Okt 252007
 

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Kapitel 4: Womit anfangen? Mit der Ewigkeit, mit christlicher Gemeinschaft, und auch mit Praxis

In diesem Kapitel folgen drei weitere Einstiegspunkte zum Thema Sühne/Versöhnung:

Der vierte Ausgangspunkt: Die Ewigkeitsperspektive einer anbetenden Gemeinschaft
Die verschiedenen biblischen Überlieferungsstränge zur Ewigkeit treffen sich in der Überzeugung, dass es in der Ewigkeit eine große Gemeinschaft geben wird, die Gott und seinen Sohn preist und im Kontext der ganzen Schöpfung das Lied der Erlösung singt. Dieses Bild steht für die Einheit mit Gott und die Gemeinschaft mit anderen. Es wird als Hochzeitsfest beschrieben. Da wird eine neue Gesellschaft geschaffen, wo alles wieder so ist wie in Eden. Darauf bereitet Gott sein Volk durch Sühne/Versöhnung vor.
Es muss noch unterstrichen werden, dass der biblische Blick auf die Ewigkeit keine Rechtfertigung für Passivität ist. Vielmehr befeuert er die Sehnsucht, so wie Jesus sich danach sehnte, dass Gottes Reich kommen möge „wie im Himmel, so auf Erden“. Jede Lehre von Sühne/Versöhnung ist falsch, wenn sie entweder nur an die Erde denkt oder den Blickpunkt zu sehr auf die Ewigkeit richtet. Bei Sühne/Versöhnung geht es um irdische Realität und ewige Bestimmung.

Der fünfte Ausgangspunkt: Ekklesiale Gemeinschaft – Israel, das Reich Gottes, die Gemeinde
Weil Gott eine Gemeinschaft von Drei in Einem ist, richtet sich auch sein Werk immer an Gemeinschaften. Sühne/Versöhnung erreicht Menschen immer im Kontext einer Gesellschaft, die in der Bibel drei Namen hat:

  • Israel: Gleich nach der Sintflut formte Gott mit Abraham eine Bundesgemeinschaft, und von da an erzählt die Bibel die Geschichte dieser Bundesgemeinschaft.
  • Reich Gottes: In diesem Begriff konzentrierte Jesus seine Vision. Es geht um eine Gemeinschaft, in der Gottes Wille getan wird.
  • Gemeinde: alle neutestamentlichen Schriften drehen sich um die Gemeinde als lokale Konkretion des Reiches Gottes.

Immer geht es bei Sühne/Versöhnung um die Erschaffung von Gemeinschaften des Glaubens, in denen Gottes Wille getan und gelebt wird. Wir werden das Thema nicht verstehen, wenn wir das nicht von Anfang an beachten.

Der sechste Ausgangspunkt: Praxis als gemeinsame Aufführung
Die Kirche soll ihren Text auf der Bühne der Welt aufführen. Bezogen auf Sühne/Versöhnung bedeutet das Zweiseitigkeit [reciprocity; für die Theologen unter uns: vielleicht würde das Wort an dieser Stelle am besten als „Analogie“ im Barth’schen Sinn verstanden]. Im Vaterunser wie im Gleichnis vom Schalksknecht bindet Jesus z.B. die Vergebung Gottes mit unserer Vergebungsbereitschaft gegenüber anderen zusammen. Der sühnend/versöhnende Gott schafft eine Gemeinschaft der Sühne/Versöhnung. Somit muss gesagt werden: Sühne/Versöhnung setzt sich fort im Werk derer, die das bei Gott gelernt haben. Es ist eine gemeinsame Aufführung. Als Ebenbilder Christi sind wir seine Botschafter der Versöhnung (2. Korinther 5,20). Wer Sühne/Versöhnung empfängt, dem wird damit die Gnade zuteil, in analoger Weise an diesem Werk Anteil zu haben. Es wird nicht nur für uns getan, sondern wir nehmen selbst aktiv daran teil, wenn wir uns der Missio Dei anschließen.

Nachdem wir uns in Teil 1 (Kapitel 2-4) über die Ausgangspunkte des Themas verständigt haben, wird es nun in Teil 2 (Kapitel 5-10) um die Bilder gehen, mit denen man es am besten ausdrückt.

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