicht die Kultur oder das Milieu war, sondern der neue Weg Jesu. Die Christenheit ist von Anfang an multikulturell gewesen. Das war ihre Stärke. Deshalb war sie ein Ort, wo die Wunden heilen konnten, die die alte Gesellschaft geschlagen hatte.

Und das Ergebnis ist Friede, dass du mitten in Konflikten ruhig schlafen kannst. Mir fällt dazu immer die Geschichte von Petrus ein, der im Gefängnis ist, und zwar in der Todeszelle, weil er hingerichtet werden soll, und dann schickt Gott einen Engel, um ihn zu befreien. Und was ist das Problem des Engels? Er kriegt den Petrus nicht wach, weil der so tief schläft. In der Nacht vor seiner Hinrichtung schläft er tief und fest. Gut, der war natürlich bei Jesus immer direkt dabei, er hat die Kreuzigung und die Auferstehung miterlebt, da lernt man schon was. Aber das gibt mir eine Ahnung davon, was für ein Friede in uns wachsen kann, wenn wir lange genug auf dieser Akademie Gottes sind, und wenn wir da lernen, wie man immer an die große Kraft Gottes angeschlossen sein kann.

Das ist der Preis, der uns winkt, wenn wir unsere Kraft in dieses große Projekt Gottes investieren: die neue Welt, die neue Menschheit, die neue Gesellschaft, der Frieden mitten im Konflikt mit der alten Gesellschaft. Nichts von dem, was wir da investieren, wird umsonst sein.

Jan 212013
 

Predigt zu Römer 12,3-8 am 20. Januar 2012 (Predigtreihe Römerbrief 36)

3 Aufgrund der Gnade, die mir gegeben ist, sage ich einem jeden von euch: Strebt nicht über das hinaus, was euch zukommt, sondern strebt danach, besonnen zu sein, jeder nach dem Maß des Glaubens, das Gott ihm zugeteilt hat. 4 Denn wie wir an dem einen Leib viele Glieder haben, aber nicht alle Glieder denselben Dienst leisten, 5 so sind wir, die vielen, ein Leib in Christus, als einzelne aber sind wir Glieder, die zueinander gehören. 6 Wir haben unterschiedliche Gaben, je nach der uns verliehenen Gnade. Hat einer die Gabe prophetischer Rede, dann rede er in Übereinstimmung mit dem Glauben; 7 hat einer die Gabe des Dienens, dann diene er. Wer zum Lehren berufen ist, der lehre; 8 wer zum Trösten und Ermahnen berufen ist, der tröste und ermahne. Wer gibt, gebe ohne Hintergedanken; wer Vorsteher ist, setze sich eifrig ein; wer Barmherzigkeit übt, der tue es freudig.

Wegen eines Heizungsschadens fand der Gottesdienst im Gemeindehaus statt, was es leichter machte, mit einem Aktionsteil innerhalb der Predigt zu arbeiten.

Vor einer Woche haben wir auf die beiden Verse davor gehört, und die kann man zusammenfassen mit dem Aufruf: lebt anders, seid anders, löst euch aus den Mustern, die in dieser Welt gelten. Ihr seid der Anfang der neuen Welt Gottes. Und das setzt um, realisiert es, führt es durch von den verborgenen Irrwegen der menschlichen Seele bis hin zu den großen Ordnungen der ganzen Schöpfung und alle Dimensionen dazwischen. Alles soll neu werden, und der eigentliche Gottesdienst besteht darin, dass man das in seinen Lebensvollzügen umsetzt. Gottesdienste wie dieser hier sollen das unterstützen, aber nicht ersetzen.

Und an dieser Stelle hat es dann in der modernen Christenheit eine Fehlentwicklung gegeben, dass Menschen gesagt haben: Wenn der eigentliche Gottesdienst sowieso in meinem ganzen Leben stattfindet, wieso muss ich dann eigentlich noch extra zu bestimmten Veranstaltungen in die Kirche oder – wie wir heute – ins Gemeindehaus gehen? Hätte man Paulus weitergelesen, dann hätte man gleich in diesen nächsten Sätzen, auf die wir heute hören, gemerkt, warum es das nicht sein kann.

Der Punkt ist nämlich nicht, dass Paulus sagt: aber es muss unbedingt auch so etwas wie einen kultischen Gottesdienst geben! Sondern sein Impuls ist: Bildet euch nicht ein, ihr könntet allein, als isolierte Einzelne, die neue Welt Gottes sein. Auch die alte Welt Gottes besteht ja aus vielen Menschen, die miteinander verbunden sind und die viele Selbstverständlichkeiten miteinander teilen, auch wenn das oft problematische Selbstverständlichkeiten sind. Die Macht der alten Menschheit besteht ja gerade darin, dass sie alle gefangen sind in vielen schiefen Grundüberzeugungen, die immer wieder Probleme, Konflikte und Krisen hervorbringen. Wenn wir heute alte Filme sehen, sagen wir mal von vor 100 Jahren, wie sie da alle mit Schnäderengteng marschieren, auf markige Reden hören und dann mit Hurra! zackig in den Krieg marschieren, dann fragen wir uns heute: wie konnten sie sich davon nur so begeistern lassen? Aber damals erzeugte das einen ungeheuren Sog, und ein Einzelner allein konnte sich da im Grunde gar nicht gegen wehren – man musste wenigstens ein paar Freunde haben, mit denen man sich austauschte und gemeinsam eine eigene Welt aufbaute, in der andere Werte und Selbstverständlichkeiten galten.
Allein machen sie dich ein – und das gilt auch für Christen. Ohne ein Netzwerk von Menschen, die sich gegenseitig bestätigen und weiterbringen im alternativen Denken, kann niemand den Denkschemata der alten Welt entkommen. Und auch gemeinsam ist es noch schwer genug.

Deshalb beschreibt Paulus die Gemeinde als Gemeinschaft von Menschen, die sich so organisieren, dass sie sich gegenseitig stützen und weiterbringen in einer alternativen Sicht auf die Welt und dann auch in einer anderen Art zu leben. Das Stichwort bei Paulus dafür ist der »Leib Christi«, vielleicht sagt man besser: der »Leib des Messias« – dann wird deutlich, dass »Christus« nicht der Familienname von Jesus ist, sondern eine Funktionsbeschreibung wie »Bürgermeister« oder »Bundeskanzlerin«. Wenn jemand der Christus ist, der Messias, dann ist es seine Aufgabe, als Retter, als ultimativer Gesandter Gottes, etwas in der Welt zu bewírken. Und dazu braucht er einen Leib, wie jeder, der etwas in der Welt bewirken will.

Unser Leib, unser Körper, der ist ja das Werkzeug, mit dem wir in der Welt etwas erreichen. Das gilt immer: wenn wir z.B. etwas essen wollen, dann reicht es nicht, dass wir uns in unsern Gedanken intensiv eine leckere Haferschleimsuppe vorstellen, sondern dann muss irgendjemand seinen Körper in Bewegung setzen, muss den Herd anschalten und einen Topf befüllen und mindestens einen Löffel aus der Schublade nehmen und noch vieles andere, und nur durch diesen Körpereinsatz sind wir dann am Ende satt. Nur wünschen reicht nicht.
Und genauso: wenn Gott etwas auf der Erde erreichen möchte, dann braucht er dazu einen Körper. Und das ist der Körper, der »Leib« des Messias. Zuerst der Körper von Jesus, und nach dessen Auferstehung die Christenheit, die sozusagen ein kollektiver Körper ist. Wenn Gott eine neue Menschheit und eine ganze neue Welt ins Leben rufen will, dann braucht er dazu einen materiellen Körper. Einfach wünschen reicht nicht, auch nicht für Gott.

Ein Körper ist aber nicht eine Menge von Armen, Beinen, Augen, Lungen, Nieren, Adern, Muskeln und anderen Organen, die irgendwer in eine Kiste gepackt hat,und da liegen sie nun. Selbst wenn alle Einzelteile vollständig da wären, wäre so eine Kiste voller Teile noch kein Körper. Von einem Körper sprechen wir erst, wenn alles verbunden ist und zusammenarbeitet. Wir wissen heute viele Einzelheiten über die ganzen ausgeklügelten Mechanismen, die in unserem Körper dafür sorgen: die Nerven, das Gehirn, die Steuerung der Zellen, die Botenstoffe, über die die Organe kommunizieren, und vieles mehr. Paulus kannte noch nicht diese ganzen Einzelheiten, aber dass ein Körper ein feines Gewebe von Zusammenhängen darstellt, das wussten sie natürlich auch schon damals.

Und wenn Paulus von der Christenheit als dem Leib des Messias spricht, dann heißt das zuerst: das ist nicht eine Versammlung von Karteikarten in einem Kasten, das ist nicht die Datei mit den Kirchensteuerzahlern aus einem Ort, sondern das ist ein lebendiges Gebilde aus vielen Menschen, das atmet und kommuniziert und gemeinsam etwas erreicht. Im Einzelnen sieht das so unterschiedlich aus wie die einzelnen Organe des Körpers unterschiedlich arbeiten. Wir würden heute vielleicht sagen: wie die einzelnen Typen von Körperzellen unterschiedlich funktionieren. Wir haben ja ganz unterschiedliche Zelltypen in unserem Körper. Aber sie arbeiten Hand in Hand, und zwar ziemlich reibungslos.

Und damit das kein Bild bleibt, kein abstrakter Vergleich, deshalb skizziert Paulus in einigen kurzen Szenen, wie das funktioniert. Wir wollen uns das hier mal nachmachen: als Zeichen der Zusammenarbeit haben wir hier erst einmal einen Tisch. Der Altartisch in den Kirchen ist ja christlich gesehen nicht der Opferaltar aus dem Tempel, sondern es ist der Tisch, an dem die Gemeinde zusammensitzt, isst, redet und Abendmahl feiert (der Altartisch wird in die Mitte gestellt, sechs Stühle drum herum).

Und nun gibt es bei Paulus einige Stichworte darüber, wer hier mit am Tisch sitzen könnte (bei jedem der folgenden Stichworte wird ein großes Blatt mit diesem Wort auf einen der Plätze gelegt):

Da ist jemand, der prophetisch reden kann. Da geht es nicht darum, dass er das Wetter für die Sommerferien voraussagt, sondern dass er Worte und Impulse von Gott empfangen und weitergeben kann. Das ist nicht einfach, aber das gibt es durchaus, dass Gott durch Menschen eine Botschaft weitergibt – vielleicht: macht weiter, ihr seid auf einem guten Weg, lasst euch nicht von Rückschlägen entmutigen. Oder auch: euer großes Problem soll euch voranbringen, und zwar so: und dann kommt ein wichtiger Hinweis.

Eine andere Kurz-Skizze: Dienen. Also in irgendeiner Weise andere voranbringen und unterstützen. Das sollen wir natürlich alle, und es wäre keine gute Sache, wenn jemand sagte: ich habe leider nicht die Gabe des Dienens, und deshalb gehe ich schon mal, wenn die anderen anfangen abzuwaschen. Für manche Sachen braucht man keine besondere Gabe, sondern nur ein bisschen Energie.

Aber es gibt natürlich Menschen, die das richtig gut können, sich in andere so reinversetzen, dass sie spüren, wie es denen geht und was die gerade brauchen und dann genau im richtigen Moment mit einer Haferschleimsuppe kommen oder mit einem Hustentee oder mit einem Gesprächsangebot, oder die im Hintergrund dafür sorgen, dass die Mikrofone funktionieren oder immer genügend Teebeutel da sind oder die Dienste eingeteilt sind, und man merkt es erst dann, wenn die mal ausfallen. Und wir anderen, die da nicht ganz so sensibel sind, sollten dann wenigstens zum Geschirrhandtuch greifen.

Wieder eine andere Momentaufnahme: Lehren. Das klingt heute schon wieder etwas nach Schule und Frontalunterricht, aber gemeint ist: es muss Leute geben, die die komplizierten Zusammenhänge der Welt und vor allem der neuen Welt, die Gott heraufführt, einfach und verständlich erklären können, so dass jeder sie verstehen kann. Dazu gehört es, die Bibel von innen heraus zu verstehen und nicht bloß in jedem Bibelvers die gleichen vier oder fünf Sätze zu entdecken, die immer richtig sind. Es gehört aber auch dazu, unsere Gegenwart zu verstehen, wie die Gesellschaft funktioniert, und zu entdecken, wie Gottes Alternative dazu aussieht. Da muss der, der die Gabe der Lehrte ausübt, sich vielleicht auch mal länger mit dem prophetisch Begabten unterhalten, und zusammen kriegen sie was ganz Tolles raus.

Dann haben wir diejenige, die trösten und ermahnen kann, wahrscheinlich würde man das heute Seelsorge nennen: also eine, die die Erneuerung Gottes in der individuellen Person eines Menschen fördert. Das ist ja das Besondere an der Christenheit, dass wir auf der ganzen Skala von ganz klein bis ganz groß arbeiten. Wir bringen Gottes Alternative in die Herzen von Menschen genauso wie in die Politik und in den Geldbeutel. Die allermeisten anderen Erneuerungsbewegungen konzentrieren sich auf einen Bereich, die einen auf die Politik, die anderen auf Süchte, die dritten retten die Wale, die vierten die Kunst, und, und, und, aber dann werden sie oft ausgebremst von den Dingen, die sie nicht auf dem Schirm haben. Politische Bewegungen mit guten Programmen scheitern an den persönlichen Macken ihrer Spitzenleute. Kulturelle Bewegungen übersehen die politischen Rahmenbedingungen. Nur wir können von unserem Grundansatz her alle Dimensionen abdecken, weil Gott der Herr der ganzen Welt ist. Wir müssen die einzelnen Bereiche nicht gegeneinander ausspielen. Bei uns wird man selbst heil und wir verbreiten Heilung in der Welt, und das ist eine einzige gemeinsame Sache und kein Gegensatz.

Dann gibt es Menschen, die Geben: erstens, weil sie etwas haben, zweitens, weil sie die Bedürfnisse andere sehen, drittens, weil sie gar nicht groß am Geld hängen und viertens, weil ihnen das Geben Freude macht. Und manchmal trifft das alles nicht zu und sie geben trotzdem großzügig. Und das braucht man auch in dem Leib der Christenheit, dass das nötige Geld zusammenkommt. Auch da wieder: da sind wir alle für zuständig, aber einige entwickeln ein besonderes Talent, im richtigen Moment an der richtigen Stelle Geld einzusetzen.

Schließlich gibt es dann die Leitung – jemand oder einige müssen das Ganze zusammenbinden, er oder sie muss dafür sorgen, dass die Kommunikation klappt, dass man sich nicht immer wieder auf eine Spezialfrage konzentriert, sondern dass das Ganze funktioniert, dass die Gegenwart ebenso wie die Zukunft im Blick ist, dass Probleme erkannt und gelöst werden, dass die Stimmung gut bleibt usw.

Und über dem Ganzen, wie Paulus das schildert, liegt so ein Geist des Ärmelaufkrempelns und Anpackens, ein gemeinsames Bewusstsein: wir bauen hier an der wichtigsten Baustelle der Welt, an Gottes neuer Menschheit, und Gott beflügelt uns mit seiner Hoffnung und seinem Heiligen Geist. Und jetzt zum Schluss wollen wir dieses Bild noch mal richtig lebendig machen: wer von uns nimmt jetzt mal hier auf den sechs Stühlen Platz? Keine Angst, wir halten dem, der bei dem Blatt mit dem Stichwort »Geben« sitzt, nachher nicht extra intensiv den Klingelbeutel hin!

Schaut euch diesen Tisch hier vorne an und erinnert euch noch einmal an die Verklärungsgeschichte (Matthäus 17,1-9), die wir vorhin in der Evangelienlesung gehört haben! Die Jünger kannten Jesus und hielten ihn schon lange für einen ganz besonderen Menschen. Aber trotzdem ahnten sie immer noch nicht, was wirklich in ihm steckte. Und da auf dem Berg der Verklärung wird für einen Augenblick der Schleier fortgezogen, und sie sehen in diesem Moment die ganze Herrlichkeit Gottes, die in Jesus steckt, die sozusagen in ihn hineinverpackt ist. Und sie sind völlig geplättet davon, weil sie das nun wirklich nicht erwartet haben. Und von Stund an werden sie Augen dafür haben, was in diesem äußerlich ganz normalen Menschen in Wirklichkeit drinsteckt.

Und jetzt schaut euch diese ganz normalen Menschen hier vorne an, die dieses Netzwerk der neuen Welt Gottes darstellen! In solchen ganz normalen Menschen ist die Herrlichkeit der neuen Schöpfung verborgen, wenn sie an das Netzwerk Gottes angeschlossen sind, wenn sie Teile des Leibes Christi sind. Nach außen sieht es völlig harmlos aus, aber lasst uns Augen dafür bekommen, was hier wirklich passiert: eine ganze neue Welt steckt im Keim in diesem Netzwerk, und es gibt nichts Wichtigeres, als dafür zu sorgen, dass sich dieser Keim entfaltet und wächst. Natürlich nicht nur in Groß Ilsede, sondern in vielen Orten in unserem Land und in der ganzen Welt.

Das ist der entscheidende strategische Punkt für unser Land und für die Welt und für jeden von uns. Dafür die Energie eines ganzen Lebens einzusetzen, das ist der vernünftige Gottesdienst, von dem Paulus spricht, und das ist die Investition eines ganzen Lebens wert!

Jan 172013
 
„Das Auge ist das Licht des Leibes. Wenn dein Auge lauter ist, so wird dein ganzer Leib licht sein.“

Lange Zeit gehörte für mich dieser Abschnitt aus der Bergpredigt (Matthäus 6, 22-23) zu den Textstellen, mit denen ich nicht so viel anfangen konnte. Nicht schlecht, nicht ärgerlich, aber was bedeutet er eigentlich, und warum steht er ausgerechnet dort?

Als wir gestern mit einigen Leuten über die Stelle sprachen, hat sich das geändert. Der entscheidende Gedanke dabei war, dass man das Sehen hier nicht als ein passives Zur-Kenntnis-nehmen verstehen darf. Das Auge bildet nicht einfach ab, was ist, sondern spielt eine aktive Rolle in der Konstruktion der Wirklichkeit. Und das prägt dann die ganze Existenz (den „Leib“) und die davon ausgehenden Handlungen. Zumal der Mensch ein Augentier ist, dass sich zu 80% mit den Augen in seiner Umwelt orientiert.

Dieser Gedanke hat weitreichende Konsequenzen. In unserer Kultur gilt als grundlegende Rezeptionstheorie die Unterscheidung zwischen Tatsache und Bewertung – also in journalistischer Begrifflichkeit: Meldung und Kommentar. Dies ist ein Niederschlag der naturwissenschaftlichen Sichtweise, die sich mit einem gewissen Absolutismus in allen Bereichen der Gesellschaft als die alleinseligmachende verkauft. Wenn aber die „Tatsachen“ schon eine Konstruktion des Auges sind, und zwar eine moralisch nicht neutrale („Wenn aber dein Auge böse ist, so wird dein ganzer Leib finster sein“, v. 23), dann fallen die eigentlichen Entscheidungen schon längst vor dem „Kommentar“, der Bewertung: Was will ich (wollen wir, sollen wir, müssen wir …) sehen und was nicht? Was schafft es in die Schlagzeilen und was nicht? Die entscheidenden Fragen sind nicht durch „Faktencheck“ lösbar.

Es ist hilfreich zu sehen, dass eine erkenntnistheoretische Konstruktion, die sich in unserem Umfeld als alternativlos präsentiert, biblisch überhaupt nicht zwingend ist. Alternativen liegen in dieser Tradition bereit, man muss sie nur – sehen wollen.

Der krönende Abschluss des Ganzen ist dann natürlich der Vers 24: „Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.“ Das steht nicht zufällig hier (so als ob Matthäus noch ein paar Schnipsel unterzubringen gehabt hätte), sondern ist ein Anhaltspunkt, um welche Entscheidung es in der ganzen Bergpredigt geht. Und direkt hinter der Erkenntnistheorie der Verse 22-23 sagt dieser Vers: was wir sehen hängt von den Mächten ab, die uns beeinflussen (dürfen). Was also sieht ein Bankberater, zu dem ein Kunde kommt: die Bedürfnisse des Kunden oder die Provision? Auf was schaut eine ganze Gesellschaft (deren „Auge“ die Bewusstseinsarbeiter, Theorieproduzenten und Journalisten sind): Auf die persönlichen Macken von Politikern oder auf ihre Konzepte und Abhängigkeiten? Auf die Lebensbedingungen von Hartz IV-Beziehern oder auf die Außenhandelsbilanz? Auf den Teller oder in die Tierfabriken? Alles etwas plakativ, aber ich glaube, die Richtung ist deutlich.

Jan 142013
 

Predigt über Römer 12,1-2 am 13. Januar 2013 (Predigtreihe Römerbrief 35)

1 Brüder und Schwestern, weil Gott so viel Erbarmen mit euch gehabt hat, bitte und ermahne ich euch: Stellt euer ganzes Leben Gott zur Verfügung! Bringt euch Gott als lebendiges Opfer dar, ein Opfer völliger Hingabe, an dem er Freude hat. Das ist für euch der »vernunftgemäße« Gottesdienst. 2 Gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern wandelt euch und erneuert euer Denken, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist: was ihm gefällt, was gut und vollkommen ist.

Wenn man in der antiken Welt, in der Paulus lebte, etwas Religiöses tun wollte, dann brachte man ein Opfer. Das war sozusagen der Normalfall religiöser Praxis. In irgendeinem der zahlreichen Tempel gab man dem Priester eine Opfergabe, Lebensmittel oder ein Tier, und der Priester brachte diese Gabe fachgerecht als Opfer für den jeweiligen Gott dar, meistens, indem er das Tier schlachtete und das Blut an einer heiligen Stelle auf die Erde goss. Das Fleisch gehörte dann dem Gott, d.h. seinem Tempel. Und mit dem Verkauf des Fleisches wurden der Tempel und die Priester finanziert.

Die Christen taten das nicht, sie opferten nicht, und deshalb galten sie in der antiken Welt bald als Atheisten. Natürlich fiel das den Nachbarn irgendwann auf, dass die Christen nicht in irgendeinen Tempel gingen, auch nicht in irgendeinen exotischen Spezialtempel, sondern in gar keinen. Und wenn man das nicht tat, dann war man damals irgendwie nicht normal.

Für uns heute ist diese Vorstellung, ein Tier für einen Gott zu schlachten, ziemlich merkwürdig. Es gibt kaum noch eine Religion auf der Welt, wo das gemacht wird. An dieser Stelle hat das Christentum gründlich gesiegt. Die Außenseiterposition von damals ist heute völlig selbstverständlich, und zwar beinahe weltweit. Aber um Paulus zu verstehen, müssen wir uns zurückversetzen in eine Welt, in der Opfer eine ganz konkrete, alltägliche Erfahrung waren.

Hier beschreibt er konzentriert in einem Satz, was die Christen anders machten. Er sagt: wenn man dieses Wort »Opfer« unbedingt auf uns anwenden will, dann nur noch in einem übertragenen Sinn. Also: wenn schon Opfer, dann bitte euch selbst! Lasst euch nicht von einem armen Tier vertreten, sondern macht das selbst. Aber natürlich sollt ihr euch nicht auf einen Altar legen, wo euch jemand die Kehle durchschneidet, sondern das ist nur noch ein Bild für etwas völlig anderes: ihr sollt euer eigenes Leben Gott ganz zur Verfügung stellen, und das ist dann ein lebendiges Opfer – kein totes Tier, sondern ein lebendiger Mensch, der sagt: dies ist nicht mehr mein Leben, sondern ich habe es vor Gott hingelegt, als ich getauft wurde, und es gehört von nun an ihm. Ich habe mein ganzes Leben Gott gegeben, es gehört ihm, aber er hat es mir zurückgegeben, und jetzt führe ich es in seinem Auftrag.

Da wird das Wort Opfer beibehalten, aber im Grunde ist es etwas völlig anderes, was da geschieht. Die Logik des Opferns war: ich gebe einem Gott etwas und bekomme dafür von ihm etwas zurück: eine gute Ernte, gesunde Kinder oder Glück im Krieg. Dieser Gott ist zwar viel größer als ich, aber im Grunde machen wir ein Tauschgeschäft. Tierblut – also Lebenskraft – gegen göttlichen Beistand. Eigentlich bin ich den Göttern ja egal, aber weil sie irgendwie Blut brauchen (Lebenskraft), deshalb werden sie dann auch mal etwas für mich tun.

Paulus sagt: unseren Gott muss man nicht mühsam überreden, sich um uns zu kümmern. Der macht das sowieso, wir liegen ihm am Herzen, er hat uns geschaffen und gewollt, er kümmert sich sowieso schön längst um uns, aus eigenem Interesse, er ist barmherzig. Und durch uns geht sein Erbarmen weiter durch die ganze Welt.

Und deshalb besteht unser Gottesdienst darin, dass wir unser Leben neu führen, schon als Vorposten der neuen Welt, die mit der Auferstehung Jesu begonnen hat. Paulus nennt das den »vernünftigen Gottesdienst« – also du gibst nicht mehr dein Opfer dem Priester, und der macht irgendwas Mystisches, Unverständliches damit, und du selbst bist raus und musst dich dann nicht mehr mit dem komplizierten Gotteskram beschäftigen. Sondern jetzt musst du Tag für Tag und Stunde für Stunde überlegen: wie sieht denn nun ein Leben aus, in dem sich die Auferstehung Jesu widerspiegelt? Wie sieht ein Leben aus, das ein Vorposten der neuen Welt Gottes ist, in meiner Zeit, in meinem Land, in meinem Ort, in meiner Familie, in meinem Beruf, in meiner Schulklasse, in meinem Terminkalender, in den Gedanken meines Herzens? Wie soll denn das Leben aussehen, das ich Gott geopfert, also anvertraut, habe, und das ich von Gott zurück bekommen habe, damit ich es jetzt in seinem Namen führe?

Diese Frage können wir jetzt nicht mehr auf den religiösen Fachmann, den Priester, abschieben, sondern wir müssen sie alle beantworten. Und normalerweise beantworten wir sie auf die Art, wie wir auch sonst Lebensfragen angehen: mit unserer Vernunft, mit unserem Nachdenken, mit unserem Ausprobieren, indem wir uns Rat holen bei anderen, indem wir die Bibel lesen und bedenken, indem wir Bücher und Zeitschriften und das Internet zu Rate ziehen, indem wir Christen und Nichtchristen fragen, und dann zu irgendeinem Ergebnis kommen. Deswegen nennt Paulus das den »vernünftigen Gottesdienst«. Da ist nichts geheimnisvolles und Irrationales dabei wie bei den heidnischen Priestern. Und das macht nicht Gott für uns, sondern das machen wir, mit dem ganzen Einsatz unserer Existenz, und immer wieder auch geleitet von Gottes freundlichen Hinweisen und seinem Schutz, den unser Verstand wahrlich nötig hat.

Denn es soll ja nicht irgendein halbwegs anständiges Leben dabei herauskommen, sondern ein Vorposten der neuen Welt Gottes. Wir sollen erneuert werden, und das fängt in unseren Gedanken an. Wir sollen ausbrechen aus den ganzen kaputten Mustern, mit denen wir aufgewachsen sind und von denen die Welt geprägt ist. Das ist der Rahmen für alles, was Paulus in den folgenden Versen sagt über das praktische Leben. Und es ist nicht so, dass wir jetzt endlich die komplizierten theologischen Gedankengänge hinter uns haben und es jetzt endlich praktisch wird.

Es ist ein bisschen so, wie bei den 10 Geboten, die fangen im Original damit an, dass Gott sagt: »ich habe euch aus der Sklaverei befreit« – und deshalb lebt jetzt als Menschen, unter denen es keine Übergriffe auf andere gibt. Das gibt dem Ganzen die Grundrichtung. Ganz ähnlich sagt Paulus hier: Jesu hat uns aus den Zwängen dieses kaputten Weltsystems befreit, und jetzt lebt als Menschen, die sich nicht mehr von Mächten dieser Welt in ihr Schema pressen lassen.

Was uns böse sein lässt, das ist ja meistens gar nicht ein individueller Entschluss. Das meiste und Schlimmste tun Menschen anderen an, weil sie in einem Muster drinstecken, das größer ist als sie selbst. Da wächst einer auf in einer Familie, wo man dauernd angegriffen wird und runtergemacht wird, wenn man aus dem Rahmen fällt. Und dann ist der so gewöhnt daran, dass es für ihn ein ganz normales Verhalten ist, anderen kein Vertrauen zu schenken und sie fertig zu machen, wenn es sich so ergibt. Und er muss erst lernen, dass er durch Jesus ein neuer Mensch geworden ist und diesem altem Schema nicht mehr verpflichtet.

Oder jemand wächst auf, ohne dass man ihm ein Gefühl für die eigene Würde schenkt, er wächst auf und glaubt nicht, dass er es wert ist, dass man ihn gut behandelt, und dann wird er andere genauso behandeln, und es ist ein Teufelskreis, der von einer Generation an die nächste weitergegeben wird.

Ich habe im Advent einer jungen Frau zugehört, die sich in Berlin um Frauen kümmert, die auf der Straße ihren Körper verkaufen. Und sie geht mit andern da hin und sie bringen den Frauen dort heißen Kaffee und ein bisschen Schokolade und reden mit ihnen und können eigentlich gar nicht viel ändern, weil die Frauen dort so fest in den ganzen Strukturen drinstecken, weil die Zuhälter sie bedrohen und weil es kaum Ausstiegshilfen gibt. Aber auch, weil das oft Menschen sind, die von klein auf Gewalt erleben mussten, die schon früh um ihre Würde gebracht worden sind, die immer gezwungen waren, sich anzupassen, zurückzustecken, nachzugeben, und die sich gar nicht vorstellen können, dass das Leben auch anders gehen kann.

Und diese junge Frau, die da mit anderen zu helfen versucht, die ist dort erstmal nur so etwas wie ein Zeichen für ein anderes Leben, ein Zeichen, dass es auch eine andere Welt gibt, dass man tatsächlich anders leben kann, und die Frauen, die sie betreut, sind ihr dankbar für dieses Zeichen, auch wenn sie ihm längst noch nicht vertrauen. Die erleben da etwas völlig Ungewohntes: dass jemand kommt und sich um sie kümmert und ihnen nicht auch wieder Lebenskraft rauben will. Und wir würden jetzt vielleicht ganz naiv fragen: warum hören sie dann nicht einfach auf? Warum ziehen sie keine Konsequenzen daraus? Aber das ist die Gewalt der Schemata, in denen Menschen drinstecken, durch die sie gefesselt sind. Das ist nicht »einfach«, und wenn eine das überhaupt schafft, da herauszukommen, dann ist es ein langer und mühsamer Weg.

Bei anderen denken wir immer, die müssten doch nur einfach aufhören. Aber sobald es um uns selbst geht, da erscheint es uns genauso als völlig undenkbar. Dass diese jungen Frau da zu den Berliner Prostituierten geht und es aushält, die Schmerzen und den Schmutz mit anzusehen, sich das anzutun, obwohl sie es nicht müsste, und so wenig dagegen tun zu können, das ist für die auch ein großer Schritt gewesen, und wahrscheinlich würden viele andere sagen: nein, das kann ich nicht. Hätten wir für so etwas Zeit und Raum in unserem Leben? Aber es ist ja Gottes Leben, das er uns anvertraut hat, damit es zu einem vernünftigen Gottesdienst wird.

Oder sich vorzustellen, nicht mehr mit unserem Grillen die Fleischindustrie zu unterstützen, nicht mehr mit unserem Geld die Banken zu füttern, nicht mehr unsere Häuser als Heiligtum zu sehen, in das andere nur nach gründlicher Vorbereitung rein dürfen, nicht mehr vor den Alphatieren in Familie und Nachbarschaft und sonstwo zu kuschen, und vor allem, das alles in den Mittelpunkt unseres Nachdenkens und unserer Gespräche zu stellen: wie sieht unser Leben aus, wenn wir daran denken, dass wir es im Auftrag Gottes führen, als Vorposten der neuen Welt? Da unsere Energie darauf zu verwenden, diese Frage immer weiter voran zu bringen: wie kann ich die Schemata, die Muster dieser alten, vergehenden, kaputten Welt immer mehr identifizieren und aus meinem Leben vertreiben? Das ist eine lebenslange Aufgabe, das immer weiter zu treiben. Aber das ist der eigentliche, vernünftige Gottesdienst, zu dem wir berufen sind, und das, was wir normalerweise den „Gottesdienst“ nennen, diese Stunde am Sonntag in der Kirche, das ist dafür da, diesen eigentlichen Gottesdienst zu unterstützen, der sich durch unser Leben zieht.

An so vielen Stellen stecken wir in den Mustern dieser Welt drin: im Großen und im Kleinen, im persönlichen Verhalten und an der Wahlurne, in der Art, wie wir unsere Freizeit gestalten, wie wir arbeiten und einkaufen und unsere Beziehungen leben und ich weiß nicht wo noch.

Die christliche Gemeinde ist der Ort, wo wir uns darin bestärken, dass das alles auf den Prüfstand muss. Jesus ist auferstanden, und deshalb gehören wir der neuen Welt und den neuen Mustern, die nicht mehr vom Tod und von der Angst und vom Recht des Stärkeren geprägt sind. Es fängt damit an, dass wir unser Denken entrümpeln, dass wir uns trennen von den Brückenköpfen, die die Mächte dieser Welt in uns haben. Und dann können wir auch für andere ein Zeichen sein, dass Freiheit möglich ist, dass niemand gezwungen ist, mitzumachen in dem bösen gottlosen Spiel, in das die Menschen hineingepresst werden. Lasst euch nicht in die Muster pressen, die in dieser Welt herrschen, sondern erneuert eurer Denken, damit ihr beurteilen könnt, was der Wille Gottes ist. Dazu sind wir da. Das wird uns zugetraut, Dazu sind wir berufen.

Jan 072013
 

Predigt am 6. Januar 2013 über 2. Korinther 4,3-6

3 Wenn das Evangelium, das wir verkünden, 4 trotzdem wie mit einer Decke verhüllt ist, dann ist das bei denen der Fall, die verloren gehen, 4 weil sie der Wahrheit keinen Glauben schenken. Der Gott dieser Welt hat sie mit Blindheit geschlagen, sodass ihr Verständnis verfinstert ist und sie den strahlenden Glanz des Evangeliums nicht sehen, den Glanz der Botschaft von der Herrlichkeit dessen, der Gottes Ebenbild ist – Christus.
5 Bei unserer Verkündigung geht es schließlich nicht um uns, sondern um Jesus Christus, den Herrn; wir sind nur Diener – eure Diener, weil Jesus uns damit beauftragt hat. 6 Denn derselbe Gott, der gesagt hat: »Aus der Finsternis soll Licht hervorstrahlen!«, der hat es auch in unseren Herzen hell werden lassen, sodass wir in der Person von Jesus Christus den vollen Glanz von Gottes Herrlichkeit erkennen.

Paulus beschreibt hier einen massiven Kontrast zwischen der Herrlichkeit des Evangeliums und seinem Glanz und der Blockade, die Menschen hindert, dieses Evangelium mit seinem Glanz wahrzunehmen.

Da ist zuerst das Evangelium: es bringt die Person Jesu Christi zu den Menschen. Es transportiert die Wirkung, die Jesus auf die Menschen hatte, zu denen, die Jesus nicht selbst gekannt haben. Man muss sagen: das ist ein Wunder, dass die Ausstrahlung eines Menschen in eine Botschaft umgesetzt werden kann, dass die Botschaft, die Paulus, aber auch viele andere, mitbringen, dieselbe Art von Wirkung hat wie die Präsenz des lebendigen Jesus.

Man kann das noch weiter fassen und die Lebensbeschreibungen Jesu, die vier Evangelien, mit dazu nehmen, die dann ein bisschen später geschrieben worden sind, und sagen: es ist ein Wunder, dass es die vier Evangelisten hingekriegt haben, das Leben und die Person Jesu so zu beschreiben, dass er bis heute dadurch für Menschen als Person erkennbar wird und sie beeinflusst und beeindruckt. Und deshalb hat nicht nur Jesus selbst Herrlichkeit und Glanz, sondern auch das Evangelium, das ihn transportiert, hat Anteil an seiner Herrlichkeit. Und das ist die Herrlichkeit Gottes selbst, die sich in Jesus spiegelt.

In diesem Abschnitt – und auch schon vorher – arbeitet Paulus immer wieder mit dem Gedanken vom Glanz der Herrlichkeit Gottes. Die Vorstellung dahinter ist, schon vom Alten Testament her, dass Gott in seiner eigentlichen Gestalt eine strahlende Herrlichkeit hat. Sie ist so groß, dass Menschen sie nicht ertragen könnten, und deshalb kann niemand Gott ins Gesicht schauen. Jedenfalls nicht mehr jetzt, nachdem sich die Menschen von ihm abgewandt haben. Im Paradies kam Gott öfter mal vorbei und redete mit Adam und Eva, und das war unproblematisch, da wird nichts über diesen hellen Lichtglanz berichtet. Damals waren die Menschen selbst wohl noch so sehr von diesem Glanz geprägt, dass er ihnen gar nicht auffiel.

Aber außerhalb des Paradieses, als sich die Menschen verändert hatten, da wurde für sie der Lichtglanz, die Herrlichkeit Gottes, erschreckend. Der war so anders als alles, was sie sonst kannten. Und trotzdem beeindruckend.

Und nun arbeitet Paulus in diesen ganzen Versen daran, seine Gemeinde in Korinth davon zu überzeugen: über dem, was wir in der christlichen Bewegung erleben, darüber liegt der Glanz dieser Herrlichkeit Gottes. Hier bei uns ist sie wieder zu sehen. Derselbe Gott, der in unseren Herzen aufgeleuchtet ist (nämlich als Heiliger Geist), der hat schon die Erschaffung der Welt damit begonnen, dass er gesagt hat: es werde Licht! Gottes Werk ist es immer, Licht zu bringen: im denkbar größten Bereich, nämlich der ganzen Schöpfung, und im denkbar kleinsten Bereich, dem menschlichen Herzen. Die Skala von Gottes Handeln reicht vom Größten bis zum Kleinsten und über alle Grade dazwischen, aber es geht immer darum, Licht zu bringen, die Dunkelheit zu vertreiben und Glanz aufstrahlen zu lassen. Ob groß oder klein – Gottes Handschrift bleibt immer dieselbe. Und bei uns zeigt sie sich Tag für Tag.

Und jetzt muss man sich die Zumutung vorstellen, wenn Paulus sagt: diese Herrlichkeit ist unter uns. Das waren vielleicht 50 oder 150 Leute in einer Großstadt wie Korinth, so wenige, dass sie noch nicht mal verfolgt oder angefeindet wurden, und das soll die Herrlichkeit Gottes sein? Oder Paulus selbst! Ein bisschen vorher beschreibt er seinen Weg durch das antike römische Reich als Triumphzug – er gebraucht also das Bild von der Siegesparade, die römische Kaiser nach einem Sieg im Krieg veranstalteten: wo der Feldherr und die Soldaten sich feiern ließen, wo die Beute und die Gefangenen vorgeführt wurden, wo die ganze Macht des römischen Großreichs zur Darstellung kam. Es war die faszinierendste Form der Machtdarstellung und die eindrucksvollste Propaganda, die es damals gab. Und dann kommt Paulus, der aus vielen Orten hastig abreisen musste, weil es zu viel Ärger gab, der öfter mal im Gefängnis landete, ausgepeitscht wurde, der immer wieder mal im Zentrum von Konflikten stand, die nicht eindeutig geklärt wurden – und der nennt seine Reisen durchs römische Imperium einen »Triumphzug«! D.h., er mutet seinen Leuten zu, die Welt mit völlig anderen Augen zu sehen: der eigentliche Triumphzug ist nicht die Propagandainszenierung der römischen Kriegsherren, sondern der abenteuerliche Weg des unbekannten Juden Paulus von Tarsos durch Kleinasien und Griechenland.

Im Rückblick betrachtet ist inzwischen schon deutlich, dass er mindestens historisch Recht gehabt hat: von den militärischen Errungenschaften ist wenig übriggeblieben, das römische Reich ist vergangen wie viele andere vor ihm auch, aber die Briefe von Paulus werden immer noch studiert und geben unzähligen Menschen Orientierung. Aber wie kühn war das damals, so etwas zu behaupten: meine improvisierte Rundreise um das ägäische Meer ist der wahre Triumphzug unserer Zeit!

Deswegen sagt Paulus auch sofort: glaubt bloß nicht, mir ginge es darum, aus mir ein Denkmal zu machen. Es geht nicht um mich. Ich bin nur wie ein billiger Tontopf, in dem eine unglaublicher Schatz verborgen ist, und es kommt nicht auf den Tontopf an, sondern auf den Schatz. In den Versen danach wird er sehr offen davon reden, dass er manchmal nicht weiter weiß und sich am Ende fühlt. Aber er sagt: in meinem äußerlich gesehen so wenig strahlendem Leben realisiert sich doch für den, der es sehen kann, die Herrlichkeit Gottes. Und genauso realisiert sie sich in den paar Christen von Korinth.

Die Frage ist nun: warum sehen das nicht alle so? Warum haben selbst die Christen von Korinth ihre Schwierigkeiten, die Sache so zu sehen? Das ist nämlich der Grund, weshalb Paulus das Ganze schreibt: anscheinend gab es in Korinth Leute, die meinten, Paulus müsste doch ein bisschen mehr Glanz ausstrahlen, er müsste ein bisschen mehr Guru sein, der die Leute mit Tricks und Persönlichkeit einfängt. Warum reicht ihnen nicht das Evangelium?

Und da stoßen wir auf die Blockade, die Menschen hindert, den göttlichen Glanz des Evangeliums wahrzunehmen. Der Gott dieser Welt hat den Menschen die Wahrnehmung so gründlich verdorben, dass sie die Welt nur verzerrt sehen. Sie sind beeindruckt von einem kaiserlichen Triumphzug und sehen einfach nicht mehr das Blut, das dafür geflossen ist und das Elend der Gefangenen. Sie sehen nicht die Intrigen und Karriereambitionen dahinter, sie denken nicht an die Sklavenhändler, die reich geworden sind mit dem Verkauf der Kriegsgefangenen, sie sehen nur die tolle Inszenierung und jubeln: lang lebe der Kaiser! Und dann fällt auch ein klein wenig von dem kaiserlichen Glanz auf den Jubler am Straßenrand in der dritten Reihe zurück.

Wenn aber ein Paulus durch die Welt zieht und es schafft, überall Menschen die Augen zu öffnen, sie herauszuholen aus der Verblendung durch die Propaganda, sie in solidarischen Gruppen zu organisieren (in denen es aber auch immer mal wieder knirscht und kracht), wenn sich ihm in aussichtslosen Lagen doch immer wieder Wege öffnen, und wenn er in allem den Mut nicht verliert, obwohl er über keins der üblichen Machtmittel verfügt – da fangen sie an zu meckern und finden, dass da zu wenig Glanz drauf liegt.

Paulus dreht die Frage um: wie kommt es, dass ihr bei dem, was ich tue, den göttlichen Glanz nicht seht? Wie gesagt, es geht nicht um ein Denkmal für mich, sondern es geht darum, dass ihr Gott die Ehre gebt für das Großartige, was er tut durch zerbrechliche Menschen wie mich und euch. Wenigstens die Christen müssten doch Augen haben für das, was wirklich Herrlichkeit und Glanz ist und verstehen, wie wichtig und entscheidend das ist, was unter ihnen geschieht, in aller Schwäche und Fragwürdigkeit.

Wenigstens die Christen müssten frei sein von dem Einfluss der Propaganda, die einen falschen Glanz verkauft und die Menschen auf eine falsche Stärke vertrauen lässt. Die Propaganda, die uns die Opfer nicht sehen lässt, die Menschen und Schöpfung abgepresst werden, damit wir in einem Scheinglanz leben können. So viel in unserer Umgebung ist inszenierter Glanz, Glamour, gestylte Großartigkeit, und wenn du dahinter guckst, findest du einfach Menschen, die auch nicht glücklicher sind als andere und ihre Beziehungen genauso gekonnt oder ungekonnt leben; und manchmal wird auch deutlich, wie erbärmlich wenig menschliche Substanz hinter der glitzernden Fassade ist.

Oder all die glänzenden Produkte, die uns präsentiert werden, und wir vergessen darüber, dass an ihnen der Schweiß schlecht bezahlter Arbeiter in Asien klebt oder das Blut aus Bürgerkriegen in Afrika. Das ist die Propaganda des Gottes dieser Welt und seiner Repräsentanten. Sie lässt uns das eigentlich offensichtliche nicht sehen.

Paulus versucht dagegen, seinen Korinthern die Augen zu öffnen für das, was wirkliche, göttliche Herrlichkeit ist: wenn Menschen unabhängig werden von dem falschen Schein, der immer Opfer kostet und uns nicht in Gottes Nähe bringt. Wenn Menschen mitten in einer Welt voller Zerstörung und Ausbeutung an heilen, gerechten Beziehungen bauen, die von Gottes Geist bewegt sind. Wenn Menschen zurückfinden zu dem echten Glanz, von dem alle künstlichen Inszenierungen nur eine Karikatur sind. Wenn Menschen die Macht Gottes kennenlernen, die sich in persönlicher Stärke zeigt und nicht in äußeren Machtmitteln.

Da hat sich Herrlichkeit in ein menschliches Maß zurückgenommen und versucht nicht mehr, Menschen zu überwältigen, sondern zu gewinnen. Da nimmt Gott unser Maß an und kommt mit seiner Herrlichkeit in unseren Alltag. Und das ist für ihn die wichtigste Sache der Welt. Dann sollte das auch für uns das sein, worauf wir mit aller Konzentration schauen, was für uns wichtiger ist als alles ander, und worauf wir unsere ganze Hoffnung setzen.

Jan 032013
 

Der erste Post im neuen Jahr gehört eigentlich noch ins alte. In der Christnacht habe ich über Offenbarung 12,1-9 gepredigt und dazu auch einige nicht nur weihnachtliche Bilder gezeigt. Wegen der engen Integration von Sprache und Bild kommt das Ganze diesmal als Video. Wie schon einmal bemerkt, gab es auch jetzt wieder Parallelen zu Peter Aschoff, der einen Tag vorher auch über Offenbarung 12 und 13 gepredigt hat. Und auch diesmal wieder: es war echt nicht abgesprochen.
Hier nun also das Video: