Jan 022008
 

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Kapitel 6: Das Geheimnis der Metaphern: Einübung in postmoderne Demut

Scot McKnight zitiert einleitend Briant Blount (Then the Whisper Put on Flesh):

In den Besitz dieser Anerkennung hat sich jene Ansammlung von euro-amerikanischen Gelehrten, Pastoren und Laien gebracht, die im Lauf der Jahrhunderte durch den Einsatz ihrer ökonomischen, akademischen, religiösen und politischen Vorherrschaft die Illusion erschuf, dass es eine korrekte Lesart der Bibel gebe – nämlich die von ihren eigenen Erfahrungen geprägte.

Diese Überlegung ist für McKnight ein Schlüssel geworden: der Kontext redet immer mit, auch bei der Ausgestaltung theologischer Themen. Das will er an den Begriffen „menschliches Wesen“ und „Sünde“ zeigen.

Was ist ein Mensch?

Wir sind einerseits zum Bild Gottes bestimmt, andererseits leben wir aber mit einer individuellen Geschichte und unter ganz unterschiedlichen Bedingungen. Gibt es für alle dasselbe Sühne/Versöhnungs-Modell? Z.B. für einen weißen Mann mit Entscheidungskompetenz aus dem guten Viertel ebenso wie für die machtlose Frau aus der Innenstadt? Solche Fragen helfen uns, unseren Platz zu finden angesichts eines unbegrenzten Gottes, der allein die Fülle ist.

Was ist Sünde?

Wieder einmal: das Problem ist das Problem. Ja, Sühne/Versöhnung löst das Sündenproblem, aber Sünde ist eben auch ein Problem. Es ist sehr komplex. „Vielleicht kennen wir Sünde in Wahrheit nur durch ein Sündenbekenntnis“ (Ted Peters). Ist es typisch männlich gedacht, wenn Sünde als Stolz und Macht definiert wird? Und werden die Machtlosen in ihrer Ohnmacht bestätigt, weil die Mächtigen Sünde im Licht ihrer Probleme definieren? Was ist der Kern der Sünde? Die Wahrnehmung der Sünde ändert sich auch historisch. Wegen der Komplexität von Sünde ist Sühne/Versöhnung ein Problem.

Was ist also Sühne/Versöhnung?

Es gibt fünf große Metaphern für Sühne/Versöhnung: In Christus sein, Loskauf oder Befreiung, Genugtuung, moralische Beeinflussung und stellvertretendes Strafleiden. Welche davon sollen wir nehmen?
Das hängt davon ab, was für Menschen man im Blick hat. Denn wie sieht Sühne/Versöhnung aus der Perspektive von Menschen aus, die ein Erbe von Unterdrückung und Verletzung mit sich herumtragen? Und wie sieht Sühne/Versöhnung aus für einen weißen männlichen Jugendlichen aus der Mittelschicht, der ein komfortables Leben im Grüngürtel außerhalb der City vor sich hat?
Wenn wir uns nur auf einen der beiden konzentrieren, dann ist unsere Wahrheit nur die halbe Wahrheit – und ist sie dann noch Wahrheit (Vincent Bacote)? Dieses Kapitel sollte unseren Horizont weiten und so Gott verherrlichen. Unsere Perspektive ist immer begrenzt. Nur Gott übersieht die ganze Wahrheit. Das soll uns demütig machen und in den Austausch mit anderen bringen, denn nur so können wir herausarbeiten, was Sühne/Versöhnung in unserer Generation ist. Wir brauchen dazu das ganze Arsenal der Metaphern.
Wir brauchen aber auch eine genaue Betrachtung der einzelnen Stationen im versöhnenden Handeln Gottes. Das folgt in den nächsten Kapiteln, bevor wir zu einem Gesamtbild kommen.

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