Aug 012008
 

Übersichtsseite zum Buch von Scot McKnight

Kapitel 12:
Wie Paulus die Geschichte sah: Im Gerichtssaal Gottes

Jesus erzählt eine Geschichte vom Passa, Paulus redet zentral von Rechtfertigung. Nun hat sich allerdings das Verständnis von Paulus in der jüngsten Vergangenheit geändert durch die von Ed Sanders, Jimmy Dunn und N.T. Wright entwickelte „New Perspective on Paul“. Diese unterscheidet stärker zwischen Paulus selbst und seiner Aufnahme in der Reformation – Paulus erzählt eine größere Geschichte von Versöhnung als die Reformatoren gedacht haben:

  • Rechtfertigung ist ein juristisches Bild: Gott wird am Ende zu Gericht sitzen; wer „in Christus“ ist, wird für gerecht erklärt werden, und dieses künftige Urteil hat jetzt schon Bedeutung.
  • Durch die Auferstehung hat Gott Jesus endgültig Recht gegeben.
  • Durch die Einheit mit Christus lebt die Gemeinschaft der Glaubenden schon jetzt aus der künftigen Entscheidung Gottes.
  • Die Basis dieser Gemeinschaft ist Glaube und nicht Werke des Gesetzes. Deshalb gehören Juden und Heiden zu ihr.
  • Gottes Rechtfertigung ist ein Teil seines Plans, die ganze Welt wieder recht zu machen.
  • Auch wenn nicht alle Vertreter der „New Perspective“ das so sehen, liegt es doch nahe, aus der Unio mit Christus die „doppelte Imputation“ abzuleiten, die eine wichtige Entdeckung der Reformation ist: Jesu Gerechtigkeit wird einem Menschen zugerechnet und die Sünde wird Jesus zugerechnet (der „fröhliche Wechsel“ Luthers).

Durch diese neue Sicht der Rechtfertigung ergeben sich einige Korrekturen am reformatorischen Verständnis:

  • Erstens ist es zu individualistisch, denn das Ziel der Rechtfertgung ist die Schaffung einer Gemeinschaft.
  • Zweitens ist Rechtfertigung zwar ein juristisches Bild, aber man darf deswegen Sühne/Versöhnung nicht auf die juristische Ebene reduzieren. Es geht um ein Beziehungsgeschehen: Gott stellt die Einheit mit Menschen aus Güte und Liebe wieder her.
  • Drittens muss Rechtfertigung in den Zusammenhang der Einheit mit Christus gestellt werden – ihre Grundlage ist die Inkorporation, also das In-Christus-Sein. Aus dem Sein in Christus folgt die Rechtfertigung.
  • Viertens muss die Reduktion der Rechtfertigung auf eine juristische Gerechterklärung aufgegeben werden. Wenn Gott gerechtspricht, dann bleibt er nicht bei einem Urteilsspruch stehen, sondern er setzt damit Realität und bringt effektiv Dinge in Ordnung. Und das bedeutet: er schafft eine Gemeinschaft, in der sein Wille getan wird.

Man merkt, wie hier von Paulus eine andere Geschichte erzählt wird als von Jesus. Diese Geschichten sollten nicht vorschnell systematisch harmonisiert werden. Man kann das als Theologe natürlich tun, aber damit nimmt man jeder einzelnen Geschichte ihre Würde und ihren Glanz. Man kann nicht mit zwei Golfschlägern gleichzeitig spielen. Trotzdem, nachdem im nächsten Kaptel noch die Theologie der frühen Kirchenväter zu diesem Thema skizziert wird, soll dann ein Beutel vorgesetellt werden, in den alle Schläger hineinpassen.

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